Sars-CoV-2 und die 7-Tage-Inzidenz Was bedeuten die Fallzahlen für die Infektionsgefahr?

7-Tages-Inzidenz, Positivenrate, Krankheitsfälle – zur Risiko-Bewertung in Bezug auf Corona werden viele unterschiedliche Zahlen herangezogen. Wir erklären, was sie bedeuten, was aus ihnen herauszulesen ist – und was nicht.

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der positiven Tests auf Sars-CoV-2 in einigen Städten und Landkreisen Ostbayerns zeitweise wieder angestiegen. Die Stadt Landshut riss sogar den staatlich festgesetzten Grenzwert, ab dem wieder strengere Infektionsschutzmaßnahmen ergriffen werden sollten. Was sagen diese Zahlen aus? 

Als in den vergangenen Wochen die Zahl der positiven Sars-CoV-2-Tests wieder anstieg, sprachen Politiker und Medien teils von einer zweiten Covid-19-Welle. Laut den offiziellen Lageberichten des Robert-Koch-Instituts (RKI) war die Anzahl der positiven Sars-CoV-2-Tests zwar zeitweise gestiegen, zuletzt auf 8.921 Positiv-Befunde in Kalenderwoche 34. Allerdings wurde in diesem Zeitraum auch deutlich mehr getestet als in den Wochen zuvor: Seit Mitte Juli hatte sich laut RKI-Angaben die Zahl der Tests verdoppelt.

Die sogenannte Positivenrate, der Anteil der Positiv-Befunde an der Gesamtmenge der Tests, ist seit Anfang August gesunken, zuletzt auf 0,74 Prozent – das ist der viertniedrigste Wert, den das RKI seit Beginn der Pandemie gemeldet hat. Von einer zweiten Welle würde Prof. Dr. med. Bernd Salzberger vom Lehrstuhl für Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg derzeit daher nicht sprechen. Ein positiver Test zähle nicht automatisch als „Fall“: „Zum Glück sind jetzt auch die Fallzahlen leicht rückläufig. Daraus zu schliessen, dass die Pandemie im Abklingen ist, ist etwas verfrüht – eine Pandemie betrifft ja die ganze Welt“, erklärt Salzberger gegenüber idowa. Die Situation in Deutschland entspanne sich derzeit aber gerade etwas.

Positivenrate sank - bei steigenden Positiv-Befunden

Das Problem bei der 7-Tage-Inzidenz: Es werden lediglich die neuen Sars-CoV-2-Nachweise in Beziehung zur Bevölkerung einer Stadt beziehungsweise eines Landkreises gesetzt. Dass der Test möglicherweise sogar bei einem geringeren Anteil der Getesteten positiv angeschlagen hat, als in der Woche zuvor, wird in diesen Wert nicht eingerechnet.

Wenn nun die Anzahl der Tests weiter erhöht werden würde, würden dann irgendwann alle Städte und Landkreise unweigerlich auf einen Inzidenz-Wert über 50 kommen? Nein, sagt Bernd Salzberger. Mehr Tests bedeute natürlich eine höhere Wahrscheinlichkeit positiver Ergebnisse – dennoch: „Egal wieviel man testet: man kann nicht mehr Infektionen finden, als vorhanden sind. Täuschen über die wahre Lage kann nur das Nichttesten.“

Entscheidend für die Aussagekraft sei die Teststrategie, sagt Salzberger: „Stichproben lohnen sich vor allem in Gruppen, in denen sich etwas verändert oder bei denen man wissen will, wie hoch die Rate ist, zum Beispiel bei Reiserückkehrern oder jungen Menschen. Die derzeitige Lage der Ausbreitung des Virus ist durch viele Faktoren beeinflusst: Import von Infektionen aus dem Ausland, gekoppelt mit meist kleineren Clustern.“

Lage günstig, aber nicht ohne Gefahren

Ungeachtet der 7-Tage-Inzidenz sind in der Region laut Auskunft der Krankenhäuser wenigstens derzeit kaum schwere Krankheitsverläufe zu beobachten. Diese Beobachtung bestätigen auch die Ärzte und Experten am UKR: „Zum Glück sind die infizierten Personen überwiegend jung und damit ist die Zahl von schweren Erkrankungen zurzeit niedrig. Wir haben aber aus den letzten Wochen auch wieder zwei Patienten auf der Intensivstation behandelt.“ Im Frühjahr waren dort zeitweise an die 40 Patienten gleichzeitig.

Auf die Herbstsaison blickt Salzberger mit teils gemischten Gefühlen. Mancherorts geäußerte Hoffnungen, dass sich das Virus genetisch verändert habe, hätte man bisher nicht beobachten können: „Ganz im Gegenteil: es hat sich bestätigt, dass sich SARS-CoV-2 relativ wenig verändert“, erklärt Salzberger.

Die derzeitige Lage sei günstig, aber nicht ohne Gefahren. Viele junge Menschen hätten Kontakt zu Älteren, erläutert Bernd Salzberger: „Und so birgt eine Ausbreitung in einer Altersgruppe auch die Gefahr des Überschwappens. Und Überschwappen kann auch die Entwicklung aus anderen Ländern – wir sind keine Insel und wir haben in der ersten Welle großes Glück gehabt.“

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