Ingenieure und Techniker lassen sich normalerweise nicht von ihren Emotionen und bloßen Einschätzungen leiten, sondern verlassen sich einzig und allein auf belastbare Zahlen, messbare Daten und belegbare Fakten. Erst recht, wenn sie in einem derart hochsensiblen und hochkomplexen Umfeld wie einem Atomreaktor arbeiten.

Das gilt vor allem für Carsten Müller, den Standortleiter des Kernkraftwerks Isar (KKI), und seine Mannschaft, die mit dem Betrieb von Isar 2 seit mittlerweile 33 Jahren gut zwölf Prozent der Stromerzeugung in Bayern sicherstellen.

Während der seit gut zwei Wochen laufenden Revision des KKI 2 können Müller und seine Leute ihre Gefühle und Gedanken allerdings nicht völlig abschalten. Denn dieser Kraftwerkscheck ist unwiderruflich der Anfang vom Abschied - der endgültigen Abschaltung und Stilllegung von Block 2, der Ende 2022 als letztes deutsche Kernkraftwerk vom Netz genommen und damit das Ende des Atomstromzeitalters in Deutschland markieren wird.