Rudolf Voderholzer (53), ernannter Bischof von Regensburg, hat am Freitag in München den Eid auf die Bayerische Verfassung abgelegt. Im Prinz-Carl-Palais schwor Voderholzer "Deutschland und dem Lande Bayern" die Treue. Dabei stützte er die linke Hand auf eine rot eingebundene Prachtbibel.

In der vom Konkordat zwischen dem Freistaat und dem Heiligen Stuhl seit 1924 vorgegebenen Formel verpflichtete er sich und seine künftigen Diözesanpriester zugleich zur Achtung der verfassungsmäßig gebildeten Regierung. Das Versprechen geht historisch auf den mittelalterlichen Lehnseid zurück und wird nur noch in Teilen Deutschlands praktiziert.

"Mit Ihnen kommt ein waschechter Bayer in seine Heimat zurück", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu dem aus München stammenden Trierer Theologieprofessor. "Sie verstehen die Menschen in unserem Land, und damit meine ich nicht nur die bayerische Sprache." Voderholzer kenne auch die Bräuche sowie die Sorgen und Nöte der Menschen im Freistaat. Dies seien gute Voraussetzungen für sein neues Amt, das er erst am 26. Januar mit seiner Weihe zum Bischof im Regensburger Dom antreten wird.

Voderholzer würdigt Religionsfreiheit

Der Theologe folgt Gerhard Ludwig Müller (65) nach, den Papst Benedikt XVI. im Juli 2012 als Erzbischof an die Spitze der Römischen Glaubenskongregation berief. Voderholzer war dessen Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. In dessen Auftrag kümmert er sich seit 2008 auch an einem eigens dafür in Regensburg errichteten Institut um die Herausgabe der Werke von Joseph Ratzinger/Papst Benedikt.

In seiner Ansprache würdigte Voderholzer die Bedeutung der verfassungsrechtlich verbürgten Religionsfreiheit. Diese zähle zu den "unverzichtbaren Errungenschaften der neuzeitlichen Geistesgeschichte". Staat und Kirche hätten diese zu beachten. Er persönlich sei froh, sich mit diesem Eid an eine Verfassung zu binden, die jedem Menschen die Freiheit garantiere, zum Angebot der Liebe und Freundschaft Gottes Ja oder Nein zu sagen. Mit der Erklärung zur Religionsfreiheit habe das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) diese Einsicht auch "höchstverbindlich als Lehre der Kirche formuliert".

Der ernannte Regensburger Bischof erklärte, er verstehe seinen Dienst nicht eingeschränkt auf die katholische Kirche. Er wolle vielmehr allen Menschen dienen, unabhängig von deren religiösem Bekenntnis. An Seehofer gerichtet versprach Voderholzer, er wolle dessen Partner sein, "wenn es darum geht, sich für Gerechtigkeit einzusetzen".

Spannungsreiche, überaus fruchtbare Beziehung

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, er sei sehr froh über das kooperative Verhältnis zwischen Kirche und Staat in Bayern. In ihren gegenseitigen Ansprüchen hätten beide im Laufe der Geschichte "manchmal überzogen". Die Eidesformel sei Ausdruck einer "spannungsreichen, aber überaus fruchtbaren Beziehung".

In Bayern werden neue katholische Bischöfe, wie der künftige Oberhirte von Regensburg, Rudolf Voderholzer, auf die Verfassung des Freistaates Bayern und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vereidigt.

Dieser Eid ist in zwei Staatskirchenverträgen geregelt: dem sogenannten Konkordat zwischen Vatikan und Bayern von 1924 und dem Konkordat zwischen Vatikan und Deutschland von 1933. Der Text des Treueides lautet folgendermaßen: "Vor Gott und auf die heiligen Evangelien verspreche ich, so wie es einem Bischof geziemt, der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern Treue. Ich schwöre und verspreche, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen. In der pflichtgemäßen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen Staatswesens werde ich in Ausübung des mir übertragenen geistlichen Amtes jeden Schaden zu verhüten trachten, der es bedrohen könnte."