Regensburg/Altötting Bischof Voderholzer predigt, die AfD übernimmt

„Viele sehen heute die Gefahr einer drohenden Islamisierung Mitteleuropas, nicht durch kriegerische Eroberung und Besatzung, sondern durch Asylgewährung und Fruchtbarkeit. Sie wissen wahrscheinlich, dass ich diese Befürchtungen nicht für ganz unberechtigt oder gar für krankhafte Hirngespinste halte", sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bei seiner Predigt in Altötting. Foto: Armin Weigel, dpa

In seiner Predigt an die Donauschwaben am Sonntag, 8. Juli, in Altötting hat sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer eindeutig zum Thema Integration positioniert. Es dauerte nicht lange, schon hat die AfD einige dieser Aussagen auf Facebook aufgenommen und versucht damit, für die eigenen Ziele zu werben. Politisch seien die Äußerungen des Bischofs aber nicht zu verstehen, betont man beim Bistum Regensburg.

Im Rahmen der 59. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben wandte sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in der Basilika St. Anna in Altötting an tausende Gläubige. Dabei fand er recht deutliche Worte zum Thema „Ein vereintes Europa auf Basis des Christentums“. So sei der Islam „von seinem theologischen Wesen her der Widerspruch zum Christentum“ und von daher sei kulturell „allenfalls ein Nebeneinander möglich“.

Voderholzer weiter: „Viele sehen heute die Gefahr einer drohenden Islamisierung Mitteleuropas, nicht durch kriegerische Eroberung und Besatzung, sondern durch Asylgewährung und Fruchtbarkeit. Sie wissen wahrscheinlich, dass ich diese Befürchtungen nicht für ganz unberechtigt oder gar für krankhafte Hirngespinste halte.“ Zwei Tage später griff die AfD – auch in Person von Fraktionschefin Alice Weidel – diese Aussagen des Bischofs auf und warb damit auf Facebook. Der Regensburger Bischof habe Befürchtungen vor einer drohenden Islamisierung Deutschlands verteidigt, heißt es in dem AfD-Post unter anderem.

"Mit den Inhalten könnten sicher viele Parteien werben"

Wir haben beim Pressesprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck, nachgefragt, wie man dort zur Verwendung der Aussagen des Bischofs seitens der AfD steht. „In Predigten äußert sich der Herr Bischof grundsätzlich als Theologe, nicht als Politiker. Seine Äußerungen sind also in keiner Weise politische Stellungnahmen. (…) Mit den Inhalten seiner Botschaft an die Donauschwaben könnten sicher viele Parteien werben“, erklärt Neck schriftlich.

Ist das so? In Bischof Voderholzers Predigt heißt es weiter: „Der Westen muss nicht in erster Linie Angst haben vor der Bedrohung von außen, liebe Schwestern und Brüder, sondern von innen, vor der eigenen Glaubensschwäche und vor der eigenen Unlust an der Zukunft, die sich auch ausdrückt in einer Unlust an Nachkommenschaft, was von vielen Menschen in den anderen Kontinenten ja nur als eine Einladung verstanden werden kann, zu uns zu kommen und die Lücken zu schließen." Wie darf man diese Aussage deuten? Dass der Westen selbst Schuld an der Asylkrise trägt, weil sich die Menschen hier zu wenig fortpflanzen? „Von Schuld würde ich nicht sprechen. Eher von einem Weckruf, die Grundlagen unserer Kultur nicht sang- und klanglos preiszugeben“, äußert sich Clemens Neck hierzu.

Der Bischof habe in seiner Predigt an die Sichtweisen des Orient-Kenners Peter Scholl-Latour anknüpfen wollen, der „die Gesellschaften Europas schon in den neunziger Jahren auf dem Weg in eine tiefe Identitätskrise sah“. Und Neck ergänzt: „(…) Tatsachen jedenfalls sind, dass wir in einer gewaltigen demographischen Schieflage stecken und dass die Bilanz unserer Integrationsanstrengungen keine strahlende Erfolgsgeschichte erzählt.“

 

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