Tolle Musik, tolles Publikum und kein Regentropfen weit und breit: Das Pfingst-Open-Air in Salching ist am Sonntagabend spektakulär zu Ende gegangen. Für den würdigen Abschluss sorgten unter anderem Künstler wie AnnenMayKantereit, Megaloh und Jesper Munk. Die Bilanz des dritten Tages.

Abwechslungsreichtum wurde bei dem Festival auch am dritten Tag groß geschrieben: Bereits ab 14 Uhr ging es los mit Pauken und Trompeten - im wahrsten Sinne des Wortes: Denn die erste Gruppe Bazzookas war eine waschechte Ska-Band. Bereits am Samstag waren die acht Jungs mit ihrem unverkennbaren gelben Bus auf dem Gelände unterwegs, am Sonntag gehörte ihnen dann auch die Mainstage.

Weiter ging es mit der Indiepop-Gruppe Tonbandgerät aus Hamburg. In ihrer Heimatstadt sind sie bereits recht bekannt und nach ihrem Auftritt dürften sie nun sicherlich auch in Niederbayern Fuß gefasst haben. Mit einfachen, aber schönen Songs über alle Themen des (alltäglichen) Lebens hatten sie das Publikum schnell auf ihre Seite gezogen.

Mit Akua Naru stand im Anschluss eine echte Ausnahme-Künstlerin auf der Bühne: Sie verzauberte das Publikum mit klassischem Hip-Hop, angereichert mit sozialkritischen Texten und reichlich Frauenpower. Naru ist wohl das, was man im Hip-Hop einen Underdog nennt: Sie wurde in den USA geboren, begann bereits als junges Mädchen Texte zu schreiben und schaffte es schließlich tatsächlich, ihren Traum von der Musik zu verwirklichen. Mit deutlichen Soul- und Gospel-Anleihen heimsten ihre bisherigen zwei Alben beste Kritiken ein - zu Recht, wie sie mit ihrem Auftritt beim POA bewiesen hat.

Ska, Hip-Hop, Pop, Rock, Electro, Indie - kaum eine Musikrichtung, die das Pfingst-Open-Air nicht abgedeckt hat. Aber Blues? Der war bis Sonntagabend Fehlanzeige. Dann kam Jesper Munk. Der junge Mann, der vor kurzem sein zweites Album rausgebracht hat, wird gerne als "Bluesrock-Wunderknabe" bezeichnet. Auch wenn ihm der Titel nicht gefällt (wie er im Interview mit uns verraten hat): Er ist wohlverdient. Waren schon zu Beginn seines Auftritts nicht wenige Zuschauer da, so wurden es bis zum Ende noch einmal deutlich mehr. Viele konnten wohl nicht glauben, dass diese tolle und raue Stimme zu einem erst 22-Jährigen gehörte. Kurz gesagt: Wow!

Derart auf den Blues gekommen, führte der nächste Künstler das Publikum back to the roots - im wahrsten Sinne des Wortes. Megaloh ist ein Rapper der alten Schule und als solcher verbreitete er auf dem ganzen Gelände vom ersten Ton an gute Laune. Feinsinnige Lyrik statt stumpfem Gangster-Gehabe: Nicht umsonst gilt der sympathische Berliner als eine der großen Hoffnungen des deutschen Hip-Hop. Seine Performance auf der Bühne war über jeden Zweifel erhaben und mit "Endlich unendlich" hatte Megaloh auch noch einen Song, der förmlich nach Festival schrie, im Gepäck. So muss das sein!

Im Anschluss gehörte die Bühne AnnenMayKantereit, eine der wahrscheinlich am sehnlichsten erwarteten Bands des diesjährigen Programms. Der komplizierte Bandname ist schnell erklärt: Er setzt sich aus den drei Familiennamen der Gründungsmitglieder zusammen. Mittlerweile sind AnnenMayKantereit zu viert, haben bereits eine deutschlandweite Tour hinter sich und durften sogar schon einmal bei der Fernsehsendung Circus HalliGalli auftreten. Ihr Musikstil ist schwer zu beschreiben - Pop-Rock mit Blues-Anleihen trifft es wohl am besten. Mal auf deutsch, mal auf englisch aber fast immer mit viel Melancholie singen sie darüber, wie das Leben und die Liebe sie zerreißen. Besonders Sänger Henning rannte mit seiner unverwechselbaren Stimme sämtliche Türen beim (vor allem weiblichen) Publikum ein. Und spätestens, als sich die Band vermeintlich verabschiedete und Henning wenig später allein auf die Bühne zurückkehrte und "Barfuß am Klavier" anstimmte, herrschte auf dem ganzen POA-Gelände absolute Gänsehaut-Atmosphäre.

Schluss war danach aber noch lange nicht: Auf der Hauptbühne sorgten Kadebostany mit einer seltsamen, aber absolut faszinierenden Mischung von Pop, Soul und Rap für einen würdigen Abschluss und auf den kleineren Nebenbühnen und den Campingplätzen wurde sowieso bis in die Nacht hinein weiter gefeiert.

Die Veranstalter zogen derweil ein erstes Fazit. So viel ist jetzt schon klar: Es war auch heuer wieder ein schönes Festival. Rund 8.000 Besucher kamen trotz des nicht gerade perfekten Wetters nach Salching - 2014 waren es knapp 7.000. Das Festival verlief die gesamten drei Tage über friedlich und auch die Zusammenarbeit mit den Behörden klappte tadellos. Das nächste Pfingst-Open-Air kann also kommen!

Anmerkung der Redaktion:
Alle Berichte und Fotos vom diesjährigen Pfingst-Open-Air finden Sie auch auf unserer Sonderseite.