Bei ihrem neunten Auftritt als Slammerin stand sie auf der Bühne der bayerischen Meisterschaft – und entschied den modernen Dichterwettstreit für sich. Am 5. Dezember 2015 wird sie beim Poetry Slam „Freischnauze“ vom Jugendzentrum Straubing und der Jugendredaktion Freistunde im Anstatt-Theater im Alten Schlachthof auftreten. Außerdem sitzt sie in der Jury und bewertet die Straubinger Poeten, die zum Wortduell antreten. Wie die 18-jährige Eva Niedermeier aus Bad Aibling zum Slammen gekommen ist und von was ihre Texte handeln, erzählt sie im Interview.

Eva, wie bist du zum Poetry Slam gekommen?

Eva Niedermeier: Ich schreibe selbst auch Lieder. Zu vielen Songtexten ist mir oft keine Melodie eingefallen. Da dachte ich mir, ich spreche die Texte mal laut, um vielleicht eine passende Melodie zu finden. Irgendwie klang das dann nach einem Slam-Text. Poetry Slam kannte ich da schon von Youtube-Videos. Ich wollte es mal ausprobieren. Also bin ich für meinen ersten Auftritt einfach zum Isar-Slam nach München gefahren und habe mich dort in die offene Liste eingetragen. Das war Ende Januar.

Beim ersten Mal auf die offene Liste? Mutig!

Danke! Ich war sehr aufgeregt. Der Isar-Slam ist ein sehr großer und professioneller Poetry Slam, bei dem bekannte Poeten wie zum Beispiel Alex Burkhard auftreten. Rund 200 Zuschauer haben meinen Auftritt gesehen. Obwohl es mein erster war, habe ich eine gute Punktzahl bekommen.

Mit welchem Text bist du dort angetreten?

Er heißt „Immerhin dabei“ und ist gesellschaftskritisch. Ich schreibe über das Bild der Frau, das oft in den Medien gezeigt wird, und kritisiere die damit verbundene Oberflächlichkeit. Ich schreibe gerne über gesellschaftskritische Themen.

Schon einige Zeit später – im Mai 2015 – hast du die bayerische Meisterschaft gewonnen.

Das war mein neunter Auftritt. Ich war einmal beim Münchner „Bless the Mic“-Slam und wurde dort für die Meisterschaft nominiert. Vor Ort war ich echt mega aufgeregt. Das war komplett neu für mich. Ich bin gegen Leute angetreten, die teilweise sogar schon touren. Mit dem Sieg habe ich überhaupt nicht gerechnet. Im Finale hatte ich einen sehr späten Startplatz und ich dachte mir bei jedem vor mir, dass ich eh keine Chance habe. Alle haben etwas Lustiges vorgetragen, ich etwas Emotionales – eine erfundene Geschichte über eine Enkelin und ihren demenzkranken Opa. Der ist bereits gestorben und sie erinnert sich an ihn. Am Ende wollten die Zuschauer wohl eher etwas Trauriges hören.

Was inspiriert dich denn beim Schreiben?

Vor allem meine Umgebung, also Freunde und Familie und deren Geschichten. Manchmal denke ich mir, dass sich die Themen, die ich da finde, gut in Texten verarbeiten lassen. Außerdem höre ich beim Schreiben immer viel Musik. Das hilft. Aber das ist dann keine deutschsprachige Musik, sondern Musik ohne Gesang, sonst würde es mich ablenken.