Skisprung-Star Sven Hannawald war kürzlich auf Einladung der AOK in Straubing. Passend dazu stieg er hoch hinauf, auf den Straubinger Stadtturm. Im Interview spricht er mit unserer Mediengruppe über das Thema, das letztlich seine Spitzensportler-Karriere beendete: Burnout. Ein Gespräch über Höhenflüge und Abstürze.

Sie sind ein überzeugender Botschafter für das Thema psychische Gesundheit, weil Sie den Menschen nicht das Blaue vom Himmel herunter erzählen, sondern aus eigener Erfahrung wissen, wie sich Burnout anfühlt. Was denken Sie, wieweit sind wir als Gesellschaft noch davon entfernt, über psychische Probleme genauso selbstverständlich zu sprechen wie über einen Arm- oder Beinbruch?

Sven Hannawald: Das wird noch eine Weile dauern. Es gibt mittlerweile viele Unternehmen, die sich für das Thema öffnen, weil sie nicht drumherum kommen. Und dabei geht es nicht nur um einen Obstkorb oder ein Ergometer im Untergeschoss. Es geht um einen ganzheitlichen Ansatz. Wie sich eine psychische Krise anfühlt, wissen die, die das erlebt haben. Ich weiß das Thema anzugehen, aus meiner eigenen Erfahrung. Mir ist wichtig, dass gerade junge Leute davon hören, damit sie später Signale einzuschätzen wissen, etwas ändern können und besser durch eine Krise kommen.

Digitaler Fortschritt verschärft das Problem

Es gibt aufrüttelnde Zahlen, wie viele Menschen wegen psychischer Erkrankungen nicht zur Arbeit gehen können. Sind das mehr geworden wegen der zunehmenden Arbeitsbelastung oder gab es das schon immer oder zumindest lange in diesem Ausmaß, aber jetzt wird es öffentlich, weil darüber mehr gesprochen wird?