Rottenburg Jungautor Philipp Ruhland übers Schreiben

Ein Muss für Philipp, wenn er schreibt: Musik. Bei Guns n' Roses oder Metallica entstehen seine Bücher. Foto: Florian Wende

Die Ideen sind ganz plötzlich da. Mal in der Uni, mal kurz vor dem Einschlafen. Wichtig ist dann für Philipp Ruhland, sie aufzuschreiben. Stoff für seine Bücher sammelt der 19-Jährige aus Rottenburg ständig.

Die Geschichte beginnt irgendwo in Österreich auf der Autobahn. Verschneite Berge rechts, entgegenkommende Fahrzeuge links. Ein Auto auf dem Weg nach Italien. Eigentlich starten hier zwei Geschichten. Aber der Reihe nach.

Es ist Februar 2015. Philipp ist mit seiner Familie auf dem Weg in den jährlichen Skiurlaub. Wie jedes Jahr geht es nach Südtirol. Und Philipp ist langweilig. Er sitzt auf der Rückbank, blickt aus dem Fenster. Wie fast immer hat er ein wenig Papier und einen Stift dabei. Er beginnt, seine Gedanken aufs Papier zu kritzeln. Und merkt auf der Fahrt in den Süden: Das macht ihm Spaß.

Die Worte "Neue Nachbarn" gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf

Zeitsprung. Knapp fünf Jahre später steht Philipp Ruhland im Januar 2020 im Pfarrheim der Stadt Rottenburg. Weißes Hemd, blaue Jeans, brauner Gürtel, schwarze Hornbrille. Die blonden Haare zu einem Zopf gebunden. 70 Gesichter blicken den 19-Jährigen erwartungsvoll an.

In seiner Heimatstadt erlebt Philipp gerade den bisherigen Höhepunkt seiner Karriere als Autor: die erste eigene Lesung. Mit dabei hat er sein zweites Buch, das vor wenigen Monaten erschienen ist. Aber zurück ins Jahr 2015.

"Nach dem Skiurlaub habe ich meine Notizen ein paar Monate ruhen lassen", erzählt er. Es dauert bis zum Sommer 2016, wieder ein Urlaub mit der Familie. Wieder hat Philipp Zeit. Neue Schnipsel kommen ihm in den Kopf. Er sieht die Wörter "Neue Nachbarn" vor sich. Sie begleiten ihn in den nächsten Monaten. Philipp spinnt eine Handlung um die Wörter. Ein Jugendroman entsteht daraus - mit der Hauptperson Max, seiner neuen Nachbarin Jasmin, Schule, Feiern und Liebe.

"Ich habe ein paar Fehler gemacht", fährt Philipp bei der Lesung fort. Im Sommer 2017 veröffentlicht er "Neue Nachbarn". Zu früh. "An der Rechtschreibung und Grammatik hat es an ein paar Stellen nicht gepasst", gibt er zu. Und auch das Layout gefällt ihm heute nicht mehr. Die Schrift zu groß, das Format zu umfassend.

Zur Geschichte gehört aber auch, dass Philipp damals 16 Jahre alt war. Grammatik, eine komplett schlüssige Handlung ... das war ihm damals noch nicht so wichtig. "Ich wollte das Buch unbedingt noch vor einer Klassenfahrt fertig haben", erinnert er sich.

Als junger, unbekannter Autor einen Verlag zu finden, der das eigene Buch druckt, ist fast unmöglich. Das merkt auch Philipp und entscheidet sich, es selbst zu veröffentlichen. "Self publishing" heißt das. Mit Erfolg. Über einhundert Exemplare verkauft er von der ersten Auflage.

Im vergangenen Herbst erscheint die zweite Auflage von "Neue Nachbarn". Philipp haben seine Fehler in der ersten Fassung immer mehr gestört. Und der Zeitpunkt ist passend im Herbst 2019. Denn kurz zuvor hat sein zweites Buch veröffentlicht, "Distanz und Nähe". Dieses stellt er Anfang Januar bei der ersten eigenen Lesung vor.

"Distanz und Nähe" ist der Nachfolger von "Neue Nachbarn". Denn für Philipp war klar, als er das Ende seines ersten Buches geschrieben hat: Es muss weitergehen. Im Vergleich zu Teil eins war er mit dem Nachfolger schnell fertig. In einem halben Jahr hat er es geschrieben. "Das liegt, glaube ich, daran, dass es sehr persönlich ist", sagt Philipp.

"Freunde erkennen die ein oder andere Anekdote"

Es handelt vom letzten Schuljahr von Max und seiner Clique und schildert, was sie dort erleben. Philipp mit einer Buchfigur gleichzusetzen, passt aber nicht. "Freunde erkennen die ein oder andere Anekdote", sagt Philipp. "Die Handlung und die Figuren sind aber frei erfunden."

Wie geht's nun weiter - nach zwei Werken und insgesamt knapp zweihundert verkauften Büchern? Eine Karriere als Autor strebt der 19-Jährige nicht an. "Ich will weiter Spaß am Schreiben haben und nur dann schreiben, wenn ich Lust habe", sagt er. Philipp studiert im dritten Semester Lehramt fürs Gymnasium. Die Fächer: Geschichte und - natürlich - Deutsch. Wenn Zeit ist, soll es mit Teil drei von "Neue Nachbarn" weitergehen, Teil vier soll die Reihe abschließen.

Beide Geschichten, die von Philipp und die seiner Buchreihe, sind also noch lange nicht zu Ende.

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