Polen Wandern und radeln im Land der Góralen

Wolken türmen sich am Horizont über den Karpaten. Foto: Ulrike Kühne

Die Männer am Ufer des Dunajec-Flusses vertäuen fünf Holzkästen zu einem Floß. Hinter ihnen ragen die "Trzy Conroy" (drei Kronen) - das Wahrzeichen des Pieniny-Gebirges im Süden Polens.

Das Holz knarzt unter den Füßen der Touristen, die das Floß besteigen. Rafa und Andrzej stoßen das Gefährt mit ihren Stangen in die Wellen. Sie sind Góralen, ein altes Bergvolk der polnisch-slowakischen Grenzregion, zu erkennen an den bestickten Westen und mit Muscheln bekränzten Hüten. Ihre Vorfahren flößten Stämme aus den Bergwäldern bis nach Danzig zum Meer - und brachten von dort die Muscheln für den Kopfschmuck mit.

Rafa und Andrzej schaukeln beide seit mehr als 30 Jahren Touristen den Dunajec hinunter. Wie viele Gäste gehen wohl unfreiwillig über Bord? "Das kommt darauf an, wie höflich die Touristen sind," sagt Rafa grinsend. "Wenn sie sich nicht benehmen..." Er sagt das auf Polnisch. Agnieszka, Bergführerin der Region, übersetzt auf Englisch. Wer nur Deutsch spricht, hat es schwer, sich in Polen zu verständigen.

Ein schroffer Bruder des Bayerischen Waldes

Der Pieniny-Nationalpark könnte ein schrofferer Bruder des Bayerischen Waldes sein. Eine bunte Mischung aus Nadel- und Laubbäumen leuchtet im Oktober in den Wäldern. Der Herbst ist die beste Zeit, hier Aktivurlaub zu machen. Denn da es in Polen kaum Berge gibt, strömen die einheimischen Urlauber im Juli und August in Scharen herbei. 240 Flöße fahren in der Hauptsaison, gesteuert von 480 Flößern. Touristen können außerdem Kajaks und Kanus mieten. Es wird voll auf dem Wasser, auf den Wander- und Radwegen der Region.

Vom Kurort Szczawnica (sprich Schtawniza) aus startet eine schöne Radrundtour, die nach einer ordentlichen Steigung am slowakischen Ufer des Dunajec entlang führt. Räder kann man für sieben Euro am Tag leihen - und dann die ersten sieben Kilometer lang bitter bereuen, nicht etwas tiefer in die Tasche gegriffen zu haben für ein E-Bike.

Als Belohnung reißt am höchsten Punkt der Tour der Nebel auf und gibt den Blick frei auf den Fluss, das Rote Kloster im Tal, die Karpaten am Horizont und eine Schafherde, die unter fröhlichem Glöckchengebimmel den Nachbarhügel abgrast. Am Weg stehen vereinzelt noch die traditionellen, aus ganzen Stämmen und Holzwolle gefertigten Häuschen der Bergbewohner. Habichte fliegen von Zaunpfosten auf. Wölfe, Luchse und Bären, die es in der Region auch gibt, lassen sich diesmal nicht blicken. Zu viele Touristen?

Eine ganze Schulklasse drängt sich im "Roten Kloster", direkt neben dem Radweg, in den Souvenir-Laden. Wie an den meisten Souvenir-Ständen der Gegend gibt es vor allem geschnitzte Kleinode aus Holz und T-Shirts, Tücher, Hüte und Ketten mit bunten Góralen-Motiven. Verkaufsschlager in den Touristenorten der Region ist der "Oscyoek", geräucherter und gesalzener Hartkäse aus Schafsmilch, der in geschnitzten Formen zu kleinen Kunstwerken gepresst wird.

Mehr zu den kulinarischen und kulturellen Genüssen Polens lesen Sie im zweiten Teil unserer Geschichte.

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