Rückkehr zur Meisterpflicht Selbstständig nur noch mit Brief: Das sagen Handwerker

Für Fliesenleger und 11 andere Gewerke herrscht ab 2020 wieder Meisterpflicht. (Symbolbild) Foto: Ina Fassbender/dpa

15 Jahre nach dem Gesetz, das zahlreiche Handwerks-Disziplinen von der Meisterpflicht entbunden hatte, macht das deutsche Parlament die Rolle rückwärts. Viele der alteingesessenen Handwerker in Ostbayern atmen auf. Aus ihrer Bilanz über die 15 Jahre Deregulierung ist anscheinend wenig Positives zu berichten.

Für den bayerischen Wirtschaftsminister liegt der Fall klar. Die Abschaffung des Meisterzwangs für 53 sogenannte Gewerke, also „Handwerks-Disziplinen“, sei ein politischer Fehler, der nun teilweise zurückgenommen werde. Das schreibt Hubert Aiwangers Pressestelle in einer Mitteilung.

Bis zu der damaligen Entscheidung hatte im Handwerk nur der einen eigenen Betrieb eröffnen und Azubis ausbilden können, der seine Kenntnisse dokumentieren konnte. Allen voran mit dem Meisterbrief. Für zwölf der vom Gesetz von 2004 betroffenen Berufe kommt mit dem Bundestagsbeschluss vom Donnerstag die Rolle rückwärts: Die Meisterpflicht soll für sie wieder eingeführt werden.

Betriebe-Explosion: Von 12 auf 80 in wenigen Monaten

2004 war der Meisterzwang gefallen. Was ist seither passiert? Wenig Positives, sagt Fliesenlegermeister Andreas Beckerle aus Oberpiebing im Landkreis Straubing-Bogen. Sein Gewerk war eines der 53, in denen der Meisterbrief nicht mehr notwendig war: „Auch bei uns in der Region ist die Zahl der Betriebe schlagartig explodiert. Wir hatten im Landkreis Straubing-Bogen zuvor zehn bis zwölf Fliesenlegerbetriebe, kurz darauf waren es 75 bis 80.“

Konkurrenz belebt das Geschäft, mag man zunächst vermuten. Die neuen Betriebe ohne Meister – und teilweise auch ganz ohne Ausbildung – brachten für die Kunden und Auftraggeber aber oft ein böses Erwachen, sagt Beckerle. Mit der Qualität im Handwerk sei es bergab gegangen: „Auch heute erlebe ich das noch auf Baustellen. Da müssen Bäder, die noch nie benutzt worden sind, wieder herausgerissen werden wegen Pfusch.“

Viele Kunden hätten in der ersten Zeit nicht verstanden, was es mit den neuen Betriebsbezeichnungen, die plötzlich da waren, auf sich hatte. Ein Fehler, meint Beckerle heute, „dass es nicht genügend kommuniziert wurde, dass sich Hinz und Kunz jetzt selbstständig machen und ‚Fließenlegerfachbetrieb‘ auf ihr Auto schreiben durften. Man brauchte plötzlich nur noch einen Gewerbeschein.“

Lesen Sie im zweiten Teil, welche Entwicklung die Betriebslandschaft in Ostbayern nach dem Fall der Meisterpflicht genommen hatte.

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