Polizei Was passiert, wenn man 110 wählt? Wir haben nachgefragt

Das ist Theresas Arbeitsplatz in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing. Damit sie die Hände frei hat, ist ihr Headset direkt mit dem Telefon verbunden, an dem die Notrufe eingehen. So kann sie gleichzeitig den Einsatz am Computer anlegen. Aus Datenschutzgründen sieht man auf dem Foto nur den Bildschirmhintergrund. Foto: Susanne Pritscher

Die 23-jährige Polizeiobermeisterin Theresa Wendt arbeitet seit zwei Jahren in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing. Mit uns hat sie über kuriose Anrufe und ihre Arbeit am Notruf gesprochen.

Unfälle, Schlägereien, ausgebüxte Tiere: Was Anrufer über die Notrufnummer 110 melden, ist sehr verschieden. „Egal, wie akut die Situation ist, jeder Anrufer wird ernst genommen“, sagt Theresa Wendt. Die Polizeiobermeisterin sitzt mit zwei Kolleginnen am Eingang der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing und ist für die eingehenden Notrufe zuständig.

Während sie arbeitet, läuft der Funk leise rauschend an ihrem Arbeitsplatz mit. Die drei Monitore vor ihr geben der 23-Jährigen einen Überblick über die Einsätze, die gerade in Niederbayern stattfinden. Die Arbeitsplätze am Notruf haben zudem spezielle Funktionen. So kommen beispielsweise an einem alle Warnungen von Alarmanlagen an, die bei der niederbayerischen Polizei registriert sind.

Durchschnittlich 390 Notrufe täglich

Von Passau über Landshut bis Kelheim – Notrufe werden für ganz Niederbayern zentral in der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Niederbayern in Straubing gesteuert. Pro Tag waren das 2017 im Durchschnitt 390. Nicht jedem Anrufer ist klar, dass er nicht bei der örtlichen Polizeidienststelle, sondern beim Polizeipräsidium landet. „Es passiert öfter, dass wir Anrufern erklären müssen, dass wir nicht wissen, wo sie sich aufhalten, wenn sie nur den Straßennamen nennen“, sagt Theresa. Wichtig sei, dass der Anrufer seine Umgebung beschreiben könne.

„Heute ist ein ruhiger Tag“, sagt sie. Ruhig, das heißt für die Polizeibeamten aber nicht, dass das Telefon stillsteht – nur dass nicht übermäßig viele oder schwere Einsätze laufen.

Es klingelt an Theresas Telefon. Ein Pony ist ausgebüxt und läuft in der Nähe einer viel befahrenen Straße herum, meldet eine aufgeregte Anruferin. „Wir schicken gleich eine Streife hin. Können Sie auf die Kollegen warten?“, fragt Theresa mit ruhiger, aber bestimmter Stimme.

Sie telefoniert über ein Headset, so kann sie nebenbei den Einsatz im Computersystem der Polizei eintragen. Nach den ersten Informationen am Telefon entscheiden Theresa und ihre Kollegen, ob es sich um einen reinen Polizeieinsatz handelt oder ob sie den Fall an die Feuerwehr oder den Rettungsdienst weitergeben müssen. „Das passiert aber eigentlich gleichzeitig. Ich lege den Einsatz an und die Kollegen von der Polizeidienststelle und unsere Funker können ihn sofort sehen, während ich mich weiter ums Gespräch kümmere“, sagt die Polizeiobermeisterin.

Wichtig in der Einsatzzentrale: die Gesprächsführung

Nach Ende des Notrufs übernehmen die Funker die Organisation des Einsatzes. Sie rufen bei Bedarf den Anrufer zurück, um Unklarheiten zu beseitigen. Außerdem setzen sie sich mit der Polizeidienststelle vor Ort in Verbindung, um zu planen, wie viele Streifen benötigt werden. Oft versuchen ihre Kollegen am Notruf, die wichtigsten Infos zu erfahren. „Wir müssen wissen, ob eine Gefahr für die in der Streife besteht, weil etwa einer eine Waffe dabei hat“, sagt die Polizeibeamtin.

Eine zusätzliche Ausbildung brauche man für die Arbeit am Notruf nicht. „Man macht ganz normal die Polizeiausbildung und wenn man in die Einsatzzentrale kommt, gibt es eine sechswöchige Einweisung und Fortbildungen“, erklärt Theresa. Auf die Gesprächsführung werde man schon in der Ausbildung geschult – auch für Streifenpolizisten ist das wichtig.

Es klingelt wieder. Ein älterer Herr. „Ich hab ’ne eingeklemmte Katze gefunden“, brummt er. „Die hat sich vermutlich das Bein gebrochen.“ – „Wo haben Sie sie denn gefunden? Können Sie sie befreien?“, fragt Theresa. Sie öffnet ein neues Fenster am Computer und tippt die Infos ein. „Ja, also befreien kann ich sie schon, nur was tu’ ich dann mit ihr?“, fragt der Mann. „Ich kann sie ja nicht einfach liegen lassen.“ Die Polizeibeamtin redet ihm gut zu, er solle die Katze doch zum Tierarzt bringen. Da der Mann das nicht will, verspricht sie ihm am Ende doch, dass sie sich um die Katze kümmern wird.

Jeder Notruf wird aufgezeichnet und für 90 Tage gespeichert. „Das ist so eine Art Rückversicherung. Das passiert zum Beispiel, wenn ein Zeuge den Täter beschreibt. Dann kann man den aufgezeichneten Notruf als Beweismittel verwenden.“

Manchmal gibt es auch kuriose Anrufe

Nicht immer geht es am Notruf ernst zu. „Heute hat ein 14-Jähriger aus Leipzig angerufen, der gerade hier in der Region in einem Schulcamp ist“, erzählt Theresa. Dieser habe sich über die schlechte Unterkunft beklagt, die er von seinem Lehrer zugeteilt bekommen hat. „Er möchte dort nicht bleiben. Ob wir ihm da helfen können.“ Eine Kollegin habe versucht, ihn zu beruhigen und gefragt, ob sie mit einem der Lehrer sprechen könne. „Da hat er gemeint, die seien in einer Besprechung und hat einfach aufgelegt.“

Generell werde meist wegen Unfällen, Ruhestörungen und am Wochenende wegen Schlägereien angerufen. Auch Notrufe, die eigentlich keine sind, werden nicht abgelehnt. „Wir versuchen, trotzdem weiterzuhelfen“, sagt Theresa. Telefonstreiche am Notruf findet die Polizei hingegen gar nicht lustig. „Das kann zu einer Anzeige führen.“

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