Riedenburg Kaputte Schleuse blockiert mehr als 100 Schiffe

Ein Schiff liegt vor der gesperrten Schleuse Riedenburg am Main-Donau-Kanal auf Reede. Nachdem ein Hotelschiff die Schleuse Riedenburg beschädigt hatte, bleibt der Main-Donau-Kanal zwischen Kelheim und Nürnberg noch bis zum 19. Juni gesperrt. Foto: Matthias Balk/dpa

Der Fall macht ein weiteres Mal die Verletzlichkeit der Schifffahrt auf dem Main-Donau-Kanal deutlich. Eine Havarie in einer Schleuse reicht aus, um den Schiffsverkehr für gut zehn Tage zu blockieren - ein Ärgernis für Kreuzfahrer, für Güterschiffe teuer.

Ob er dem ganzen Dilemma nicht auch etwas Positives abgewinnen könne? Wolfgang Mayer verfällt in Galgenhumor: "Naja, endlich kann man mal die Revisionsarbeiten konzentriert erledigen - ohne immer wieder vom Schleusen unterbrochen zu werden". Das ist alles, was dem 53-jährigen Binnenschiffer an Positivem einfällt, wenn er auf die Zwangspause im Nürnberger Hafen zu sprechen kommt. Der Kapitän des Erzfrachters "Main" muss sich wegen einer Schiffshavarie in der Schleuse Riedenburg gedulden. Vor knapp zwei Wochen hatte dort ein Passagierschiff bei der Einfahrt das Schleusentor so stark beschädigt, dass es nicht mehr geschlossen werden kann.

Mayer ist mit seiner "Main" nicht der einzige Binnenschiffer, der ungeduldig auf die Freigabe der Kanalpassage wartet. Bis zum Montag ist der Schiffsstau nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Nürnberg auf 108 Schiffe angewachsen. 60 davon haben bei Nürnberg, 48 in oder in der Nähe von Regensburg einen Zwangsstopp eingelegt, berichtet die Schifffahrtsbehörde am Montag.

Schwierig ist die zehntägige Blockade für alle Art von Schiffen. 36 Flusskreuzfahrtschiffe mit im Schnitt 100 bis 130 Passagieren an Bord müssen derzeit umdisponieren. Wie sehr, lässt sich derzeit am Nürnberger Europakai erleben. Dort herrschte am Montag ungewohnt geschäftiges Treiben: Entlang der ankernden Flusskreuzfahrtschiffe reiht sich Omnibus an Omnibus. Helfer wuchten Gepäckstücke in Lieferwagen - oder in die Schiffe. Je nachdem, ob Passagiere gerade ein- oder ausgeschifft werden. Taxis kurven ungeduldig um die Gangways.

Während auf anderen Kabinenschiffen Passagiere auf dem Sonnendeck die milde Juni-Sonne genießen, schrubben auf der "Avalon Tranquility II" Crew-Mitglieder die Außendecks. Die letzten Passagiere haben das Schiff eine Stunde zuvor verlassen. Sie werden ihre Reise nach Wien in Regensburg oder von einem anderen donau-abwärts gelegenen Hafen fortsetzen. Genau weiß es aber auch der Kapitän der "Avalon Tranquility II", Matej Chudik, nicht. Mit seinem Schiff sitzt er seit Samstag fest. "Wir waren unterwegs nach Budapest - das schaffen wir jetzt nicht mehr", sagte Chudik. Insgesamt sieht er die Lage aber gelassen: "Das ist Verkehr. Mit so was muss man immer rechnen."

Dagegen ist bei einer 73 Jahre alten Passagierin der "Arosa Selva" ein paar Schiffe weiter ein genervter Unterton nicht zu überhören. "Ist schon ärgerlich für die ganzen Passagiere - nur weil jemand nicht aufgepasst hat", kommentiert sie die Folgen der Riedenburger Havarie. "Aber was sollen wir machen. Gegen höhere Gewalt kann man nichts machen", tröstet sich die die aus Kassel stammende ältere Dame. Blöd sei nur die "viele Busfahrerei": Statt in Regensburg eingeschifft zu werden, sei sie am Samstag mit dem Bus nach Nürnberg gebracht worden. Zur Stadtbesichtigung in Regensburg sei es am Sonntag dann aber wieder nach Regensburg und danach wieder zurück nach Nürnberg gegangen.

Den Binnenschiffer Mayer trifft der Zwangsstopp finanziell hart. Er ist mit seiner Ehefrau, dem 21 Jahre alten Sohn Horst und Hund "Tom" auf Europas Wasserstraßen unterwegs. Mayer hat in Rotterdam Eisenerz für die Voest-Stahlwerke im österreichischen Linz geladen. Und jetzt liegt er fest: "Zurück können wir nicht, und vorwärts geht auch nichts." Der wirtschaftliche Schaden für ihn sei enorm: "Wir verlieren jeden Tag 1900 Euro." Ein Schaden, der sich in den kommenden Monaten nicht mehr ausgleichen lasse - und für den es praktisch keine Versicherung gebe.

Besonders fatal sind für den Kapitän der "Main" ("So was wie hier habe ich noch nie erlebt") die mittel- und langfristigen Folgen der Kanal-Blockade. "Nehmen wir beispielsweise die bei uns gebuchte Rückfracht von Linz. Die Stahlbleche für Antwerpen sind längst auf der Bahn." Und nicht nur dieser Auftrag, auch andere Frachtaufträge sind nach seiner Erfahrung in den kommenden Monaten für die Binnenschifffahrt verloren.

 

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