Roding Waldarbeit: Die 25-jährige Johanna Gierl ist Försterin

Die Försterin markiert Bäume mit Weiß, wenn sie unbedingt stehenbleiben müssen. Foto: Anna-Lena Weber

Johanna Gierl hat schon als Kind ihren Vater bei der Arbeit im Holz unterstützt. Dass sie einmal Försterin wird, hat sie da noch nicht geahnt. Ein Waldspaziergang mit der 25-Jährigen.

Johanna geht zum Kofferraum ihres Dienstwagens und nimmt Spraydosen aus einer Kiste. Heute ist sie in Roding unterwegs. Sie geht die Straße in Richtung Forstweg, der tiefer in den Staatsforstwald an der Wallfahrtskirche Heilbrünnl führt. Hier hat Johanna die sogenannte Forstaufsicht – ist also dafür verantwortlich, dass Waldbesitzer und Eigentümer das Waldgesetz einhalten. Die 25-Jährige ist seit Februar Revierleiterin im Landkreis Cham und für die Privat- und die Kommunalwälder in Roding, Stamsried, Walderbach, Reichenbach und Pösing zuständig.

Die Waage halten zwischen Wild und Wachstum

Bei einer Lichtung kniet sich Johanna hin. Vor ihr wächst eine kleine Tanne. Behutsam fasst sie den Trieb an. Sie sucht nach Bissspuren. „Frische, saftige Knospen sind bei Rehen besonders beliebt“, sagt die Prackenbacherin aus dem Landkreis Regen. Die Naturverjüngung, also neue, von selbst wachsende Bäume, zu beobachten, ist sehr wichtig. Daran und am Verbiss kann sie mögliche Gefahren für den Wald ablesen. Sie geben ihr zum Beispiel Auskunft über den Wildbestand. Für Förster gilt es, die Waage zu halten. Sie müssen darauf achten, wie viele Wildtiere in Ordnung sind, damit der Wald wächst. Um wie Johanna beim Staat angestellt sein zu können, ist es Voraussetzung, einen Jagdschein zu haben. Seit dem dritten Semester ihres Studiums des Forstingenieurwesens in Weihenstephan-Triesdorf besitzt sie einen. Auf die Jagd geht Johanna aber nur in ihrer Freizeit. Als Beamtin am Amt für Ernährung, Land- und Forstwirtschaft gehört die Jagd nicht zu ihren Dienstaufgaben.

Zeigerpflanzen und solche, die nichts sagen

Auf dem Boden neben der kleinen Tanne wächst Sauerklee. Aus ihm und anderen sogenannten Zeigerpflanzen kann die Försterin viel über die Beschaffenheit des Standortes erfahren. „Der Sauerklee zeigt an, dass hier ein nährstoffarmer Boden ist.“ Johanna deutet auf ein kleines Gestrüpp. „Die Brombeere weist auf einen stickstoffreichen Boden hin.“ Aus dem, was die Pflanzen Johanna verraten, zieht sie Rückschlüsse für die Baumarten, die sie anpflanzen kann. „Es gibt natürlich auch Pflanzen, die sagen nichts. Die ganzen Moose zum Beispiel, die reden nicht viel.“ Johanna ist weniger stumm. „Eigentlich telefoniere ich die meiste Zeit“. Die Försterin berät Privatleute, wie sie ihre Wälder zukunftssicher gestalten und vor Schädlingen schützen können. Dafür erstellt sie ihnen unter anderem Bepflanzungspläne. Johanna weiß um die Anliegen der privaten Waldbesitzer. Die 25-Jährige stammt aus einem Forstbetrieb, den sie mit ihren Eltern bewirtschaftet.

Johanna richtet sich auf und lässt ihren Blick um sich schweifen. „So stell ich mir einen schönen Wald vor“. Hier am Heilbrünnl wachsen neben Fichten auch Tannen und Buchen in unterschiedlichen Stufen und Höhenklassen. Flächendeckend sieht das anders aus: Es gibt viele Fichtenwälder.

Nicht denselben Fehler wie vor 100 Jahren machen

Diese Baumart ist die Leibspeise des Buchdruckers, eines Borkenkäfers. Er breitet sich mit zunehmender Trockenheit und steigenden Temperaturen aus. Um noch mehr Schäden zu verhindern, ist es wichtig, befallene Bäume sofort zu fällen und aus dem Wald zu bringen. Dennoch meint Johanna: „Wir können die Fichte nicht verteufeln, sie gehört zum Bayerischen Wald dazu, jedoch nicht in so einem Umfang.“ Fichten wurden exzessiv angebaut, weil sie schnell und gerade wachsen und wenig vom Rehwild verbissen werden. „Das ist alles von Menschenhand gemacht.“

Ist also ein Eingriff in die Natur, das was auch Förster mit geplanten Anpflanzungen machen, schlecht? Natürlich sei es das Beste, wenn sich die Natur selbst regenerieren kann. Aber da, wo das nicht möglich ist, sei es besser, einzugreifen. „Man sollte halt nicht wieder den Fehler machen und Reinbestände anpflanzen.“ Dann habe man in 100 Jahren wieder das gleiche Problem. So lange braucht ein Baum, bis er groß ist.

Förster sind Baumretter und keine Baummörder

Bei ihrem Streifzug durch den Wald geht Johannas Blick auch in Richtung der Baumkronen. Eine Buche hat ihre Aufmerksamkeit geweckt. In etwa vier Metern Höhe hat sie ein Loch. Nicht, weil sie krank ist, sondern weil ein Vogel darin nistet. Dieser Baum darf nicht gefällt werden, solange darin noch gebrütet wird. Die Försterin richtet eine Spraydose auf den Stamm. Einmal um ihn herum zieht sie eine weiße Schlangenlinie. Sie markiert ihn so als Biotopbaum. Das ist Naturschutz – und Teil ihres Jobs. Oft wird das nicht gesehen. „Wir Förster müssen schauen, dass wir für die Bevölkerung keine Baummörder sind.“ Diese Ansicht sei in Großstädten weit verbreitet. Dabei wollen und dürfen Förster keine Kahlschläge veranlassen. Ihr Ziel ist es, den Wald gesünder zu machen, dafür müssen manche Bäume eben weichen. Johanna geht zurück zu ihrem Dienstwagen. Sie verstaut die Spraydosen im Kofferraum und streift sich die Nadeln von den Hosenbeinen. Bei ihrem nächsten Termin ist sie nicht im Wald. Sie muss nach Walderbach. Dort trifft sie den Bürgermeister.

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