Die Vorwürfe klingen schauerlich: Mitarbeiter des Regensburger Krematoriums sollen von 2011 bis Mai 2015 in rund 200 Fällen bei der Feuerbestattung von Leichnamen auch Körperteile anderer Menschen mitverbrannt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg.

Wie werden Körperteile, Gewebe- oder Blutproben, die etwa bei Operationen anfallen, normalerweise entsorgt? „Dafür gibt es einen gesetzlich ganz streng geregelten Weg“, erklärt Katja Russwurm, Pressesprecherin der Uniklinik Regensburg. Körper- und Organabfälle werden an der Uniklinik in speziellen Entsorgungsbehälter gesammelt. Sobald die Behälter verschraubt sind, sind sie nicht mehr zu öffnen. Autorisierte Mitarbeiter bringen die Behälter in einen abgeschlossenen „Bunker“. Von dort werden sie in regelmäßigen Abständen von einer speziellen Entsorgungsfirma abgeholt. Verbrannt werden die „Körper-Abfälle“ aus der Uniklinik in einer Krankenhaus-Müllbeseitigungsanlage in Augsburg. Alle Behälter sind deklariert, so dass der Weg des Inhalts zurückverfolgt werden kann, so Russwurm. Diese Art der Sondermüllbeseitigung ist freilich aufwändiger und teurer als eine normale Entsorgung.

Liegt darin ein mögliches Motiv für eine Klinik oder einen niedergelassenen Arzt, solche Abfälle anderweitig – in einem Krematorium – zu beseitigen? Dieses Szenario sei eine „Idee“, die geprüft werde, sagt Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, auf Nachfrage. Und wo liegt das Motiv für den oder die Krematoriums-Mitarbeiter? Hier geht die Staatsanwaltschaft der Frage nach, inwiefern jemand für die Annahme und die Verbrennung der Abfälle Geld erhalten haben könnte. Es gebe dafür aber noch keinen Anfangsverdacht, betont Ziegler.