Regensburg Urige Brautechnik im Haus der Bayerischen Geschichte

Diese "Ur-Linde", eine Kältemaschine aus dem späten 19. Jahrhundert, gibt es ab Juni im Haus der Bayerischen Geschichte zu bestaunen. Foto: Haus der Bayerischen Geschichte

Frisches Bier zu jeder Jahreszeit - in der Zeit der Eiskeller war das noch Utopie. Erst Maschinen, die künstlich Kälte erzeugen konnten, machten das Ende des 19. Jahrhunderts möglich. Einen der ersten Prototypen für solche Kältemaschinen gibt es ab Juni im Haus der Bayerischen Geschichte zu bestaunen: Eine Original-"Linde".

Fast sechs Tonnen bringt die Original Linde-Kältemaschine auf die Waage. Mit 2,40 Metern Höhe, 5,30 Metern Breite und 2,10 Metern Tiefe ist das Exponat auch eines der größten in der Dauerausstellung im neuen Museum. Carl Linde experimentierte sechs Jahre lang, bis dieser Prototyp schließlich 1876 in der Maschinenfabrik Augsburg fertig gebaut und ab Januar 1877 in der Dreher’schen Brauerei in Triest eingesetzt werden konnte. Der geniale Erfinder revolutionierte die Bierherstellung und ermöglichte den Export bayerischen Bieres weltweit.

Die Ur-Maschine wurde jetzt aus Wien angeliefert und in fünf großen Einzelteilen in das erste Obergeschoss ins Regensburger Museum gebracht. Auf der Bühne „Bayern industrialisiert mit Maß“ steht die „Ur-Linde“ für technische Innovationen im Bayern des ausgehenden 19. Jahrhunderts und den Siegeszug des bayerischen Biers, umrahmt von zahlreichen Emaille-Werbeschildern, die das Bild Bayerns in der Welt über die Bierwerbung nachhaltig prägten. Hightech und Werbung zusammen waren grundlegend für den Mythos Bayern.

Revolution in der Braukunst

Die Linde-Kältemaschine legte mit den Grundstein für den weltweiten Erfolg des bayerischen Bieres. Vor ihrer Erfindung stellte die Kühlung des Gerstensaftes die Brauer vor große Schwierigkeiten. Untergäriges Bier wie Pils, Lager oder Helles gelingt nur bei Temperaturen unter neun Grad Celsius, und selbst natürlich kalte Felsenkeller schafften diese Voraussetzungen oft nicht über den ganzen Sommer. Bis 1865 war in Bayern das Bierbrauen in den Sommermonaten sogar verboten. Die einzige zusätzliche Kühlung lieferte Natureis, das im Winter in großen Blöcken geschlagen und in Kellern eingelagert wurde. Das Eisschlagen war eine körperlich sehr harte, kräftezehrende und gefährliche Arbeit. Und Natureis war teuer: So musste die Münchner Großbrauerei Hacker-Pschorr im 19. Jahrhundert zeitweise jährlich 24.000 Tonnen Natureis ankaufen.

Mit der Erfindung von Carl Linde wurde die Bierproduktion angekurbelt: Dank dem in seiner Maschine eingesetzten Kältemittel Ammoniak konnte untergäriges Bier nun problemlos ganzjährig gebraut werden. Während große Brauereien ihren Brauprozess zunehmend industrialisierten und die innovative Kompressionskältemaschine einsetzten, wurde in zahlreichen Brauereien noch bis ins 20. Jahrhundert mit Natureis gekühlt. Die Pressestelle des Hauses der Bayerischen Geschichte schreibt dazu: "Ab Juni 2019 können Besucher die „Ur-Linde“ in der Dauerausstellung bestaunen – und im Museums-Wirtshaus danach ein gutes bayerisches Bier genießen".

 
 
 

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