Russische Invasion Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Ein Arbeiter beseitigt in Charkiw Rückstände aus einem Granatenkrater. Foto: Peter Druk/Xinhua/dpa

Kiew wird von den schwersten russischen Raketenangriffen auf die Hauptstadt seit Wochen erschüttert. Im Osten des Landes tobt derweil ein blutiger Straßenkampf - offenbar holt die Ukraine zum Gegenschlag aus. Die Entwicklungen im Überblick:

Russland hat den Druck auf die Ukraine mit Raketenbeschuss auf die Hauptstadt Kiew und Drohungen einer weiteren Eskalation erhöht.

Kremlchef Wladimir Putin warnte am Sonntag, dass Russland mit Angriffen auf die Ukraine reagieren werde, sollte der Westen Raketen mit hoher Reichweite an das angegriffene Land geben. "Wenn sie liefern, dann werden wir daraus die entsprechenden Schlüsse ziehen und unsere Mittel der Vernichtung, von denen wir genug haben, einsetzen, um jenen Objekten Schläge zu versetzen, die wir bisher nicht angreifen", sagte Putin dem Staatsfernsehsender Rossija 1. In Kiew und seinen Vororten schlugen am Sonntag mehrere Raketen ein.

Die genaue Situation in der seit Tagen heftig umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes erscheint derweil unklar. Nach britischen Erkenntnissen gingen ukrainische Truppen dort zuletzt zum Gegenangriff über. Damit hätten sie vermutlich die operative Dynamik geschwächt, die die russischen Streitkräfte zuvor mit einer Konzentration ihrer Einheiten und Feuerkraft gewonnen hatten, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. In den vergangenen Tagen hatte Russland noch Erfolge in der ostukrainischen Stadt verzeichnet.

Schwerster Beschuss Kiews seit Wochen

Seit dem Abzug russischer Truppen aus der Region um Kiew Ende März war die Hauptstadt nur noch selten Ziel von Raketenangriffen, zuletzt Ende April. Nun erlebte die Stadt aber erneut schweren Beschuss. Es seien militärische und zivile Infrastruktur getroffen worden, teilte die Militärführung in Kiew mit. Den Angaben nach wurde mindestens ein Verletzter im Krankenhaus behandelt, Tote habe es keine gegeben.

In sozialen Netzwerken veröffentlichten Menschen Bilder und Videos von Bränden und Rauchwolken. Auch Geräusche von Einschlägen waren zu hören. Am Sonntagmorgen gab es fast zweieinhalb Stunden Luftalarm.

Laut russischem Militär seien am Rande Kiews von osteuropäischen Ländern gelieferte Panzer vom Typ T-72 und andere Militärtechnik zerstört worden. Sie seien in einem Werk für die Reparatur von Eisenbahnwaggons untergebracht gewesen, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Kiews Bahnchef Olexander Kamyschin wies das zurück, es habe keine Panzer dort gegeben. Nach seinen Angaben schlugen dort vier Raketen ein.

Nach russischen Angaben habe es auch Angriffe unter anderem auf eine Werkstatt für die Wiederherstellung beschädigter Kriegswaffen, Munitionsdepots sowie Sammel- und Kommandopunkte gegeben. Dabei seien auch mehr als 350 ukrainische Kämpfer "vernichtet" worden, sagte Konaschenkow.

Nahe der Stadt Slowjansk im Gebiet Donezk sei bei einem Luftkampf ein ukrainisches Flugzeug vom Typ MiG-29 abgeschossen worden. Im Gebiet Odessa habe Russlands Luftabwehr eine Antonow An-26 vom Himmel geholt, die Militärtechnik transportiert habe. Sämtliche Angaben zum militärischen Verlauf des Kriegs ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Putin: Kampfdrohnen "knacken wie Nüsse"

Auch verbal rüstete Russland am Sonntag auf: Putin drohte der Ukraine mit schweren Angriffen, sollte sie westliche Raketen mit hoher Reichweite bekommen. Ziel der westlichen Waffenlieferungen sei es, den Konflikt in der Ukraine möglichst in die Länge zu ziehen, meinte der Kremlchef. Mit Blick auf die von den USA angekündigte Lieferung hochmoderner Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars zeigte er sich hingegen gelassen: Schon jetzt hätten die ukrainischen Streitkräfte solche Systeme russischer Produktion im Einsatz, die US-Lieferungen würden vielmehr zerstörte Waffen ersetzen. Gleichwohl sei hier entscheidend, welche Raketen eingesetzt würden.

Die russische Luftabwehr, sagte Putin, habe inzwischen den Großteil der Kampfdrohnen in der Ukraine zerstört. "Unsere Luftabwehrsysteme knacken sie wie Nüsse."

London: Ukrainischer Gegenangriff in Sjewjerodonezk

Vor allem im Osten des Landes schien die Situation für die Ukraine zuletzt immer brenzliger zu werden. Nun deuten britische Erkenntnisse darauf hin, dass die ukrainischen Truppen in der stark umkämpften Stadt zum Gegenangriff übergegangen sind. Bei den eingesetzten russischen Kräften handele es sich auch um Reserven der selbst ernannten "Volksrepublik Luhansk", teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Diese Truppen seien schlecht ausgerüstet und trainiert, ihnen fehle im Vergleich zu regulären Einheiten schwere Ausrüstung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der ukrainische Generalstab hatten bereits am Samstag von schweren Kämpfen, vor allem im Osten der Ukraine, berichtet. Die blutigen Straßenkämpfe dauerten an, sagte Selenskyj.

Erster Bericht über getöteten Deutschen auf ukrainischer Seite

Die Ukraine informierte am Samstag erstmals offiziell über den Tod eines deutschen freiwilligen Kämpfers bei den Gefechten. Auch drei Freiwillige aus Frankreich, Australien und den Niederlanden seien unter den "gefallenen Waffenbrüdern", teilte die Internationale Legion für die Verteidigung der Ukraine mit. Die Namen der vier Männer wurden ebenfalls genannt, nicht aber der Zeitpunkt und der Ort ihres Todes.

Gefallene Soldaten ausgetauscht

Die Ukraine und Russland haben nach Behördenangaben aus Kiew der jeweils anderen Seite die Leichen von 160 Soldaten übergeben. Der Austausch sei am 2. Juni entlang der Frontlinie im Gebiet Saporischschja erfolgt, hieß es. Nach ukrainischen Angaben laufen auch weiter Verhandlungen über den Austausch von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten. In russischer Gewalt sind Tausende ukrainische Kämpfer, darunter die Verteidiger von Mariupol, die dort im Stahlwerk Azovstal die Stellung gehalten hatten, bis Kiew die Stadt im Mai aufgab.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading