Schule in Zeiten der Pandemie Erschöpft

In Zeiten von Homeschooling und Lockdown fühlen sich viele Familien erschöpft. Foto: pikselstock – stock.adobe.com

Das Homeschooling bringt Familien an ihre Grenzen. Wir haben eine Mutter gefragt, wie es ihr im zweiten Lockdown geht – und für sie steht fest: „Die Situation hinterlässt Spuren.“

Was Susanne im Moment am meisten fehlt, ist eine Perspektive. Wenn die Mutter zweier Kinder morgens aufwacht, freut sie sich eigentlich schon wieder auf den Moment, wenn sie abends ins Bett gehen kann. „Wieder ein Tag vorbei, aber kaum etwas geschafft“, denkt sie sich dann. „Es ist so kräftezehrend“, beschreibt sie.  

Susanne hat einen Sohn im Grundschulalter, die Tochter steckt mit ihren 14 Jahren mitten in der Pubertät. Susanne ist im Moment in Kurzarbeit, ihr Mann arbeitet meist im Homeoffice.  Am anstrengendsten findet sie, dass seit Monaten fast immer alle daheim sind: „Dieser Input rund um die Uhr, das hält man kaum aus.“ Es fehlt der Ausgleich – der Austausch mit den Kollegen, ein Treffen mit Freundinnen, der Sportkurs. „Auch wenn man seine Familie liebt, braucht man zwischendurch mal ein wenig Abstand und Zeit für sich“, ist sie überzeugt. Dabei ist ihr bewusst, dass sie und ihre Familie sich in einer privilegierten Situation befinden: Sie sind gesund, wohnen in einem Haus mit Garten und haben durch die Pandemie kaum finanzielle Einbußen. Deshalb möchte Susanne, die eigentlich anders heißt, auch anonym bleiben. Sie hat Angst, dass ihr vorgeworfen wird, auf hohem Niveau zu jammern. Trotzdem – sie ist überzeugt: „Der Lockdown macht etwas mit uns, die Situation hinterlässt an uns allen Spuren.“  

Während ihre Tochter das Homeschooling gut selbständig meistert, ist der Sohn in der zweiten Klasse auf die Hilfe der Mama angewiesen. „Jeder Vormittag ist ein Kampf“, schildert Susanne. Denn die Motivation schwindet bei ihm von Tag zu Tag, sie muss ihn ständig antreiben: „Er ist im Ferienmodus.“ Außerdem sei es schwierig, zugleich Mama und Ersatzlehrerin zu sein: „Man wird da einfach nicht so ernst genommen.“  Der Wechselunterricht ist allenfalls ein kleiner Lichtblick. Nur an zwei Tagen kann der Sohn in die Schule gehen –  zwar besser als nichts, aber trotzdem viel zu wenig, findet Susanne. „Mein Sohn bräuchte die Struktur so sehr“, sagt sie. „Er ist ja noch gar nicht richtig in der Schule angekommen.“  

Die Tochter hat weiterhin Distanzunterricht. „Das tut mir so leid für alle Jugendlichen,“ bedauert Susanne. Ihre Tochter vermisst es, ihre Freundinnen treffen zu können. Videokonferenzen sind dafür kein Ersatz. Die Stimmung beim Teenager? „Durchwachsen“, formuliert Susanne es diplomatisch. Susanne hofft, dass sie nun an den beiden Vormittagen, an denen ihr Bub in der Schule ist, Sachen erledigen kann, die in den vergangenen Wochen liegengeblieben sind. „Da mein Mann Vollzeit arbeitet und ich durch die Kurzarbeit daheim bin, ist es natürlich sinnvoll, dass Homeschooling, Haushalt und Kinderbetreuung meine Aufgaben sind.“  

Doch eigentlich ärgert diese Aufteilung die 43-Jährige gewaltig: „Es ist einfach ungerecht. Die Pandemie wirft Frauen in Sachen Gleichberechtigung meilenweit zurück.“  Aber sie weiß auch: „Es gibt im Moment keine andere Lösung.“ Susanne und ihre Familie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Sie gehen spazieren, machen Fahrradtouren oder schauen miteinander Filme. Ihr größter Wunsch? „Ich hätte einfach gerne wieder unser altes Leben zurück.“

Lesen Sie auch: 

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading