Roding Alexander Gabler ist mit 21 Jahren hauptamtlicher Mesner

Auf Sauberkeit in der Kirche legt Alexander besonderen Wert. Viel von seiner Arbeitszeit verwendet er dafür. Foto: Anna-Lena Weber

Die Wände sind weiß gestrichen, der hüfthohe Holzschrank zieht sich über die ganze Länge der Wand. Die Sakristei in Roding ist lichtdurchflutet. Alexander Gabler legt gerade ein Messgewand zusammen, um es in eine Stoffmappe zu packen. "Das muss ich heute noch nach Regensburg in die Reinigung schicken", sagt der 21-Jährige. Er hat kein geistliches Amt inne. Alexander ist hauptamtlicher Mesner. Seit Anfang 2020 kümmert er sich um die Stadtpfarrkirche St. Pankratius in Roding. Hinzu kommen die Wallfahrtskirche Heilbrünnl und zwei Kapellen. Neu sind die Aufgaben für ihn nicht. Seit 2016 betreut er die Kirche in seiner Heimat Trasching. Das macht er auch weiterhin "so als Nebenjob", sagt Alexander, "und als Andenken an die Oma." Er schließt den Reißverschluss der Mappe, legt sie zur Seite und widmet sich den Kerzenständern für den Altar. Mit einem Mikrofasertuch putzt er die Gläser, bis sie vom schwarzen Ruß befreit sind.

Für den Beruf Mesner gibt es keine klassische Ausbildung. "Ich bin da reingewachsen", sagt Alexander. Als Bub ist er oft mit seiner Oma in die Kirche gegangen, die war auch Mesnerin. Als sie älter wurde, hat er sie immer mehr unterstützt und schließlich das Amt übernommen.

Schon immer ein Traumberuf

Für Alexander war schon immer klar, dass Mesner ein attraktiver Beruf für ihn wäre. Als er die Schule beendete, sah er aber keine Möglichkeit, dem nachzugehen. Deshalb begann er eine Ausbildung bei der Stadt. Dort arbeitete er zuletzt als Straßenwärter. Als klar war, dass der vorige Mesner in den Ruhestand geht, schrieb Alexander im vergangenen Mai eine Bewerbung an die Kirchenverwaltung.

Die Kerzen auf dem Altar abgestellt, geht Alexander durch die Bänke der St. Pankratius. Sein Blick streift die Reihen. Mal links, mal rechts. Er kontrolliert, ob die Kissen ordentlich aufliegen und ob in jeder Ablage die richtige Anzahl Gotteslob steht.

Mehr Aufgaben als sonst

Zurzeit kommen wieder mehr Leute außerhalb der Gottesdienstzeiten in die Kirche. Um Gott nahe sein zu können - trotz Ausgangsbeschränkungen und dem damit einhergehenden Verbot, Messen zu besuchen. Weniger zu tun hat Alexander seit Ende März aber nicht. Wer nämlich glaubt, zu Corona-Zeiten fänden keine Messen statt, der irrt. Dienstags, mittwochs, donnerstags und sonntags feiert der Rodinger Pfarrer in einer der zwölf Kapellen der Pfarrei eine Messe. Immer mit dabei ist Alexander - als Einziger. "Da bin ich Ministrant, Lektor und Gemeinde. Und Mesner nebenbei." Nur am Sonntag kommt noch die Organistin dazu. Damit die Gläubigen mitfeiern können, nimmt der Pfarrer den Vorabendgottesdienst am Samstag auf und stellt ihn auf die Internetseite der Pfarrei.

Klischeedenken und Akzeptanz

Alexander geht einer Arbeit nach, die sonst Älteren zugeschrieben wird. "In einer Dorfkirche stelle ich mir auch eine alte 70-jährige Frau vor, die das so nebenbei macht. Das ist das Klischee", gesteht Alexander. Bei den ersten Malen, als er als Mesner in der Kirche stand, hat man vor allem bei den älteren Damen die Neugierde gemerkt. Ihre Fragen an die Banknachbarin, ob das der neue Mesner sei, habe man bis in den Altarraum gehört.

Und wie kommt sein Beruf bei den Gleichaltrigen an? "Sie sind neugierig. Meist belächeln sie meine Arbeit jedoch. Aber mei." Für seine Freunde gehört Alexanders Nähe zum Glauben und zur Kirche dazu. Und auch wenn er jemand Neues kennenlernt, sorgt sein Beruf eher für Erstaunen. Auch bei den Mädels. Für Alexander steht fest: "Es ist nicht Voraussetzung, dass meine Freundin gläubig ist, aber sie muss meinen Glauben akzeptieren."

Gläubig zu sein, sei eh schwierig in der heutigen Zeit. "Wir haben alles, warum sollten wir also in die Kirche gehen?", greift Alexander die Denkweise vieler auf. Er findet es schade, dass gerade junge Menschen den Bezug zu Gott verloren haben.

"Natürlich gibt es auch vieles, was in der Kirche nicht gut läuft. Aber das ist auch in jeder Firma so." Für Alexander geht es nicht um die "Angestellten" der Kirche, sondern um Gott. Der 21-Jährige braucht einen Raum für seinen Glauben. Zuhause könne er nicht so beten wie in einem Gotteshaus. Da genießt er die Ruhe und Stille.

Wer jetzt den Eindruck hat, Alexander wäre ein Eigenbrötler, der irrt. "Ich höre Bayern 3 und geh auch gerne mal weg", so wie es andere 21-Jährige eben auch tun.

Pfarrer werden ist keine Option

Wenn er feiern geht, dann freitags. Weil er samstags nur die Kirche aufsperren muss und "dann könnte ich mich theoretisch noch mal hinlegen", erklärt Alexander mit einem Augenzwinkern. Natürlich weiß er, dass er durch sein Amt in der Öffentlichkeit steht. Deshalb wären Eskapaden unangebracht. "Aber ich war noch nie der Typ dazu, mich wegzuschütten."

Obwohl Alexander sehr mit seinem Glauben verwurzelt ist, wäre Pfarrer keine Option für ihn. "Ich bin heimatverbunden und möchte aus Trasching, wo ich das Haus meiner Oma bewohne, nicht weg." Als Pfarrer könnte Alexander überallhin versetzt werden. Außerdem möchte er irgendwann auch eine Frau und Kinder haben. Den Beruf Mesner will er für den Rest seines Lebens machen.

 

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