Reisen Einmal durch Asien: Der 21-jährige Jonas Sperlich hat es geschafft

Jonas mitten in der Mongolei. Foto: privat

100 Euro hat der Flug gekostet – von München nach Moskau. Damit hat Jonas Sperlich aus Schorndorf im Landkreis Cham den Grundstein für seine Reise gelegt. Von Moskau aus hatte er Anschluss an die transsibirische Eisenbahn und saß drei Tage lang im Zug, lediglich durch die Stopps an verschiedenen Bahnhöfen unterbrochen. Das Abenteuer ging los.
 

So lange wie möglich wegzubleiben. Das war das Ziel des 21-Jährigen. Nach seinem Abitur an der Fachoberschule in Cham hat er sich entschlossen, vor seinem Studium ein Gap Year einzulegen und die Länder Südostasiens zu erkunden. „Nach dem Abi ist die beste Zeit dafür“, sagt Jonas.
Fast ein halbes Jahr dauerte seine Reise. Von Oktober 2017 bis März 2018 war er in Russland, der Mongolei, China, Vietnam, Kambodscha und Thailand. Dann wurde das Geld bei ihm knapp. Für den Rückflug aus Thailand standen ihm noch genau 231,56 Euro zur Verfügung. Doch länger als bis März wollte Jonas ohnehin nicht bleiben. „Ich wollte unbedingt daheim noch snowboarden“, erzählt er.
Das hat auch geklappt – übrigens ohne zu frieren. Denn dank einer langen Unterhose aus Kamelwolle, die er aus der Mongolei mitgebracht hat, fror ihn beim Snowboarden nicht. Im Gegenteil, die lange Unterhose musste er sogar ausziehen. Temperaturen um den Gefrierpunkt sind harmlos, verglichen mit den minus dreißig Grad Celsius, die das Thermometer in den Wintermonaten in der Mongolei leicht erreichen kann.
Zurück zum Anfang: Nachdem er drei Tage benötigte, um mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau aus den Baikalsee zu erreichen und dort einige Tage zu bleiben, erreichte er die Mongolei und damit das Land, von dem er noch Wochen später am meisten schwärmen wird: von der unberührten Natur, dem gewaltigen Sternenhimmel und wilden Pferden.

Quer durch die Mongolei – fast ohne jemanden zu treffen

„In der Mongolei kann man noch Abenteuer erleben“, sagt Jonas. Er durchquerte das Land mit dem Bus. Ein alter Mongole, Eggi, und dessen Frau haben ihn und ein paar andere Backpacker eine Woche lang mit einem alten Kleinbus durch das Land genommen. Bis auf eine Reisegruppe, mit der sie mitten in der Prärie eine Tasse Tee getrunken hatten und wilden Pferden und Geiern, die an einem toten Kamel gefressen hatten, sah er keine anderen Lebewesen.
Mit der Ankunft in China sei es dann auch mit der Idylle und Einsamkeit schlagartig vorbei gewesen. „Es war krass am Pekinger Hauptbahnhof, so viele Menschen überall“, erzählt er. China sei sehr bevölkerungsreich, aber dafür würde es weniger Touristen geben. Dies würde womöglich an der Einreise liegen, die mit vielen bürokratischen Hürden verbunden ist, vermutet Jonas. Neben einem Visum hat er den Ein- und Abreisetag angeben müssen und zum Beweis die entsprechenden Zug- beziehungsweise Flugtickets vorlegen müssen. Auch musste er angeben, was er im Land vorhat und mit wem er Kontakt aufnimmt. „Die Chinesen wissen jetzt alles über mich“, sagt der 21-Jährige. „Sogar was meine jüngere Schwester macht.“ Doch nicht nur Touristen werden vom chinesischen Staat genau unter die Lupe genommen, die Einheimischen unterliegen einer strikten Kontrolle und Überwachung. Die Suchmaschine Google beispielsweise ist verboten, in der chinesischen Version namens „Baidu“ sind die Informationen stark eingeschränkt.
Öffentliche Plätze sind durch Kameras überwacht. Deshalb würden sich alle Bürger sehr ruhig und unauffällig verhalten, erzählt Jonas. Einmal war er mit einer chinesischen Bekannten, die er auf seinem Trip kennengelernt hatte, unterwegs. Auf dem Tiananmen-Square, auch „Verbotene Stadt“ genannt, habe er sie einmal von hinten erschreckt. „Wie ich halt bin“, sagt er und grinst beim Erzählen. Die Freundin hätte das jedoch nicht so lustig gefunden. „Hör auf, du erregst Aufmerksamkeit“, hatte sie ihn auf die Situation hingewiesen – aus Angst, von Polizisten aufgehalten zu werden.

Mit sechs Männern ein Selfie – wegen seiner weißen Haut

Aufmerksamkeit hat Jonas aber trotzdem erregt – seiner weißen Haut wegen. „Ich habe gemerkt, wie in der U-Bahn ‚heimlich‘ Fotos von mir gemacht worden sind.“ Als er den Zhangijiajie-Nationalpark besichtigt habe, sei sogar eine Touristengruppe zu ihm gekommen und habe gefragt, ob sie ein Selfie mit ihm machen könnten. Sechs Männer sind dann um ihn herumgestanden und haben ihn von allen Seiten fotografiert.
Bis dato noch alleine unterwegs, bekam er im Vietnam Unterstützung von seiner Freundin. Zusammen erkundeten die beiden das Land, das noch immer Spuren der Chemiewaffe „Agent Orange“ trägt und extrem müll- und luftverschmutzt ist. Trotzdem hat es sich hier gut und teilweise sehr billig leben lassen. „Für Essen habe ich oft nicht mehr als drei Euro ausgegeben.“ Und die Auswahl in den Straßen war groß. Allerdings nicht so luxuriös wie in Deutschland. Auf bunten Plastikhockern haben die Besitzer der Straßenimbisse ihre Nudelsuppen – typisch für Südostasien serviert, die aber super geschmeckt hätten.
Trotzdem – eine bayerische Brotzeit hätten die auch nicht ersetzen können. Die sei ihm nämlich, neben seiner weichen Matratze, am meisten abgegangen, sagt Jonas. Die Reise habe ihm aber klargemacht, dass „wir es daheim extrem schön haben“. Gerade die gute wirtschaftliche Situation und das Sozialsystem in Deutschland könne man mit keinem anderen seiner bereisten Länder vergleichen. Trotz dieser Feststellung, möchte er diese Länder keineswegs abwerten. Seine Reise war nämlich eine „mega geile Erfahrung“.

 
 

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