Ratgeber Erkältungsmythen auf dem Prüfstand

Was hilft wirklich bei einer Erkältung und kann man sie vielleicht sogar verhindern? (Symbolbild) Foto: Andreas Gebert/dpa

Vorweihnachtszeit ist immer auch Erkältungszeit. Traditionell grassieren zu dieser Zeit nicht nur jede Menge Viren, sondern auch Erkältungsmythen. Wir haben aus diesem Grund bei Dr. med. Florian Hitzenbichler nachgefragt. Gegenüber idowa erklärt der Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg, was an einigen dieser Mythen dran ist: reines Hirngespinst oder etwa doch ein Fünkchen Wahrheit?

Mythos 1: "Die regelmäßige Einnahme von Vitamin C und Zink verhindert Erkältungen"

Dr. med. Hitzenbichler: Die Studien zu Vitaminc C, Zink und auch Vitamin D sind nicht überzeugend genug, um daraus Empfehlungen für die Allgemeinheit abzuleiten. Es mag für Einzelne ein kleiner Vorteil bestehen, jedoch rechtfertigt das nicht die generelle Empfehlung zur Substitution. Es ist vor allem auch unklar, welche Dosis man wie lange einnehmen muss.

Mythos 2: "Zieh Dich warm an, sonst erkältest Du Dich!"

Dr. med. Hitzenbichler: Das stimmt wahrscheinlich nicht. Die Kälte hat auf die Infektion mutmaßlich wenig Einfluss. Allerdings zirkulieren viele Erkältungsviren und auch die Erreger der echten Grippe (Influenza) eben im Herbst und Winter, so dass natürlich zwangsläufig eine Assoziation mit nass-kaltem Wetter und Frieren entsteht. Übrigens muss man unterscheiden zwischen der gewöhnlichen Erkältung und der echten Grippe. Letztere ist nämlich alles andere als harmlos und geht mit starken Gliederschmerzen, Husten und Fieber einher. Sie ist jedes Jahr für viele Todesfälle verantwortlich.

Mythos 3: "Kalte Duschen härten ab und verbessern das Immunsystem"

Dr. med. Hitzenbichler: Es gibt tatsächlich Studien, die zeigen, dass Menschen, die Wechselduschen (kalt-warm) durchführen, weniger krankheitsbedingte Fehltage in der Arbeit haben. Es kann hier also ein protektiver Effekt angenommen werden.

Mythos 4: "Wer verschwitzt oder mit nassen Haaren in die Kälte geht, erkältet sich schneller"

Dr. med. Hitzenbichler: Der Zusammenhang ist weniger klar. Vielleicht hat die Kälte einen negativen Einfluss auf die Immunantwort, allerdings muss man einen Virus "aufschnappen", um krank zu werden. So hat man bei Forschern in der Antarktis, die dort über Monate lebten, auch nicht mehr Erkältungen beobachtet, als bei einer Vergleichsgruppe, die sich in den USA aufhielt.

Hilft warmes Bier tatsächlich bei einer Erkältung?

Mythos 5: "Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage"

Dr. med. Hitzenbichler: Das ist so ähnlich wie "Eine Erkältung dauert mit Arzt eine Woche lang und ohne Arzt sieben Tage" - beides meint das Gleiche: wir Ärzte können viele Virusinfektionen nicht kausal beeinflussen. Unser Beitrag beschränkt sich auf eine sogenannte symptomatische Therapie, die Beschwerden lindert oder erträglicher macht. Anders sieht es bei der Influenza aus. Hier gibt es eine Therapie, die insbesondere bei Patienten mit schwerem Verlauf sowie bei entsprechenden Vorerkrankungen zum Einsatz kommt.

Mythos 6: "Warmes Bier hilft bei Erkältung"

Dr. med. Hitzenbichler: Das wäre schön. Aber anders gefragt: Was hilft denn nun bei Erkältungen? Am besten ist doch, gar nicht erst eine Infektion zu bekommen. Man sollte sich in der kalten Jahreszeit regelmäßig die Hände waschen, aber auch das hilft nicht zu 100 Prozent. Eine Erkältung erwischt jeden irgendwann. Was bei Erkältungen übrigens gar nicht hilft sind Antiobiotika. Bei der Influenza gibt es zumindest eine Impfung, die vor der Infektion schützt oder den Verlauf der Infektion günstig beeinflusst. Wer geimpft ist, steckt auch weniger andere Menschen an. Insofern ist es doppelt wichtig, sich impfen zu lassen. Jeder über 60 Jahren oder jeder mit chronischen Vorerkrankungen sollte sich impfen lassen. Das gilt auch für all diejenigen, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben. Auch Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Influenza und sollten sich daher unbedingt impfen lassen. Im Zweifel lieber den Hausarzt ansprechen. Noch ist Zeit, denn die Grippesaison startet erst im Dezember oder Januar. 

Mythos 7: "Zwiebelauflagen lindern Ohrenschmerzen"

Dr. med. Hitzenbichler: Viele Hausmittel haben sich über die Jahre bewährt. Ein Fünkchen Wahrheit steckt also bestimmt in vielen Empfehlungen. Jedoch darf man sich hier keine Wunder erwarten. Generell gilt: was einem gut tut, ist in Ordnung. Zwiebeln würde ich mir aber nicht auf die Ohren legen.

Mythos 8: "In der Sauna kann man eine Erkältung ausschwitzen"

Dr. med. Hitzenbichler: Falsch. Wer krank ist, gehört nicht in die Sauna, sondern ins Bett. Die Hitze ist eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislaufsystem. Außerdem steckt man unter Umständen nur die anderen Gäste an. Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, sich schonen, viel trinken und viel schlafen. Für Beschwerden wie Kopf- und Gliederschmerzen hilft Ibuprofen oder Paracetamol. Wer sich entsprechend fühlt, kann auch an der frischen Luft spazieren gehen - das ist wahrscheinlich auch von Vorteil. Wer hohes Fieber hat oder sich kränker fühlt als üblich, sollte seinen Arzt aufsuchen. Vor allem dann, wenn Vorerkrankungen an Lunge oder Herz bestehen. 

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading