Rettungspakete und andere Modelle Bayerische Wirtshauskultur retten – aber wie?

Wohl keine Biergarten-Saison: Wann die Lokale in Bayern wieder öffnen können und zu welchen Bedingungen, ist derzeit unklar. (Symbolbild) Foto: cf

Hinter den Kulissen verhandeln Interessenvertreter und Politik, wie die Gastro- und Hotelbranche vor den Folgen des Lockdowns gerettet werden soll. Forderungen gibt es viele – welche könnten Realität werden?

In Woche sechs des Lockdowns in Bayern gestalten sich die Auswirkungen auf die Gastro-Branche immer dramatischer. Während sich bei den Betrieben Minuszahlen und Fragen türmen und die Nerven blank liegen, ringen Politik und Verwaltung hinter den Kulissen um Rettungspakete und Übergangslösungen. Anfang der Woche forderten Vertreter der Bayern-SPD, den Gastronomen den Verdienstausfall zu erstatten – auf Basis der Vorjahreszahlen.

Konkret formuliert es der Generalsekretär der bayerischen SPD, Uli Grötsch, so: „Jeder existenziell in Not geratene Betrieb soll zur Verhinderung einer endgültigen Schließung des Lokals für den Zeitraum der Corona bedingten Schließung einen Zuschuss in Höhe des Netto-Umsatzes der entsprechenden Vergleichsmonate des Jahres 2019 erhalten.“ Abgezogen werden sollen die Personalkosten, die durch das Kurzarbeitergeld abgedeckt sind und die Warenkosten.

Leere Tische – bald leere Fenster?

Uli Grötsch sieht in der bayerischen Wirtshauskultur ein Kulturgut, das im Falle von Massenpleiten unwiederbringlich verloren sei. Deshalb müssten eben diese Pleiten mit allen Mitteln verhindert werden.

Das bayerische Wirtschaftsministerium bremst auf idowa-Anfrage die Erwartungen: „Mit diesem Modell würden die Gastronomiebetriebe wirtschaftlich quasi ‚krisenfrei‘ gestellt.“ Angesichts der Gesamtbetroffenheit der Unternehmen sowie weiterer Branchen mit vollständigem Umsatzwegfall sei dieses Modell „nicht angezeigt“, heißt es schriftlich auf unsere Anfrage. Heißt: Auch anderen Branchen gehe es schlecht, zu viele Ausnahmeregelungen kann es für die Gastronomie nicht geben.

Eine Woche Lockdown kostet 580 Millionen Euro

Dass die Verluste schon jetzt für die gesamte Branche katastrophale Ausmaße annehmen, bestätigt das Ministerium: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben nach einem Jahrzehnt dynamischen Wachstums den Tourismus innerhalb weniger Wochen praktisch zum Stillstand gebracht“, schreibt uns die Pressestelle. Und kann es anhand von Zahlen konkretisieren: „Für jede weitere Woche des Lockdowns werden im Tourismus im Freistaat Umsatzeinbußen von rund 580 Millionen Euro prognostiziert.“

Laut Branchenverbänden wie dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Bayern e.V. (Dehoga) droht jedem dritten Betrieb in Bayern schon jetzt die Insolvenz, das Ministerium hat selbst keine anderen Zahlen und schließt sich in seiner Antwort dieser Darstellung an.

Kompensationen für Verdienstausfälle sind das eine, wichtiger für viele Betriebe sei allerdings, dass „die Betreiber von Restaurants, Bars und Cafés eine Perspektive brauchen, wann und unter welchen Bedingungen sie wieder öffnen dürfen“, sagt der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Florian Oßner (CSU).

Cafés und Bars mit Maskenpflicht und Mindestabstand?

„Wir arbeiten daran“, sagt schließlich eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Telefon. Bereits die ganze Woche über sei das ein Thema, ein runder Tisch aus Vertretern der Tourismusverbände, Dehoga und Vertretern des Wirtschaftsministeriums suche nach Lösungen. „Es ist bekannt, dass Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein Unterstützer der bayerischen Gastronomie ist. Er weiß, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Betriebe schnell wieder öffnen können.“

Wie aber sind Mindestabstand und Maskenpflicht in den Ablauf eines gastronomischen Betriebs zu integrieren? „Das müssen wir jetzt herausfinden“, sagt die Ministeriumssprecherin. Aiwanger selbst hatte in einer der vielen Regierungspressekonferenzen anklingen lassen, dass beispielsweise Tische auseinandergerückt werden müssten und die Zahl der Gäste, die sich gleichzeitig in einem Lokal aufhalten, begrenzt werden müsste.

Die technische Umsetzung werde diskutiert, die ganze Woche schon und ab Montag wieder: „Das Unterstützungsinstrumentarium wird laufend evaluiert und vor dem Hintergrund der weiteren Entwicklungen sowie der daraus resultierenden Erfordernisse angepasst.“

Eine der Maßnahmen für den Erhalt der Gastro-Branche ist bereits in trockenen Tüchern: Die Absenkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent von 1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021 sieht Wirtschaftsminister Aiwanger als „wichtigen Lichtblick am Ende des Tunnels, der aber von einer Übergangslösung zu einer Dauerlösung werden muss.“ Also dauerhaft sieben Prozent auf Essen und Trinken auswärts? Auch bleibt die Frage, ob das ohne weitere Maßnahmen nicht vielleicht zu wenig, zu spät sein könnte.

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