Regensburg Die Jahn-Entwicklung geht weiter nach oben

Am Dienstagabend fand im marinaforum in Regensburg die Mitgliederversammlung des SSV Jahn statt. Foto: Fabian Roßmann

Bei der Mitgliederversammlung des SSV Jahn Regensburg am Dienstagabend im marinafoum in Regensburg wurde die positive Entwicklung des Vereins einmal mehr sichtbar.

Christian Keller, Geschäftsführer der KGaA, konnte auf der Mitgliederversammlung wieder einmal positive Zahlen vermelden. 24,0 Millionen Euro beträgt der geplante Umsatz für die laufende Saison. Das ist im Vergleich zur Saison 2013/14 (3,3 Millionen) eine Steigerung um über 700 Prozent. "Diese Zahlen sind hocherfreulich", sagte Keller. "In sechs Jahren eine Steigerung um über 700 Prozent, das ist richtig, richtig gut."

Gleichzeitig verwies Keller aber auch darauf, dass man im Wettbewerb 2. Bundesliga weiter hinterherhinke. In der Saison 2017/18 lag der durchschnittliche Umsatz in der 2. Bundesliga bei 33,8 Millionen Euro und dürfte in den vergangenen Jahren durch neue Schwergewichte wie den Hamburger SV und den VfB Stuttgart weiter gestiegen sein. "Wir haben uns positiv entwickelt, es bleibt aber noch viel zu tun", sagt Keller. Denn: "Geld schießt zwar keine Tore, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass man Tore schießt."

Investitionen in Infrastruktur

Der Jahn investiert derweil nicht nur in seine Profimannschaft, sondern steckt auch viel Geld in die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Die Profis trainieren inzwischen auf einem neuen Trainingsplatz und kürzlich fand die Grundsteinlegung für ein neues Funktionsgebäude statt. Das 3,5 bis 4 Millionen Euro teure Projekt finanziert der Verein komplett aus eigener Tasche. Dafür gab es Sonderapplaus von den 304 anwesenden Vereinsmitgliedern.

Christian Keller nahm auch Bezug auf die sportliche Entwicklung des Jahn. "Wir kommen aus einer sehr, sehr erfolgreichen Saison 2018/19", sagte er. Mit 49 Punkten habe die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit die punktemäßig beste Zweitliga-Saison in der Jahn-Historie gespielt. Keller ging dabei auch darauf ein, wie sich diese Mannschaft über Jahre entwickelt hat. "Am Ende der letzten Saison hatten wir eine richtig, richtig gute Zweitliga-Mannschaft", so der Geschäftsführer.

Die Folge dieser Entwicklung war, dass den Jahn im Sommer zahlreiche Spieler zu finanziell größeren Clubs verlassen haben. "Das haben wir den Spielern auch gegönnt", so Keller. Denn man sage ihnen bei der Verpflichtung immer, dass man mit ihnen arbeiten und sie verbessern wolle. Das ist nun wieder das Ziel. "Wir müssen unserer Rolle als Entwicklungsverein von Neuem gerecht werden. Wir haben Spieler mit Potenzial geholt und müssen nun mit ihnen arbeiten, damit aus dem Potenzial wieder gestandene gute Qualität wird."

Keller wirbt um Geduld und Zeit

Um das zu erreichen, braucht es laut Keller "das, was im Fußball die knappste Ressource ist, nämlich Zeit." Ein guter Verein gebe der Entwicklung aber auch die nötige Zeit. "Man darf nicht vergessen, dass viele Spieler unserer Mannschaft in dieser Saison zum ersten Mal auf Zweitliga-Rasen stehen. Dafür stehen wir schon sehr ordentlich da." Man habe in den bisherigen Spielen gesehen: "Wir müssen uns vor keinem Club in der 2. Liga verstecken."

Um den Weg weiter positiv zu gestalten, ist Christian Keller wichtig, dass alle im Umfeld des Jahn eine Haltung einnehmen, die folgende vier Aspekte auszeichnen:

  1. Freude und Begeisterung. "Man kann nur erfolgreich sein, wenn man seine Aufgaben mit Freude und Begeisterung macht", sagte er.
  2. Glaube und Überzeugung. Ähnlich der Aussage von Jürgen Klopp in einer bekannten TV-Werbung sagte der Jahn-Geschäftsführer: "Das Streben zu gewinnen muss einen mehr antreiben als die Angst, dass es nicht klappen könnte."
  3. Fleißig und beharrlich sein. "Im Fußball wird viel geredet", sagte Keller. "Entscheidend ist aber immer das, was man tut."
  4. Gemeinschaft und Teamgeist. Jedem einzelnen müsse klar sein, dass die Mannschaft und der Verein wichtiger sind als einzelne Interessen. "Befindlichkeiten sind die größte Seuche, die es im Fußball geben kann", sagte Keller in aller Deutlichkeit.

Als Vorstand Nachwuchsfußball nahm Keller auch Bezug auf die Entwicklungen der Jahnschmiede, dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der Oberpfälzer. Die Zertifizierung des NLZ habe man mit einem von drei möglichen Sternen erfolgreich abgeschlossen. Sportlich habe man sich verbessert. "Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen", betonte Keller. Dies sei aber auch nicht möglich, weil Entwicklung im Nachwuchsbereich immer Zeit benötige. Übergeordnetes Ziel ist, dass regelmäßig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Voraussetzung dafür ist, dass alle Jugendteams in den höchsten Ligen spielen. Dies ist aktuell noch nicht der Fall.

"Wir haben im Nachwuchs viel verbessert, haben aber auch noch viel zu tun", so Keller. Was genau? Hier führte Keller vier Punkte an:

  1. Infrastruktur
  2. Personaldecke ausbauen, insbesondere mehr Hauptamtliche
  3. Organisatorische Rahmenbedingungen weiter verbessern, zum Beispiel mehr Shuttlebusse einsetzen
  4. Spielidee noch konsequenter durchsetzen

Positiv ist laut dem Geschäftsführer auch die Entwicklung bei Ball- und Fußballschule. Hier gehe es nicht nur um eine sportliche Plattform oder darum, Geld zu verdienen. Hier könne man auch eine junge Zielgruppe von den Kleinsten bis zu Jugendlichen erreichen und sie für den Jahn begeistern.

Unter dem Strich steht der Verein so gut da wie noch nie in seiner 130-jährigen Geschichte. "Das ist kein Zufall und keine Selbstverständlichkeit", betonte Präsident Hans Rothammer. Auch im Fall von sportlichen Rückschlägen sei man gut aufgestellt. "Keine Rückschläge darf es aber auf dem Weg geben, dass wir den Jahn noch mehr in den Herzen der Menschen in Ostbayern verankern", sagte Rothammer. Die aktuellen Zuschauerzahlen und die Entwicklung der Mitgliederzahl seien "eine schöne Momentaufnahme, in beiden Bereichen ist aber auch noch viel Luft nach oben."

Von den Erfolgen der Profiabteilung profitiert auch der Stammverein, der 90 Prozent an der KGaA hält. Finanz-Vorstand Daniel Lesser vermeldete einen Jahresüberschuss von 1,056 Millionen Euro. Dies sei vor allem auf die Zuschüsse der KGaA (1,150 Millionen Euro) zurückzuführen.

Insgesamt befindet sich der Jahn also in allen Bereichen auf einem guten Weg und entwickelt sich in die richtige Richtung. Als Jahresmotto hatte Keller ausgegeben: Gemeinsam etablieren. "Auf dieses Motto haben wir sehr gut eingezahlt und es konnten weitere Meilensteine erreicht werden", so der Geschäftsführer.

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