Politik Paula Schießl war Praktikantin im Bundestag

Paula war Praktikantin des Bundestagsabgeordneten Erhard Grundl. Foto: privat

Von einer Sitzung zur nächsten: Fünf Tage lang konnte Paula Schießl (16) aus Straubing den Politiker Erhard Grundl (B90/Die Grünen) bei einer Sitzungswoche des Deutschen Bundestags begleiten. Als Praktikantin erhielt sie dabei tiefe Einblicke. Drei lustige Erlebnisse hat sie festgehalten.

Das Labyrinth des Adlers

Ganz ohne Schnur, aber dafür unvermeidlich mit Google Maps, wurde ich im Regierungsviertel von A nach B geschickt. Mein anfänglicher Irrglaube, die Arbeit eines Abgeordneten werde nur im Bundestagsgebäude selbst verrichtet, wurde sehr bald zunichtegemacht. Lustigerweise wird dort neben den Plenar- und Fraktionssitzungen vor allem viel gegessen. Dazu gibt es dank jeder Menge Kantinen genug Gelegenheit. Tatsächlich wird überwiegend in den Büros an Projekten des jeweiligen Politikers gearbeitet. Von dort aus irrte ich ins Paul-Löbe-Haus zum Arbeitskreis und ins Jakob-Kaiser-Haus, um Plenumskarten abzuholen. Da die Parlamentsgebäude riesig und dadurch nicht zu übersehen sind, war es ein Leichtes, hinzufinden und, dank meines Praktikantenausweises, zu passieren. Mit eben diesem fühlt man sich furchtbar wichtig, obgleich auch manchmal fehl am Platz mit Ringelshirt und abgelaufenen Schuhen zwischen lauter „gschaftigen“ Anzugträgern. Von innen wirken die Gebäude wie Raumstationen aus einem Science-Fiction-Film, gigantisch groß und futuristisch. Als größere Schwierigkeit erwies es sich jedoch, wieder heraus zu finden. Der Eingang ist nämlich nicht gleichzeitig Ausgang, weshalb ich geschlagene zehn Minuten die Tür nach draußen suchte und mich dann aber in einer ganz anderen Straße, gefühlt am anderen Ende Berlins, wiederfand.

Also an alle angehenden Politiker: Ein guter Orientierungssinn ist Grundvoraussetzung!

Per Zufall bei den Elefanten

Fest überzeugt, im Besitz der richtigen Plenumskarte zu sein, ging ich morgens in den Bundestag hoch zur Besucherebene. Nachdem ich Tasche, Handy, Jacke, … abgeben musste, wurde ich auf die Verhaltensregeln aufmerksam gemacht. Dann gab ich meine „Eintrittskarte“ ab und wurde noch darauf hingewiesen, ich dürfe ja nicht zu spät die Tribüne verlassen. Alles total streng. Bei all diesen aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen fiel aber niemandem auf, dass die Karte erst für den Tag darauf gültig war. Glück für mich, denn so bekam ich die einmalige Chance bei der sogenannten „Elefantenrunde“ anwesend zu sein, bei Reden sämtlicher politischer Größen, wie unter anderem Angela Merkel, Andrea Nahles, Anton Hofreiter und Christian Lindner.

Also an die Security: Danke fürs Schludern!

Gegen das Spießertum

Schon beim Frühstücken im Bundestagsrestaurant hab’ ich es gemerkt. Es ist nicht überall so locker und entspannt. Erhard Grundl im Bob-Dylan-T-Shirt und Weste und ich, auch „normal“ angezogen, sitzen nahe eines „feinen Politikers“ und dessen geschniegelten Praktikanten im Anzug und hören ihnen bei einem sehr gesitteten Gespräch zu. Die Tischmanieren sind „magnifique“. Höflich wird über die Witze des anderen geschmunzelt. Aber mir kann keiner erzählen, dass der Praktikant, etwa mein Alter, Spaß hatte. Andererseits wollen sie das wahrscheinlich auch gar nicht. Dergleichen sind es wohl, die in Erhard Grundls neuer Petition als „Konservative Biedermänner“ bezeichnet werden. Bei einer Tagung in der belgischen Hauptstadt war die Petition, die sogenannte „Brüsseler Erklärung“ entstand. Ich war dabei, als im Abgeordnetenbüro an einem Video dazu gearbeitet wurde, das den Inhalt der Erklärung zusammenfasst. „Für die Freiheit der Kunst“ ist der Einstiegssatz und beschreibt im Grunde schon genau die Intention: Es geht kritisch darum, wie die neuen Regierungen in Polen oder Österreich Einfluss auf die Kulturpolitik in ihren Ländern nehmen. Erstunterzeichner sind unter anderem Hape Kerkeling oder Annalena Baerbock. Sie stimmen Erhards Aussagen wie „Politik soll Kunst nicht beurteilen oder versuchen, sie zu instrumentalisieren“ oder „Kunst ist frei, sie muss nicht gefallen und darf nicht dienen“ zu. Bis heute haben im Internet über 50 000 Menschen die Brüsseler Erklärung unterschrieben.

Also an alle Spießer: Duldet die Vielfalt, auch wenn sie euch stört!
 

 
 

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