Pösing Enttäuscht und aufgebracht

Hintergründe zur Schließung schildert Bürgermeister Edmund Roider (vorne Mitte) den Pösinger Bürgern auf einem Privatgrundstück in Sichtweite zur Bank. Foto: jh

Rund 50 Bürger haben sich am Freitag auf einem Privatgrundstück gegenüber der Raiffeisenfiliale in Pösing getroffen. Offiziell deklariert als Diskussionsrunde, war es doch ein Ausdruck des Protests gegen die Schließung der Bank.

"Raiffeisen lässt die Dörfer im Stich" und "Der Gründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen würde sich im Grab umdrehen" stand auf einem Schild zu lesen. Bürgermeister Edmund Roider wiederholte noch einmal die Argumente der Bankführung, die zu einer Schließung der Pösinger Filiale geführt haben. Ein hoher Investitionsrückstau - nach Roiders Worten hausgemacht - und niedrige Kundenfrequenz seien wesentliche Punkte. Dass Firmen in Roding ihre Geschäfte abwickelten, kam der dortigen Bilanz zugute und ließ das Volumen in Pösing fehlen. Sicherlich sei Homebanking nicht mehr aufzuhalten, doch das machten die Jungen, nicht die Älteren. In Pösing seien allein 180 Bürger älter als 65 Jahre. "Es geht bloß noch um Gewinnmaximierung", bedauerte das Gemeindeoberhaupt. Von der ursprünglichen Raiffeisen-Idee sei nicht mehr viel übrig geblieben. Auch auf die Quote derjenigen, die sich am Bankautomaten bedienen, verweist die Raiffeisenführung in ihrer Argumentation: Immerhin 78 Prozent der Pösinger sind das, obwohl Pösing selbst nicht einmal über einen Automaten verfügt.

Die Schließung sei nach Roiders Worten umso schmerzhafter, da manche Familien schon 100 Jahre Kunden der Raiffeisenbank sind, welche seit 113 Jahren in Pösing besteht.

Bleibe die Frage: Inwieweit versuche der Bank, diesen Verlust zu mildern? Das Gemeindeoberhaupt nannte als Alternativen Hausbesuche bei älteren, nicht so mobilen Bürgern, eventuelle Sprechstunden im Bürgerbüro oder einen Bankbus, wie er in der nördlichen Oberpfalz unterwegs ist.

Seit 1993 sei die Sparkasse weg, heuer, 2017, folge die Raiffeisenbank. Mit diesem Zweigstellensterben werde ein Stück vom Dorfleben genommen. "Da müssen wir wohl in den sauren Apfel beißen", lautete Edmund Roiders abschließendes Fazit.

Vonseiten der Bank hatte sich entgegen einer ursprünglichen Ankündigung niemand eingefunden, weshalb sich die Begegnung nach einem kurzen Austausch von Unmutsäußerungen auflöste.

 
 
 

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