Portugal Auf Entdeckungstour im Osten Madeiras

Küste Madeiras Foto: Kerstin Bauer

Pedro kommt mit dem Jeep. Ein normaler PKW wäre den vielen abenteuerlichen Straßen Madeiras nicht gewachsen.

Heute steht ein aufregender Tag bevor: Der Osten der Insel wird erkundet. Pedro liebt seinen Job, das merkt man. Er blüht auf, wenn er hinter dem Steuer seines Wagens sitzt und Wissenwertes über seine Heimat Madeira erzählt. "Mein Auto ist mein Büro", so Pedro. Es gibt aber auch schlimmere Jobs, als Touristen die "Blumeninsel" zu zeigen. Die Tagestour startet um 9 Uhr morgens in Funchal, der Hauptstadt Madeiras, die direkt am Meer an der Südküste der Insel liegt. Die cremefarbenen Häuser, im mediterranen Stil gebaut, blicken in Hanglage Richtung Atlantik. Selbst Ende November hat es hier angenehme 20 Grad.

Schon nach ein paar Minuten Fahrt wird es spannend. Pedro möchte — noch in Funchal — eine kleine Abkürzung nehmen. Er will am ersten Aussichtspunkt ankommen, bevor die ersten Touristen-Busse da sind. Der Jeep steht vor einer Straße, die so steil nach oben geht, dass man sich fragt, wie die Anwohner — beziehungsweise erst der Oldtimer, der am Straßenrand parkt — es schaffen, hier täglich ganz normal zu fahren. Doch Pedro ist unbeeindruckt: Er schaltet einen Gang runter und gibt Gas. Unter lautem Motorgeräusch bezwingt der Jeep den Berg. Kurz darauf erreicht die Gruppe das Fußballstadion "Estádio da Madeira". Es ist das höchstgelegene Fußballstadion Europas. Hier spielt der Verein "Clube Desportivo Nacional" in der zweiten portugiesischen Liga. Pedro erzählt, dass hier die Spiele manchmal wiederholt werden müssen, weil der Schiedsrichter wegen des Nebels oft nicht mal bis ans andere Ende des Spielfelds sieht.

Wir lassen die Großstadt hinter uns und fahren über kurvige Straßen zum "Pico do Arieiro", dem höchsten befahrbaren Berg Madeiras. Leider hat es an diesem Morgen starken Nebel und somit kann man keine Aussicht genießen. Außerdem ist es ziemlich frostig hier. Also schnell weiter - es gibt noch viel zu entdecken. Der Jeep fährt durch ein Waldstück. Die Vegetation sieht hier aus wie in den Wäldern Bayerns: Nadelbäume überall. Aus einer Felswand am Straßenrand sprudelt Wasser. Die Gruppe füllt ihre Trinkflaschen auf. Es schmeckt angenehm mild.

Wanderung durch den Feenwald

Bald halten wir für einen Levada-Spaziergang in Ribeiro Frio. In einer fast 500-jährigen Geschichte wurden diese Kanäle erbaut und erstrecken sich über 2150 Kilometer auf der Insel. Die offen liegenden Bewässerungskanäle nehmen Quell- und Regenswasser auf und bringen es über unwegsames Gelände zu den besiedelten Gebieten. Die Gruppe wandert auf Naturpfaden durch einen Lorbeerwald, der zum Weltnaturerbe erklärt wurde. Er erinnert an einen Feenwald. Hier stehen knorrige Bäume mit Moos und Flechten bewachsen, die schon ein paar Jahrhunderte alt sind. Es geht an Farnen vorbei über eine verwunschene Brücke und schließlich durch eine Felsscharte. Ziel der etwa eineinhalbstündigen Wanderung ist der Aussichtspunkt "Balcões". Er gewährt einen beeindruckenden Blick auf das Tal Ribeira da Metade und das grün bewachsene Zentralgebirge. Man fühlt sich ein bisschen wie der König der Welt. Ein kleiner, mutiger Vogel mit grauem Gefieder hüpft direkt neben den Wanderen auf einer Infotafel hin und her. Ob die Besucher vielleicht etwas zu essen haben?

Die Autofahrt wird jetzt zu einem Abenteuer. Die Straßen sind "so kurvig und steil wie in einer Achterbahn", sagt Pedro. Als Mitfahrer wird man ordentlich durchgeschüttelt. "Welcome to the road to heaven", scherzt er und lenkt seinen Jeep gekonnt über die unbefestigten Straßen in einem Waldstück. Es duftet nach Eukalyptus. Pedro hält kurz und reißt für jeden ein Eukalyptus-Blatt ab. Wir sollen es in der Hand zusammendrücken. Schon tritt das Öl aus und ein angenehmer Duft strömt hervor. Pedro erzählt, dass Eukalyptus hier eine Plage ist, da er sich zu sehr ausbreitet.

In Santana an der Nordküste Madeiras kann man ein original Bauernhaus besuchen. Das kleine Häuschen aus Naturstein hat ein spitzes Strohdach, das fast bis zum Boden reicht, charmante, rot gestrichene Fensterläden und unzählige bunte Blumen im Vorgarten. Der Besitzer, ein älterer Herr, hat es sich derweil in seiner Gartenlaube gemütlich gemacht. Hier wächst verschiedenstes Gemüse und Pflanzen mit bunten Blüten.

Zur Stärkung bietet sich im Anschluss ein Halt im "Hotel Quinta Do Furão" an. Das Besondere: Die Terrasse des Restaurants befindet sich direkt an einer Steilküste und ermöglicht beim Speisen einen Blick auf die Klippen und das tiefblaue Meer.

Die Jeep-Tour endet am späten Nachmittag mit einer beeindruckenden Panoramasicht auf den Atlantik und vulkanischen Gesteinsformationen in Ponta de São Lourenço. Die östlichste Halbinsel Madeiras unterscheidet sich mit seiner kargen, rot-braunen Landschaft deutlich von den sonst immergrünen Regionen im Inneren Madeiras.

Definitiv auch einen Ausflug wert ist die kleine Siedlung Fajã dos Padres am Fuß der Steilklippe "Cabo Girão" - der zweithöchsten Steilklippe Europas. Abenteuerlich dabei: Die Bucht erreicht man über eine Seilbahn. Diese fährt direkt an der Klippe fast senkrecht nach unten. Wer Höhenangst hat, sollte besser nicht nach unten blicken. Nach etwa vier Minuten Fahrt und 250 Metern Höhenunterschied hat man dann wieder festen Boden unter den Füßen. Die Bucht wird wegen des milden Klimas für Obst- und Weinanbau genutzt. Man wandert einen Naturpfad entlang. Links und rechts wachsen Bananenstauden und Avocadobäume. Es ist herrlich ruhig, nur das Meer rauscht. In den Spalten kleiner Felsbrocken huschen Eidechsen eifrig hin und her. Dann stößt man auf das kleine Restaurant "Fajã dos Padres". Die Tische stehen auf den grauen Steinchen des Strands nur ein paar Meter vom Atlantik entfernt. Man isst unter Palmen zwischen der imposanten Klippe und dem Meer. Hier will man so schnell nicht mehr weg.

Reisetipps:

Unterkunft: Das "Tiles Madeira Hotel" in der Hauptstadt Funchal liegt nur ein paar Meter vom Gorgulho-Strand und wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt.

Die Reise wurde unterstützt von Visit Madeira.

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos