Schauspieler-Interview Kein Dreh wie jeder andere: Lea Drinda (18) berichtet vom Set der Amazon-Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Christiane F. (Jana McKinnon, Dritte von links) und die Clique in der Serie: Stella (Lena Urzendowsky), Axel (Jeremias Meyer), Benno (Michelangelo Fortuzzi), Babsi (Lea Drinda) und Michi (Bruno Alexander, von links). Foto: Josef Fischnaller/Mike Kraus/ Constantin Television/Amazon Prime

In der Amazon-Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ spielt Lea Drinda (18) die drogensüchtige Schülerin Babsi. Nicht nur wegen des Themas ist die Serie für sie besonders.

Mit ihren 18 Jahren ist Lea Drinda das jüngste Mitglied der Schauspieler von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Wie sie ihren Charakter Babsi erlebt hat und warum der Enthusiasmus aller Beteiligten den monatelangen Dreh zu etwas ganz Besonderem gemacht hat, erzählt sie im Interview.

Hallo, Lea, an welchen Teil der Dreharbeiten erinnerst du dich am liebsten?
Lea Drinda: Meine erste Antwort auf diese Frage war immer „entweder ich erinnere mich an alles oder an gar nichts“. Das liegt daran, dass der Dreh so lange und so intensiv war. Ich habe das Gefühl, dass ich mittlerweile ein anderer Mensch bin als die Lea, die ich am Anfang der Dreharbeiten war.

Wie lange haben die Dreharbeiten denn gedauert?
Lea Drinda: Insgesamt etwa 9 Monate – also viel länger als bei einer Serie üblich. Ich bin während der Dreharbeiten 18 geworden. Der lange Dreh hatte aber auch einige Vorteile. Während das Team in Berlin und Prag war, sind wir stark zusammengewachsen. Wir hatten Zeit, nach dem Dreh gemeinsam etwas zu unternehmen, was sehr dabei geholfen hat, Christianes Freundesgruppe in der Serie darzustellen. Christiane und ihre Clique haben ein enges Verhältnis zueinander, gleichzeitig ist jeder der Charaktere aber auch sehr allein.

Bei der vielen Zeit, die ihr beim Dreh miteinander verbringen konntet, muss es schwer gewesen sein, sich auf die Szenen, in denen jeder für sich spielt, einzustellen.
Lea Drinda: Tatsächlich gar nicht. Es wurde ja nicht chronologisch gedreht. In Szenen, in denen mein Charakter Babsi allein war, wurden auch ohne die anderen Schauspieler gedreht.

Gerade für Babsi sind diese Soloszenen sehr wichtig, da sie aus einer ganz anderen Gesellschaftsschicht kommt als der Rest der Clique. In einigen ihrer Szenen kann sich der Zuschauer nicht einmal sicher sein, ob sie träumt, oder ob tatsächlich alles real ist.

Wie seid ihr diese Szenen angegangen?
Lea Drinda: Alles, was Babsi erlebt, ist für sie zu 100 Prozent real. So sind wir auch an diese Szenen herangegangen – ich sollte alles so spielen, als ob es real wäre.

Das schwere Leben der Charaktere steht in starkem Kontrast zu ihren extravaganten Outfits, mit denen sie aus ihrem finsteren Alltag zu fliehen versuchen. Wie groß war euer Einfluss auf die Garderobe?
Lea Drinda: Die Charakterkostüme wurden von unseren Kostümbildnern entworfen. Sie wollten einerseits die späten 70er und 80er Jahre zeigen, ihnen aber auch etwas Zeitloses geben. Das haben sie auch super geschafft. Wir Schauspieler hatten aber natürlich immer die Möglichkeit, zu sagen, wenn wir uns nicht wohlfühlen oder etwas nicht anziehen wollten.

Für die Serie wurde wohl einiges an Aufwand betrieben. Kannst du schildern, wie zum Beispiel die Kettenkarussell-Szene entstanden ist?
Lea Drinda: Die Szene ist in der Weihnachtsfolge zu sehen: Christiane und ihre Freunde wandern nach einer Nacht in der Diskothek „Sound“ durch die Straßen und entdecken dort ein Kettenkarussell, das sie anschalten. Wir haben an der Szene etwa sieben Stunden gedreht. Außerdem war es sehr kalt. Wir hatten zum Glück warme Sachen an und haben Medikamente gegen den Schwindel bekommen, denn wir sind tatsächlich mit dem Karussell gefahren.

Nicht nur das, die Charaktere stehen ja auch mitten in der Fahrt auf und stehen in ihren Sitzen.
Lea Drinda: Auch das war echt! Wir waren aber abgesichert. Ich mag die Szene sehr und finde, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Denn sie zeigt einen der Momente, in denen sich Babsi und die anderen richtig frei fühlen.

Wie hast du dich generell auf deine Rolle vorbereitet?
Lea Drinda: Ich habe das Buch gelesen und mich mit der Geschichte von Christiane F. beschäftigt. Dabei ist es aber nicht geblieben. Im Laufe der Serie werden Christiane, Stella und Babsi in die Prostitution gezwungen. Ich habe mir viele Videos angesehen, in denen Prostituierte über ihren Alltag berichten. Nicht nur Dokumentationen, auch auf Youtube und in den Sozialen Medien. Dort gibt es einige sehr erschütternde Videos.Babsi ist nicht nur der jüngste Charakter der Clique, du warst auch die jüngste Schauspielerin. Berührt dich da die Geschichte wie die von Christiane F. besonders?
Lea Drinda: Es macht betroffen, wie jung Christiane und ihre Freunde waren, als sie das alles erleben mussten. Das will „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ auch zeigen. Ein Jugendlicher ist immer auf der Suche nach etwas. Auch ohne genau zu wissen, wonach eigentlich. Die Frage ist, was passiert, wenn man es findet.

Hier geht es zur Serie. 

Schau dir den YouTube-Trailer an: 

Christiane F. und das Buch 

Als die beiden Stern-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck Ende der 1970er Jahre die Geschichte von Christiane Felscherinow veröffentlichten, schlug diese ein wie eine Bombe. Mit gerade einmal 13 Jahren hatte Christiane schon Heroin-Abhängigkeit und Prostitution durchgemacht. Das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ und der gleichnamige Film wurden zu einem Phänomen und Christiane F. zur Symbolfigur der von Drogen geprägten Jugendkultur des Berlins der 1970er und 1980er Jahre. Hier geht es zum Buch. 

 

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