Roding Rodings ereignisreiche Geschichte(n)

In einer Zeichnung empfindet Ludwig Dieß den verheerenden Brand von 1755 nach. Foto: Alexandra Ederer

An der Stelle des heutigen Roding sollen früher einige Fischerhütten gestanden haben, wie in der "Chronik von Roding" von Karl Gschwendner und Eduard Trinkerl aus dem Jahr 2003 zu lesen ist. Die Bewohner sollen sich "vorzüglich mit dem Fang der sich häufig vorhandenen Rothaugen abgegeben haben".

Der Name Rothfischer soll aus diesen Zeiten stammen, und im Zusammenhang mit dem Fisch, dem Rothauge, soll sich der Sage nach auch der Ortsname Roding, von "Roth-Ding", entwickelt haben. Im Jahre 844 jedenfalls erscheint "ein bedeutender Ort Rothin mit Namen in der Geschichte". "Ludwig II. König von Ostfranken und Bayern aus dem Geschlechte der Karolinger" soll ihn beurkundet haben. "Im Jahre 896 konnte sich Roding schon einer Kirche erfreuen", König Arnulf, gleichfalls ein Karolinger, habe sie zu Ehren der Heiligen Jakob und Pankratius erbaut.

Damals erhielt der Ort nach Kenntnis der Verfasser wahrscheinlich seine erste Ringmauer. Die noch stehenden Teile dieser einstigen Befestigung gegen Angriffe der angrenzenden Slawen zeigen, "wie sich der Ort nach und nach vergrößert hat".

Hussitenkrieg und Reformation

Der Hussitenkrieg, um die Jahre 1422 bis 1425 ausgebrochen, "verbreitete seine Drangsale auch über den Bezirk Roding". Und wie "zur damaligen Zeit alles gläubige Volk" versammelte man sich auch in Roding mit dem Läuten der Abendglocke zum "HußGebet". "Beim Ausbruch der Reformation im J. 1539", so recherchieren Trinkerl und Gschwendner, "fand die Lehre des Reformators Dr. Martin Luther ganz vorzüglich Beifall auch in der obern Pfalz u. namentlich in Roding u. Nittenau."

Bischof Pangraz zu Regensburg gelang es jedoch durch ein Mahnschreiben im Jahr 1545, den damaligen Pfarrer Wolfgang Braun und "den löblichen Rath" von der Annahme der Lehre Luthers abzuhalten. "Sie blieben der alten Lehre treu, und hingen bisher am römischen Glauben obgleich dießhalb die Jahre 1643 und 1648 wo der damalige Einfall und Aufenthalt der Schweden in dieser Gegend geschah wahre Wehjahre für Roding wurden."

1777, "nach dem Tode des Curfürsten Maximilian von Österreich" - es handelt sich dabei um Maximilian III. Kurfürst von Bayern - "bei der Besitzname des bairischen Waldes und den pfälzischen Ländern und damit auch des Marktes Roding wurden besonders die Bewohner schmerzlich betrübt", heißt es in der Chronik. Denn nicht genug damit, dass Roding in den "kriegerischen Zeitepochen" seiner Geschichte "immer drückend hergenommen wurde". Es war ihm zudem "noch mancher Unfall beschieden".

Zerstörung durch Feuer, Wasser und Eis

So werden zwei große Feuer beschrieben: "Im Jahre 1742 den 9. August legte ein in nächtlicher Weile ausgebrochenes Feuer 24 Häuser mit der schönen Marktschreiberey in Asche."

Das zweite große Feuer, das genannt wird, wird auf den 9. September 1755 datiert. Man sah "den halben Markt in Flammen", heißt es, und "bei diesem Brande verlor Roding nicht nur seine meisten Häuser, sondern auch noch überdieß die Pfarrkirche das Rathaus mit allen schätzenswerthen Urkunden der Vorzeit".

Im Jahre 1771 war es ein Wolkenbruch, der "durch seine von der Westseite hereingetriebenen Waßer am oberen Thor ein Häuschen, und alles Steinpflaster des Marktes mit fort" riss. 30 Jahre später, im Winter des Jahres 1801, trieben wohl außerordentlich große Eisschollen im Regen. Auf der Brücke, damals aus Holz, hatten sich zahlreiche Menschen eingefunden, "um den Eisgang zu bewachen". Die gewaltigen Eisschollen zertrümmerten "das zunächst am Markte stehende steinerne Joch der Brücke", heißt es, "die Brücke sank und viele Menschen kamen in Gefahr, doch nur einer ums Leben."

Weitere Daten aus der Chronik

1732 (Heilbrünnl) "...der liebliche Wiesensteig am rechten Regenufer und die herrliche Aussicht auf die Berge des baierischen Waldes ziehen eine Menge Menschen in der entferntesten Gegend zur Kirche herbei, welche im Jahre 1732 erbaut wurde."

1772 ist der Rathausbau vollendet.

1795 Das Rodinger Marktpflaster wird repariert, "Der Schaden entstand durch die ‚wilden Wasser' und dem ständigen Befahren durch ausländische Fuhrleute." Das alte Rathaus wird angebaut.

1801 "mußte auf Regierungsbefehl der Friedhof außerhalb den Markt verlegt werden."

1808 "wurde vom Markt Roding die Landgemeindeverfassung angenommen."

1809 "wurde am 26. April durch die Österreicher die Regenbrücke abgebrochen."

1815 "Im Jahre nach Christi Geburt 1815 den 9. Mai nachdem S. K. Majestät (Seine Majestät der König) Max Jos. I. beschlossen haben, den Sitz des Landgerichts Wetterfeld defenetiv nach Roding zu verlegen."

1818 Die bisherigen Munizipalgemeinden werden Ruralgemeinde n.

1823 "Volkszählung in hiesigen Markt, derselbe enthält 290 Familien mit 1 193 Seelen."

1852 "Am 26. September war eine großartige Windhose; dieselbe begann auf der Wetterfelderstraße zog sich am Regen herunter und endete bei den Braunschusterhaus wo es das Dach abdeckte."

1858 Straßenbenennung auf Aufforderung des königlichen Landgerichts.

1860 "wurde eine freiwillige Feuerwehr dahir unter der Leitung des Landgerichtsaßeßors D. Göring errichtet."

1861 fährt der erste Zug im neuen Bahnhof Roding ein.

1863 Schaffung einer "Polizeidienerstelle".

1876 "Am 1. Januar trat im ganzen deutschen Reich das Gesetz über Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung in das Leben ein. Der hiesige Markt bildet einen Standesamtsbezirk für sich selbst."

1885 "Wurde das Stundenausrufen der Nachtwächter abgeschafft, indem eine Kontroluhr für dieselben angekauft wurde."

1888 "In diesem Jahr wurde die Pflasterung und Kanalisation des hiesigen Marktes nahezu vollendet."

" Im 19. und 20. Jahrhundert wanderten sehr viele Bürger und Einwohner von Roding aus. Ihr Ziel waren Nord- und Südamerika und zum Teil Australien... Bis zum 15. Dezember standen 53 Personen auf der Auswanderungsliste."

1898 "Am 12. Oktober dies Jahres Abends 6 1/4 Uhr brach im Stadel des Jos. Schwab Feuer aus, welches sich schnell verbreitete... Sämtliche Städel waren mit Erntevorräthen angefüllt, so daß deren Besitzer großen materielen Schaden erlitten."

1902 "In diesem Jahr wurde der Bau mit dem neuen Knabenschulhaus begonnen." Am 28. September 1903 wurde es dann bezogen.

1904/05 "Umbau der Mädchenschule."

1914 "In den ersten Märzwochen entstand ein größeres Hochwasser, sodaß der Verkehr in der Regenstr. mittels Kähnen aufrecht erhalten werden musste."

1920 "14. Januar großes Hochwasser, die ganze Regenstr. unter Wasser."

1936 "Der Markt berichtet, dass früher im Eisenhardt im Tagebau Eisenerz gewonnen und in den Hochofen nach Bodenwöhr gebracht wurde."

1938 "Am 9. April beging die Schule den Tag des Großdeutschen Reiches mit einer Feier anlässlich der Vereinigung Österreichs mit Deutschland."

1940 "Ab Ende Januar herrschte große Kälte. Am 21. Februar zeigte das Thermometer in Roding -36 Grad Celsius. Wegen Kohlenmangels war die Schule vom 3. Februar bis 6. März geschlossen."

1941 "Von 24 Klassenzimmern in Roding und Umgebung wurde in 13 Räumen das Kreuz entfernt, davon bis zum November in vier Klassenzimmern wieder angebracht."

" Im Februar 1942 mussten sämtliche Glocken, ausgenommen das Sterbeglöckchen, vom Turme steigen."

" Ab 1943 kamen verstärkt Kinder aus den durch Luftangriffe gefährdeten Städten Regensburg, München und sogar aus Hamburg nach Roding."

" Am 8. August 1944 zogen 40 Soldaten in den ehemaligen Kindergartren ein. Sie mussten einen Teil des Waldes beim Weiherhaus fällen, um Treibgas für Lastwagen zu gewinnen."

1945 "Am Montag, 23. April, überschritt das 104. Infanterie-Regiment der 26. US-Infanterie-Division die Regenbrücke in Roding und marschierte kampflos in Roding ein... Für Roding war der Zweite Weltkrieg zu Ende."

" Am 21. Juni 1945 konnten die Schwestern den Kindergarten wieder eröffnen, im September nahmen sie den Unterricht in der Schule auf."

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading