Richtungsangaben im Dialekt Nach Straubing „obe“, in den Bayerischen Wald „eine“

Bairische Sprache wird für Auswärtige erst dann richtig schwer, wenn es im Dialekt um Richtungsangaben geht. Das Bild zeigt den Bogenberg. Die Bogener zum Beispiel fahren nach Straubing "eine" (Symbolbild). Foto: Armin Weigel/dpa

Die Bayern fahren nicht einfach in den Bayerischen Wald oder nach München. Die Bayern fahren „affe“, „obe“, „eine“ oder „auße“. Aber woher kommen die Richtungsangaben, über die Auswärtige oft nur staunen?

Bairisch ist für Nicht-Einheimische häufig eine schwer verständliche Sprache. Vollends rätselhaft wird der Dialekt, wenn die Ortsangaben durch ein zusätzliches Richtungsadverb ergänzt werden. Die Straubinger fahren nach Regensburg „affe“, die Regensburger dagegen fahren „obe“. Die Bogener fahren nach Straubing „eine“, der Einheimische aus dem Bayerischen Wald fährt „auße“. Wer in Landau wohnt, fährt nach Wallersdorf „auße“ und nach Dingolfing „affe“.

Für jeden Ortsdialekt ist eine Richtungsangabe festgelegt. Das hat bestimmte Gründe, wie Elisabeth Wellner vom Lehrstuhl für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Regensburg erklärt: „Es spielt eine Rolle, ob man vom Sprecher weggeht oder zu ihm hergeht.“ In der Standardsprache bestehen die Richtungsadverbien aus den Bestandteilen „her“ oder „hin“ und einer Präposition wie „ein“, „aus“, „auf“ oder „ab“. Im Bairischen sind die Bauteile von der Reihenfolge her meist vertauscht. „Es heißt also nicht ‚hinein‘, sondern ‚einhin‘. Im Dialekt gesprochen wird daraus dann „eine“. Weitere Beispiele sind „aufhin“ („affe“/“auffe“), „aufher“ („affa“/“auffa“), „abhin“ („obe“/“owe“) und „abher“ („oba“/“owa“).

Die Topografie spielt ebenfalls eine Rolle. Der Straubinger fährt von sich weg nach Regensburg „affe“. „Ausschlaggebend ist hier die Fließrichtung der Donau. Von Straubing nach Regensburg geht es flussaufwärts“, sagt Elisabeth Wellner. Die Dingolfinger fahren nach Straubing bezüglich der Himmelrichtung nach Norden „affe“. Von Bogen nach Straubing heißt es „eine“. Das liegt wohl an der geographischen Nähe der beiden Orte, vermutet die Sprachwissenschaftlerin. Auch in den Bayerischen Wald fahren die Straubinger wegen der geographischen Lage „eine“.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Perspektive des Sprechers bedingt, wie er oder sie an einen Ort fährt. Für Außenstehende ist das rätselhaft, für die Sprecher dagegen absolut logisch. Insofern gibt es bei den Angaben auch kein richtig oder falsch. Denn jede Region hat nun einmal ihre ganz eigene Sicht auf die Welt, was man unter anderem an den Richtungsangaben merkt.

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