Schule in Zeiten der Pandemie "Unglaubliche Bildschirmzeiten"

Gymnasiallehrer Hans Irler an seinem heimischen PC. Foto: privat

Hans Irler arbeitet am Johannes-Turmair-Gymnasium in Straubing und unterrichtet Deutsch und Geschichte.
Er sagt zum Distanzunterricht: 


Zwischenbilanz: Im Frühjahr 2020 haben wir unsere Schüler vor allem mit Aufgaben zum selbständigen Lernen und Üben unterrichtet, was, sofern man es ernsthaft betrieben hat, einen Berg von Korrekturen mit sich brachte, denn für die Schüler im Homeschooling sind die Rückmeldungen des Lehrers noch wichtiger als unter normalen Bedingungen. Inzwischen ist der Lehrer-Schüler-Kontakt durch die häufigen Videokonferenzen deutlich besser, auch wenn es für weniger motivierte Schüler natürlich weiterhin ein Leichtes ist abzutauchen.

Technik: Wir arbeiten mit MS Teams, das deutlich stabiler läuft und einfacher zu handhaben ist als Mebis, auch weil hier die Videofunktion integriert ist. Trotzdem gibt es zu Spitzenzeiten aber auch hier lästige Verzögerungen, etwa wenn sich Schüler melden, die Meldung aber erst viele Sekunden später auf dem Lehrerdesktop erscheint. Wir hatten zwar eine ganze Serie von Online-Fortbildungen, das meiste habe ich mir aber durch learning by doing angeeignet.

Perspektive: Insgesamt ist es nur allzu offensichtlich, dass das Homeschooling die Kluft zwischen guten und weniger guten Schülern auch innerhalb des Gymnasiums weiter vertiefen wird. Einige wenige, die sich auch vorher schon Inhalte selbstständig erarbeitet haben, profitieren vielleicht sogar davon; die Mehrheit wird deutlich weniger mitnehmen als im Präsenzunterricht. Besonders schlimm finde ich aber, dass das soziale Leben in dieser wichtigen Lebensphase eingefroren bzw. auf das Smartphone verlagert wird. Man sollte sich vor Augen führen, was für unglaubliche Bildschirmzeiten für Jugendliche zusammenkommen. Vormittags Videokonferenzen, nachmittags Hausaufgaben am Computer, zwischendurch immer wieder ein paar Chats am Smartphone und abends zur Entspannung noch ein, zwei Netflix-Serien. Eigentlich ist das ein pädagogischer Offenbarungseid: Zu normalen Zeiten versuchen wir, die Kids vor zu viel Medienkonsum zu bewahren und jetzt zwingen wir sie in die Videokonferenzen.

 

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