Regensburg Flüchtlinge neben dem Juz: Erwachsene hetzen, Kinder bleiben entspannt

Auf diesem Bolzplatz wird eine Asylunterkunft entstehen; das angrenzende Jugendzentrum bekommt dafür voraussichtlich einen Basketballplatz und eine Trampolinanlage – letztere wünschen sich die Kids am meisten. Foto: nop

Neben dem Jugendzentrum Königswiesen soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Die betroffenen Jugendlichen selbst reagieren entspannt, ihre Eltern sind empört.

Am Freitag setzte sich Oberbürgermeister Joachim Wolbergs mit Bürgern über die Zukunft des Jugend- und Familienzentrums Königswiesen auseinander. Wie wir berichteten, soll auf dem Bolzplatz neben dem Juz eine Unterkunft für Familien aus Kriegsgebieten entstehen. Während Kinder und Jugendliche in einer ersten Gesprächsrunde pragmatisch und aufgeklärt diskutierten, was sie sich von der ebenfalls geplanten Sanierung ihres Juz erwarten, war die zweite Runde mit erwachsenen Anwohnern über weite Strecken eine bloße Unmutsbekundung uninformierter, verbitterter und aufgehetzter Wutbürger.

Die wesentlichen Tatsachen sind schnell aufgezählt; der Bau der Unterkunft für rund 130 Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan wird Mitte dieses Jahres beginnen und bis Anfang 2017 abgeschlossen sein. Vor allem Familien mit Kindern sollen hier untergebracht werden, eine entsprechende Vereinbarung habe Wolbergs mit der Regierung der Oberpfalz getroffen. Die unmittelbare Nähe zum bestehenden Jugend- und Familienzentrum sowie zum Bildungscenter der Vhs, gegenüber im Einkaufszentrum Köwe, seien beste Voraussetzungen für eine rasche Integration durch Sprach- und Berufseinsteigerkurse. Eine Praxis, die sich etwa im Stadtnorden durchaus bewährt, wie uns Annerose Raith vom Jugendamt bestätigte.

Leider gehe dabei der jetzige Bolzplatz verloren, erklärte Wolbergs den anwesenden, rund 35 regelmäßigen Nutzern des Jugendzentrums. Die Kids zwischen 12 und 17 reagierten überaus erwachsen und hörten sich ab 17 Uhr die städtischen Renovierungspläne für das Juz in aller Ruhe an. In einer sachlichen Fragerunde erfuhren sie dann, dass der Beachvolleyballplatz bleiben wird, wie er ist, und dass sie zusätzlich einen neuen Hartplatz haben könnten, der nicht nur Basketball, sondern auch Kleinfeldfußball ermögliche. Das ginge am einfachsten, indem man das Juz an die Straße rückt, so dass zum Park hin neue Flächen frei werden; eine Idee, die die Stadt favorisiert. Den abschließenden Appell Wolbergs’ an die Kids, dass sie die neuen Nachbarn natürlich auch mitspielen lassen sollten – „das werden eure neuen Kumpels“ – nahmen die Jugendlichen so selbstverständlich auf, dass es fast müßig zu erwähnen wirkt. Es ist aber notwendig; denn der Kontrast zwischen dieser disziplinierten, konstruktiven und vor allem sachlichen Diskussionskultur und dem, was nun folgen sollte, könnte nicht größer sein.

Um 18 Uhr stand der OB dann den Erwachsenen des Viertels Rede und Antwort. Vor der Tür warteten diese schon; rauchend, hustend und sich in slawischen Sprachen unterhaltend. Nicht alle, aber die meisten. Junge Mütter und Väter, die vor gut zehn Jahren noch selbst mit rassistischen Vorurteilen zu kämpfen hatten. Königswiesen war einmal ein – wenn nicht der – soziale Brennpunkt. Trotzdem waren die Anwesenden zum größten Teil nicht an Argumenten interessiert. Eine junge Frau übergab etwa eine Unterschriftenliste von etwa 450 Königswiesenern, die vor Unwahrheiten nur so strotzte. So wurde behauptet, dass statt des Juz „ein Asylheim draus“ und ein „Naturschutzgebiet weggerissen“ werde. Beides ist falsch; bedenkt man jedoch, dass es in Facebook-Kommentaren zu dem Thema schon mehrere Aufrufe zu Gewalttaten gegeben hat (wir berichteten), kommt man nicht umhin, hier von einer gezielten fremdenfeindlichen Kampagne auszugehen, die den öffentlichen Frieden – zumindest bei dieser Veranstaltung – stört.

Den vollständigen Artikel lesen Sie am Montag, 8. Februar, in der Donau Post.

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