Rivertone Straubing Interview: Sängerin Joss Stone über Liebe und Soul

Joss Stone kommt am Samstag, 9. Juli, zum Rivertone-Festival nach Straubing. Foto: Kristin Burns

Die britische Sängerin Joss Stone tritt am Samstag, 9. Juli, beim Rivertone-Festival in Straubing auf. Sie ist eine der bekanntesten Soul-Pop-Sängerinnen des 21. Jahrhunderts, nahm gemeinsam mit Mick Jagger den Weihnachtshit "Lonely Without You" auf und betritt die Bühne grundsätzlich barfuß: Joss Stone. Die Britin ist in diesem Jahr der Headliner des Rivertone-Festivals im Tiergarten. Wir sprachen mit ihr darüber, was einmal auf ihrem Grabstein stehen sollte, ihre Lieblingsthemen Liebe und Glück, die bayerische Band LaBrassBanda sowie ihr neues Album "Never Forget My Love".

Frau Stone, wer sollte niemals Ihre Liebe vergessen?

Joss Stone: Ich hoffe, dass jeder, der je meine Liebe erhalten hat, sie niemals vergisst. Ich hoffe, dass es die Art von Liebe ist, die sich einprägt - und ich meine damit nicht wirklich die Liebe innerhalb einer Beziehung. Darum geht es mir nicht. Mir geht's um Liebe im Allgemeinen. Ich bringe Platten heraus und diese Platten sind ein Teil von mir und in ihnen steckt jede Menge Liebe. Das ist ein Weg, meine Liebe an die Leute weiterzugeben. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann gebe ich alles von mir. Liebe gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Ich will nicht, dass die Leute denken, dass die Liebe zu einem Ex-Partner gemeint ist. Deshalb habe ich das Album "Never Forget My Love" genannt, denn das Thema ist viel breiter gefächert. Wie Dave (Dave Stewart, britischer Musiker und Produzent. Gründer der Band Eurythmics, bekannt u.a. für den Hit "Sweet Dreams (Are Made Of This); Anm. d. Red.) gesagt hat: "Joss, das ist, wer du bist. ‚Never Forget My Love', das ist, was dich ausmacht." Da habe ich es verstanden: Ich versuche einfach, den Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Darum mache ich eine Welt-Tournee und das ist auch der Grund, warum ich das, was ich mache, mit all meinen Sinnen mache. Wenn ich also mal sterbe, dann soll auf meinem Grabstein so etwas stehen wie "Sie war ein bisschen wie eine Liebhaberin, sie war keine Kämpferin"... (lacht)

"Breaking Each Other's Heart" klingt nach einer neuen Herzschmerz-Hymne. Es war für Sie sehr emotional, das Video für dieses Lied zu drehen. Was möchten Sie Ihren Fans mit diesem Lied mitgeben?

Stone: Uns gegenseitig die Herzen zu brechen gehört zu unserem menschlichen Dasein. Das ist einfach das, was wir tun, nicht wahr? Wir können gar nicht anders. Wir leben unser Leben, verlieben uns in Menschen, machen uns Sorgen um sie. Man heiratet, bekommt ein gemeinsames Kind oder ist mit seinem Partner einfach fünf Jahre zusammen. Und dann, aus irgendeinem Grund, ändert sich etwas. Meist sind es selbstsüchtige Gründe. Es geht um unser eigenes Überleben, unser eigenes Glück. Die Gründe müssen aber nicht immer böse sein. Wir entscheiden uns also, uns umzudrehen und dieser Person das Herz zu brechen. Im selben Atemzug brechen wir unser eigenes Herz. Ich denke, das ist nichts, was man nur einmal macht. Ich glaube, wir machen das die ganze verdammte Zeit und ich finde das unglaublich. Ich frage mich: Wow, warum lassen wir es nicht einfach? Es ist wie Feuer zu berühren. Wir versuchen doch, nicht hineinzufassen, weils richtig weh tut. Warum also nicht auch in der Liebe? Der Grund dafür ist, glaube ich, dass wir mutig genug sein müssen, um zu lieben, um zu sehen, ob es funktioniert. Denn wir alle wollen ein Happy End. Das klappt aber nicht immer, also müssen wir ein gebrochenes Herz eben ertragen. Dieses Lied handelt von meinen Beobachtungen und ich erzähle darin eine Geschichte über eine vergangene Beziehung. Mein Anliegen ist: Warum tun wir es immer wieder? Es ist wohl eine notwendige Traurigkeit. Du musst da durch, um anzukommen.

Haben Sie selbst mal ein Herz gebrochen? Oder erging es Ihnen schon einmal so?

Stone: Ja und ja! So traurig und doch so wahr und unglücklicherweise irgendwie notwendig.

Sie wollen ein positives Lebensgefühl und Glück verbreiten - nichtsdestotrotz handeln einiger Ihrer Songs auf dem neuen Album von sehr negativen Gefühlen. Darüber würde ich gerne mit Ihnen sprechen. In "You Couldn't Kill Me" (dt.:"Du konntest mich nicht umbringen") singen Sie "You Had Me Locked In Chains" (dt.: "Du hast mich angekettet"). Wo sind all die Glücksgefühle geblieben?

Stone: Ich liebe diese Frage. Das Leben ist wirklich voll von verschiedenen Momenten und Gefühlen. Wann immer ich durch eine traurige Zeit gehe, bin ich auf eine merkwürdige Weise fast schon dankbar dafür. Denn wenn ich aus der Phase wieder heraus bin, hat es mir geholfen, das Schöne zu sehen. Wenn du keinerlei Dunkelheit kennst, kannst du das Licht nicht sehen. Man muss das einfach im Leben mitmachen. Weil das Leben eben hart sein kann, singe ich in jedem Lied von echten Emotionen. Außer ich würde ein Album für Kinder machen (lacht). Ich muss einfach immer aufrichtig sein. Wenn ich mein Album für Kinder aufnehme, rede ich über Mr. Blobby und Sonnenschein. "You Couldn't Kill Me" handelt von einer Geschichte aus meiner Vergangenheit, in der ich mich sehr verletzt fühlte und am Boden zerstört war. Ich mag den Faden, der sich durch das Lied zieht. Das gibt mir Kraft. Da ist all das Positive, die Stärke, das Schöne. Und genau deshalb konnte er mich nicht töten. Ja, er hat mich raus in den Regen geschickt. Yeah, das war furchtbar, das war angsteinflößend, aber er konnte mich nicht umbringen. Yeah, er hat damit gedroht, mich zu töten, aber das konnte er nicht und ich bin immer noch hier. Das ist meine Art, stolz auf mich zu sein, es durch diese Zeit geschafft zu haben. Das ist Glück, das ist ein Grund, warum ich mit mir selbst glücklich bin. Zu der Zeile "You Had Me Locked In Chains": Er hatte keine echten Ketten, aber er hat mich doch eingesperrt. Das sind einfach Erläuterungen aus meiner Vergangenheit.

In "Love You Till The Very End" (dt.: "Ich liebe dich bis ganz zum Schluss") lautet der Text: "How Can We Pretend That We Can Remain Close Friends? Images Of You And Her. They're Taking Over". (dt.: "Wie können wir vorgeben, enge Freunde zu bleiben? Bilder von dir und ihr. Sie nehmen Überhand").

Stone: Oh Gott, das ist einfach so traurig. Diese Zeile ist furchtbar, weil sie so wahr ist. Es geht darum, wie es ist, wenn du eine Trennung durchlebst, wenn du jemanden aufrichtig geliebt hast, und diese Trennung aber einfach sein muss, weil die Beziehung toxisch war oder aus sonstigen Gründen. Aus welchem Grund auch immer muss das ja nicht bedeuten, dass du denjenigen nicht mehr liebst, und das macht es noch viel schwieriger, ehrlich zu sein. Aber wenn du dich immer noch an die Liebe erinnern kannst und du sagen kannst "Ich werde dich immer lieben", dann bedeutet das, dass ich denjenigen bis zum Tag am Sterbebett lieben werde. Ich werde an dem Tag, an dem ich sterbe, an dich denke, und zwar mit Liebe, nicht mit Hass. Ich hatte Beziehungen, die zerbrochen sind und die habe ich auch für einen Moment gehasst, um da durchzukommen. Aber wenn du sie hasst, dann ist das so schlecht für dich selbst. Sie aber zu lieben, dir selbst zu erlauben, dich an die guten Zeiten zu erinnern, das ist wirklich heilsam. Es ist verdammt schwer, aber du kannst es schaffen. Auch wenn du Tränen vergießen musst, werden es Tränen aus Liebe sein. Das ist okay. Da ist das Glück in dem ganzen und das gibt dir das Gefühl, am Leben zu sein. Fähig sein zu lieben ist eine sehr schöne Sache. Wenn du das verlernst, verlierst du dein Ziel. Wirklich, ich liebe diese Frage. Das ist etwas, worüber ich beim Schreiben viel nachdenke, weil ich nicht will, dass die Leute traurig sind. Aber ich habe in all den Jahren auf Tour realisiert, dass es für die Menschen wichtig ist, begleitet zu werden und nicht allein zu sein. Der Trost und die Einheit mit anderen ist so wichtig und das ist viel wichtiger als Lieder, die rumtänzeln, glücklich sind, diese "Oh To Be Loved By You"- Sachen. Super duper love. Traurige Lieder sind viel wichtiger und das ist der Grund, warum Soul-Musik ein Heiler ist. Das ist sie wirklich.

Im Juli treten Sie beim Rivertone-Festival in Straubing auf. Wie sollen sich die Zuhörer bei Ihrem Auftritt fühlen? Freuen Sie sich schon, nach Bayern zu reisen?

Stone: Ja, ich bin sehr aufgeregt, Bayern zu besuchen. Ich höre gern LaBrassBanda, das ist echt eine meiner Lieblingsbands und ich weiß, dass sie Bayern sind. Die fallen mir auch als erstes ein, wenn ich an Bayern denke. Ich freue mich, hierher zu kommen, eine gute Zeit zu haben und mit ganzem Herzen zu singen. Ich bring' das Gefühl und den Soul mit, und hoffe, dass die Zuhörer das genießen. Das ist alles. Das ist es immer.

Tickets für das Rivertone-Festival gibt es im Leserservice des Straubinger Tagblatts, Ludwigsplatz 32, in Straubing, unter der Hotline 09421/940-6700 und online unter www.rivertone.de.

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