Schluss mit 19 Jahren Michael Tiefenbrunner: Wenn Fußball nicht mehr alles ist

Michael Tiefenbrunner hat mit 19 Jahren mit dem Fußballspielen aufgehört. Foto: Charly Becherer

Nach Jahren im Nachwuchs von Profivereinen hat Michael Tiefenbrunner mit 19 Jahren plötzlich aufgehört, Fußball zu spielen. Die Geschichte eines jungen Mannes, der genau weiß, was er will – und was er nicht will.

Wenn Michael Tiefenbrunner heute über Fußball spricht, dann klingt das gar nicht mehr so, als hätte er diesen Sport einmal geliebt. Der 19-Jährige aus Vilshofen (Landkreis Passau) hat in den vergangenen Jahren viel in den Sport investiert, trainierte in den Nachwuchsleistungszentren des TSV 1860 München und des 1. FC Nürnberg. In diesem Sommer traf er dann eine Entscheidung, die zunächst überrascht: Tiefenbrunner hat mit dem Fußballspielen aufgehört.

Zu Beginn der Saison hat er noch einige Spiele für die zweite Mannschaft von 1860 München gemacht. Mit ganzem Herzen war er da aber schon nicht mehr dabei. „Für mich stand der Entschluss eigentlich früh fest: Es hat mir nicht mehr wirklich Spaß gemacht, Fußball zu spielen“, blickt er auf die Zeit zurück. Der Grund: „Das Menschliche hat für mich nicht mehr gepasst. Man hatte kaum noch Spaß, hat sich in der Mannschaft gegenseitig unter Druck gesetzt.“ Das war nicht mehr seine Welt.

Bis in die Nachwuchs-Nationalmannschaft

Dabei hatte er einmal viel Spaß am Fußball. Als Kind fing er mit fünf Jahren beim Heimatverein FC Aunkirchen mit dem Kicken an und wechselte dann zur U13 in den Nachwuchs der SpVgg GW Deggendorf. Zwei Jahre später ging es nach München, wo er als Jugendlicher seine beiden besten Jahre erlebte. Er wurde in die Nachwuchs-Nationalmannschaft eingeladen und war ständig in der Bayernauswahl vertreten.

Es folgten nicht ganz einfache Jahre. Tiefenbrunner wechselte zum 1. FC Nürnberg, wo er sein schlimmstes Jahr als Fußballer erlebte. Mit dem Trainer sei er nicht wirklich klargekommen. Am Ende der U17-Zeit hat sich der Blondschopf das Syndesmoseband gerissen und war für ein halbes Jahr raus. Dennoch hat er es in der U19 nochmals versucht. Er spielte bis zum Winter der Saison 2016/17 in Nürnberg, dann kurz in Feucht, wo er aufgrund einer erneuten Verletzung aber zu keinem Einsatz kam. „Mein Kopf hat schon damals gesagt: Hör auf“, blickt er auf die Zeit zurück. Aber er wechselte noch einmal für eine Saison zurück zu 1860 München, ehe er in diesem Jahr den Schlussstrich zog.

Zum Fußballprofi, glaubt der junge Mann heute, hätte es bei ihm nicht gereicht. Ob er genügend Talent hatte, weiß er nicht. „Aber ich war im Kopf nie wirklich bereit dafür.“ Warum er es dennoch versucht hat bei den Nachwuchsteams der Proficlubs? „Wenn man Talent hat, dann denkt man einfach, dass man den Weg weitergehen muss.“ Mittlerweile hat er sich für einen anderen Weg entschieden. „Der Fußball konnte mir einfach nicht mehr das geben, was er mir früher gegeben hat“, sagt er. Was ihn vor allem gestört hat: „Es ging nicht mehr wirklich ums Menschliche.“

"Mein Leben ist dadurch viel erfüllter"

Einfach war die Entscheidung für ihn dennoch nicht. „Ich habe fünf, sechs Jahre neben der Schule alles in den Fußball investiert und meine Jugend dafür geopfert. Das aufzugeben, ist hart“, sagt er. Auch seine Eltern, die ihn „immer unterstützt“ und viel investiert haben, wollte er nicht enttäuschen. Aber der 19-Jährige bereut den Schritt auf keinen Fall. „Ich merke heute, dass es absolut richtig war. Mein Leben ist dadurch viel erfüllter.“

Es ist beeindruckend, wie reflektiert Michael Tiefenbrunner in seinem jungen Alter auf die vergangenen Jahre und das Geschäft blickt. Ob er mit seinen Ansichten ein Einzelfall ist? Mitnichten. „Es gibt wirklich viele, die ähnlich denken“, sagt er. Aus seiner letzten Mannschaft seien es viele gewesen, die keine wirkliche Lust mehr hatten, weiter Fußball zu spielen. „Aber viele trauen sich nicht, aufzuhören. Sie denken, dass sie aus irgendwelchen Zwängen weiter Fußball spielen müssen“, vermutet der Niederbayer.

Neuer Weg: Medizin studieren

Dass Michael Tiefenbrunner einen solch klaren Blick auf seine Situation hat, liegt wohl auch daran, dass er sich auch für Dinge abseits des Sports interessiert und seinen Horizont immer wieder erweitert hat. Neben dem Fußball hat er sein Abitur mit 1,3 gemacht. „Ich war schon immer jemand, der Neues lernen wollte“, sagt er. Aktuell macht er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter, im kommenden Jahr will er ein Medizin-Studium beginnen. Er wollte schon immer etwas im sozialen Bereich machen und Menschen helfen, erzählt er. Zudem genießt er die neu gewonnene Freizeit, um Dinge nachzuholen, die in den vergangenen Jahren auf der Strecke geblieben sind. Er verbringt viel Zeit mit der Familie und unternimmt Reisen. Er war in Griechenland, mehrmals in Berlin und will nach Italien.

Dass er noch einmal hobbymäßig Fußball spielt, das will Tiefenbrunner nicht ausschließen. Erst einmal hat er aber das Kapitel für sich beendet. Etwas anders machen würde er trotz oder vor allem wegen der Erfahrungen der vergangenen Jahre nicht. „Der Weg war gut so, wie ich ihn gegangen bin. Ich bereue nichts. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, musste mit 14 Jahren selbstständig sein und musste mich professionell verhalten. Der Leistungssport gibt einem auch viel. Ich bin gereift und die Jahre waren eine Riesenerfahrung für mich“, sagt er. „Vor allem hat mir die Zeit aber gezeigt, was ich nicht will.“ Nämlich: Fußball spielen.

 
 

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