Reisewelle Flughafen München erwartet kein Sommerferien-Chaos

Passagiere stehen mit ihrem Gepäck vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen München. Foto: Sven Hoppe/dpa

Fünfstündige Wartezeiten und die Feuerwehr als Aushilfe bei der Gepäckabfertigung - Szenen wie an anderen Airports soll es am Drehkreuz im Süden nicht geben. Zwar fehlt auch hier Personal. Aber schon bei den Sicherheitskontrollen gibt es einen großen Vorteil.

Der Flughafen München sieht dem Start in die bayerischen Sommerferien im August relativ gelassen entgegen. Ein Chaos wie an anderen Airports soll es nicht geben: "Wir unternehmen alles, damit das nicht passiert", sagte Flughafensprecher Ingo Anspach. Nach zwei Jahren Corona-Flaute nähere sich die Nachfrage nach Flugreisen jetzt wieder den Vor-Corona-Zahlen. "Wir nähern uns im Moment der 80-Prozent-Marke, und es steigt weiter. In den Spitzen sind wir schon über Vor-Corona-Niveau", sagte der Sprecher des zweitgrößten deutschen Flughafens.

Die dynamische Entwicklung stelle Flughäfen von London über Amsterdam bis zu deutschen Flughäfen vor Probleme, weil an vielen Stellen Personal fehle. Während der Pandemie hätten viele Mitarbeiter von Dienstleistern in anderen Branchen Arbeit gefunden: "Es fehlt überall".

Die Münchner Flughafengesellschaft habe aber, auch dank Kurzarbeit, einen Großteil ihrer Belegschaft halten können - aktuell beschäftigt sie 8700 Mitarbeiter, vor der Krise waren es 10.000. "Wir sind nicht so schlecht aufgestellt." Trotzdem könne es in einzelnen Bereichen kurzfristig zu Engpässen mit großen Auswirkungen auf das gesamte Räderwerk kommen.

Ein Beispiel waren die Einschränkungen der Flugsicherung und ein Gewitter vor einer Woche: Viele Reisende verpassten Anschlussflüge oder wurden auf die Bahn umgebucht. Dass aktuell rund 3000 Koffer von Lufthansa-Passagieren in München stehen, ist zur Hälfte allerdings dem Umstand geschuldet, dass dort Koffer in Aushilfe für andere deutsche Flughäfen sortiert werden, die mit ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen. Das Gepäck wird dann aus München individuell zugestellt.

Die Gepäckabfertigung in München wird teils von einer Flughafen-Tochter, teils von dem privaten Dienstleister Swissport Losch abgewickelt. Neues Personal anzuwerben, sei schwierig, sagte Anspach. Viele Unternehmen seien auf der Suche.

In Bayern waren im Juni 230.600 Menschen arbeitslos gemeldet. In der Landeshauptstadt München stieg die Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), treibt diese Entwicklung schon lange um. Er sagte der "Frankfurter Rundschau": "Es fehlt an allen Ecken und Enden - von hoch qualifizierten Jobs bis zum Tellerwäscher. Am heftigsten trifft es aktuell die Flughäfen und die Gastronomie." Die Bundesregierung will den Flughäfen jetzt die Anwerbung von Personal aus dem Ausland erleichtern.

Mit Krankmeldungen kämpft München weniger als andere Flughäfen. Der Krankenstand sei nicht ungewöhnlich hoch, sagte der Sprecher.

Einen großen Vorteil haben die Bayern vor allem bei den Sicherheitskontrollen. Andere deutsche Flughäfen sind da von privaten Sicherheitsfirmen abhängig. Und auch bei denen herrschen Personalengpässe, wie jüngst der Abbruch eines Open-Air-Festivals des Bayerischen Rundfunks wegen fehlender Sicherheitsleute zeigt. In Bayern werden die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen von einem Unternehmen im Besitz des Freistaats durchgeführt, das nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes entlohnt. "Die Fluktuation ist da entsprechend geringer," sagte Anspach.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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