Portrait Autorin, Slammerin, Lehrerin: Das ist Maron Fuchs

Slammen, schreiben, lehren: Maron Fuchs hat viele Talente. Foto: Andreas Bühner

Wenn sie mit ihren emotionalen Texten als Slampoetin auf der Bühne steht, entfacht Maron Fuchs aus Weiden feurigen Applaus. Doch die Bühne ist nicht alles, wofür die Feature-Slammerin des diesjährigen Freischnauze-Slams brennt.

20 Minuten vor dem Auftritt ist Maron Fuchs so müde, dass sie einschläft. Sie liegt zusammengerollt auf der Bank in einer kleinen Kneipe in Landshut und nicht einmal die Musik, die aus dem Lautsprecher nebenan dröhnt, kann sie aufwecken. Für die Offene Bühne hier ist sie zwei Stunden gefahren, am Nachmittag hat sie einen Workshop gehalten. Und die Tage zuvor hatte sie genug Auftritte. Jetzt möchte sie eigentlich nur noch in ihre Wohnung und ins Bett.

20 Minuten später ist davon nichts mehr zu spüren. Wie ein Tornado steht Maron auf der Bühne und nimmt das Publikum mit ihren Texten gefangen. Quirlig, schräg, emotional. Während Maron ihre Geschichten und Gedichte vorträgt, hängt das Publikum an ihren Lippen. Die Texte: lyrisch, persönlich, politisch. Am Ende wollen die Zuschauer sie nicht von der Bühne lassen.

Der Funke Hoffnung, der am Ende durchscheint

Zum Poetry Slam gekommen ist Maron mehr durch Zufall. Sie war 19 und ein Kommilitone, der schon länger in der Szene aktiv war, nahm sie mit auf einen Slam. Jetzt braucht sie schon lange keinen mehr, der sie auf die Bühne schubst. Das Publikum liebt ihre Texte, die sich so anfühlen, als ob sie in jeden einen kleinen Teil von sich selbst hineingeschrieben hat. Wichtig für Maron: der Funke Hoffnung, der am Ende durchscheint – auch, wenn der Text noch so politisch und düster ist. „Am wichtigsten ist mir, dass das Publikum eine Emotion zu spüren bekommt“, sagt sie. Das tut es, immer und immer wieder.

Eine andere Seite von sich zeigt Maron Fuchs in ihren Romanen. Bücher schreibt sie eigentlich schon länger, als sie Poetry Slam macht. Es war 2009. Maron ging zur Schule und war begeistert vom Mangazeichnen, als sich eine Welt in ihren Kopf schlich, die da so schnell nicht mehr herauswollte. Fioria hieß diese Welt und Maron wollte nichts sehnlicher, als Geschichten darin zu erzählen. Leider verletzte sie sich dann die Hand so sehr, dass sie seitdem nicht mehr richtig zeichnen und mit der Hand schreiben kann. Also griff sie zum Laptop und fing mit 13 Jahren an zu schreiben. Zunächst natürlich die Geschichte über Fioria und dann … „konnte ich nicht mehr aufhören“, sagt Maron. Eine Lehrerin bekam ein paar Geschichten davon zu lesen und spornte ihre Schülerin an, weiterzumachen, sich vielleicht sogar bei einem Verlag zu bewerben. Maron machte das. 2014 erschien ihr erstes Buch, allerdings nicht über Fioria.

Kamillensommer ist die Geschichte von Jasmin, die sich nach einem Umzug in einer neuen Schule und neuen Umgebung zurechtfinden muss. Drei weitere Romane folgen, bevor Fioria den großen Auftritt hat. Die Fantasy-Trilogie um die Heldin Mia, die die Fantasywelt entdeckt, unterscheidet sich von dem, was Maron beim Poetry Slam präsentiert. Und das ist gut so, findet Maron. Schreiben ermöglicht ihr, eine Welt im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Ein Slamtext pflanzt dem Publikum eine Idee in den Kopf.

Auf einer anderen Bühne steht Maron, wenn sie für einen Workshop unterwegs ist. Dann wird aus der Slammerin ein Coach. In Schulen und an der VHS gibt sie Seminare zum Schreiben und Slammen und erzählt dort, wie ihre Leidenschaften ihr Leben beeinflussen. Wer diese Workshops besucht, weiß auch, was Maron machen will, wenn sie mit dem Studium fertig ist.

Die Energie und der Applaus strahlen auf sie zurück

Eine Karriere als Berufsautorin oder -slammerin hat sie nämlich nicht geplant. Sie studiert an der Uni Bamberg Lehramt. Ihre Fächer: Latein und katholische Religion. Lehrerin wollte sie schon immer werden. Das viele Herumfahren, auf Bühnen stehen, Workshops geben – ohne diese Dinge könnte sie sich ihr Leben nicht mehr vorstellen. Trotzdem ist Maron sogar froh, sich nicht für Poetry Slam als Vollzeitjob entschieden zu haben.„Jetzt gerade mache ich das, weil ich es machen will“, sagt sie. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich es noch wollen würde, wenn ich es auf einmal machen muss.“

Kurz nach 23 Uhr ist die Offene Bühne vorbei und Maron auf dem Weg zum Auto. Vor ein paar Stunden noch todmüde, pulsiert sie jetzt vor Energie. Das ist es auch, was sie von ihren Auftritten mitnimmt. Die Energie der Zuschauer, die auf sie zurückstrahlen. Und sie lassen sie bald wieder ins Auto oder den Zug steigen und fahren, egal ob in die Nachbarstadt oder durch Deutschland. Der nächste Slam, die nächste Lesung – sie kommen bestimmt.

Info: Maron Fuchs tritt als Gast beim Poetry Slam "Freischnauze" in Straubing auf. Dieser findet am Samstag, 24. November, statt. Ausführliche Infos zu dem Dichterwettstreit gibt's hier.

Steckbrief

Name: Maron Fuchs

Alter: 23 Jahre

Ich komme aus ... Weiden in der Oberpfalz.

Ich wohne und studiere in ... Bamberg.

Wenn ich groß bin, dann werde ich ... Lehrerin.

Auf der Bühne stehen, bedeutet ... „einen Schritt aus der Komfortzone raus ins Rampenlicht zu machen und dadurch – hoffentlich – den Menschen mit meinen Texten etwas mitzugeben. Und es bedeutet einfach Aufregung, Spaß und Leidenschaft!“

Vor einem Workshop denke ich ... „hoffentlich lassen sich die Leute darauf ein und haben richtig Bock, mal was Neues auszuprobieren. Hoffentlich trauen sie sich (zu), ihre eigenen Gedanken niederzuschreiben und zu teilen.“

Wenn ich nicht slamme, schreibe oder studiere ... „bin ich bei meiner Familie, meinem Freund, meinen Freunden oder im Schwimmbad und ziehe meine Bahnen. Oder ich lese. Oder ich sitze am Laptop – Mails, Netflix, YouTube.“

Meine Texte sollen ... „erstmal meine Gedanken schriftlich festhalten. Und dann, wenn ich sie bühnentauglich finde, auch andere Leute ansprechen und erreichen.“

 
 

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