Unfallflucht in Landshut Irene Lang (70) wurde angefahren und liegengelassen

Irene Lang (rechts) und ihre Tochter Nadja Gretz. Vor dem Unfall passte Lang oft auf den Sohn ihrer Tochter auf und ging mit ihm gern in den Hofgarten. Einen Ausflug, auf den ihr Enkelsohn die nächsten Monate wohl verzichten muss. Foto: Nadja Gretz

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Nadja Gretz kann es noch immer nicht fassen: Im September wurde ihre 70-jährige Mutter in Landshut von einem Autofahrer vom Fahrrad heruntergefahren und dabei schwer verletzt. Lange tappte die Polizei auf der Suche nach dem Täter, der Fahrerflucht begangen hatte, im Dunkeln. Doch die Beamten sind fündig geworden. Redakteurin Lisa Marie Wimmer wollte mit ihrem Bericht dem Unfallopfer und ihrer Familie eine Stimme geben.

Drei Fragen an die Autorin

Warum hast du diese Geschichte geschrieben?

Wenn man einem Opfer und seiner Familie einer so tragischen Geschichte ein Gesicht und eine Stimme gibt, zeigt das noch viel deutlicher, wie schlimm solch eine Unfallflucht ist. Man liest nicht so einfach drüber. Es ist nicht mehr anonym. Besonders schön fand ich auch, wie glücklich und dankbar Mutter und Tochter waren. Beispielsweise über die Arbeit der Polizei oder die Ersthelferin am Unfallort.

Wie bist du bei der Recherche vorgegangen?

Nadja Gretz, die Tochter der angefahrenen Irene Lang, war in den Sozialen Medien sehr aktiv auf der Suche nach der Person, die ihre Mutter angefahren hat. So kam der Kontakt zustande. Alles weitere hat sich in den folgenden Telefongesprächen ergeben.

Welche Rückmeldungen hast du auf die Geschichte erhalten?

Irene Lang und Nadja Gretz waren glücklich mit dem Artikel. Das war in dem Fall für mich die Hauptsache. Es ist nicht selbstverständlich, dass man über so ein sensibles Thema so offen spricht.

Nadja Gretz erfuhr erst Stunden später von ihrem Onkel am Telefon, dass ihre Mutter Irene Lang in einen schrecklichen Unfall verwickelt war und nun schwer verletzt im Krankenhaus lag. Für die Landshuterin, die schon ihren Vater bei einem Verkehrsunfall verloren hatte, ein Schock. Vor allem aber die Umstände des Unfalls machen Gretz noch heute sprachlos.

Ersthelferin war Lebensretterin

Am 25. September, kurz vor Mittag, war ihre Mutter Irene Lang (70) mit dem Fahrrad unterwegs in die Stadt. Sie fuhr gerade auf der Veldener Straße, als sie von einem VW Golf überholt und erfasst wurde. Der Fahrer des Golfs fuhr ohne anzuhalten weiter. Irene Lang blieb schwer verletzt am Unfallort zurück.

Bis heute befindet sich die 70-jährige Landshuterin im Krankenhaus. Sie hat noch immer eine Gehirnblutung, eine Schädelfraktur und einen gebrochenen Fuß. Und Nadja Gretz ist sich sicher: "Wäre die Ersthelferin nicht gewesen, wäre meine Mutter vielleicht gestorben." Denn wie Gretz im Nachgang erfahren hat, muss es sich bei der Ersthelferin um eine Ärztin gehandelt haben. Aus Datenschutzgründen konnten Mutter und Tochter nicht erfahren, wer genau die Ersthelferin war. Trotzdem wollen sie sich auf diesem Weg ganz herzlich bei ihr bedanken.

Denn während die Ersthelferin womöglich das Leben von Irene Lang rettete, machte sich der Unfallverursacher aus dem Staub. "Das ist wirklich schrecklich", sagt Gretz. "Da fehlen einem einfach nur die Worte. Meine Mutter wurde am helllichten Tag von einem Auto angefahren und der Verursacher hat sie einfach auf der Straße liegengelassen."

Auf der Suche nach dem Täter und Zeugen postete Nadja Gretz immer wieder auf eigene Faust Aufrufe in den sozialen Medien. Leider ohne Erkenntnisse. Dafür war aber die Polizei bei ihrer Suche nach dem Täter erfolgreich.

Ein 69-Jähriger soll das Unfallauto gefahren haben

In akribischer Kleinarbeit, wie Pressesprecher Patrick Baumgartner sagt, hatten sich die Fluchtfahnder der Polizei auf die Suche nach dem VW Golf gemacht und Hinweise von Zeugen ausgewertet. Baumgartner vergleicht es mit einem Mosaikbild, das die Fahnder in den letzten Wochen zusammengestellt haben.

"Die Kollegen haben dann diverse VW Golf abgeklappert", so der Polizeipressesprecher. "Aber es hat sich rentiert." Denn inzwischen hat die Polizei den Halter des Unfall-Golfs gefunden. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen 69-jährigen Mann aus dem Landkreis. Ihn erwartet laut Polizei nun eine Anzeige wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort und fahrlässiger Körperverletzung.

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