Ein Jamaika-Bündnis unter einem Bundeskanzler Markus Söder? Professor Heinrich Oberreuter hält das nicht für ausgeschlossen. Wir sprachen mit dem Politikwissenschaftler über die Berliner Ziele der CSU und ihres Vorsitzenden. Oberreuter ist Direktor des Instituts für Journalistenausbildung in Passau. Zuvor lehrte er als Professor an der Universität Passau und war von 1993 bis 2011 Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing.

Herr Professor Oberreuter, CSU-Chef Markus Söder gibt sich als guter Verlierer der Bundestagswahl und scheint Ex-Kanzlerkandidat Armin Laschet vor sich herzutreiben. Erkennen Sie ein Ziel dieser Strategie?

Oberreuter: Die Strategie ist, die Handlungs- und Konkurrenzfähigkeit der Union herzustellen und dabei ins Spiel zu bringen, dass die CSU trotz ihrer Verluste in einer besseren Position ist, weil sie kaum Mandate verloren hat. Für Söder ist völlig klar, dass es nicht um die Reputation und den Interessensschutz von Laschet geht, sondern um die Politikfähigkeit des Unionslagers. Das Unterziel - psychologisch vielleicht das Oberziel - ist dabei, die eigene Handlungsfähigkeit und Gestaltungsfähigkeit zum Ausdruck zu bringen und sie vielleicht auch politisch an sich zu ziehen.

Was halten Sie von Gerüchten, dass im Hintergrund an einer Jamaika-Koalition mit Kanzler Söder gezimmert wird?