Plötzensee/Berlin Gefangene fliehen mit Hammer und Flex in die Freiheit

Durch dieses Loch sind die Ausbrecher geflohen. Foto: Paul Zinken, dpa

In drei Minuten waren sie draußen: Mit Hilfe eines schweren Hammers und eines Trennschleifers sind vier Häftlinge aus dem Gefängnis Berlin-Plötzensee ausgebrochen. Nach Angaben von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) zerschlugen die Männer in einem Heizungsraum den Betonmittelpfosten einer 70 mal 30 Zentimeter großen Lüftungsöffnung in der Außenmauer. Dann zersägten sie die Stahlstreben unter dem Beton. Schließlich zwängten sie sich durch die Öffnung ins Freie und krochen unter dem Außenzaun der Haftanstalt in die Freiheit. Eine Großfahndung blieb zunächst ohne Erfolg.

Der spektakuläre Ausbruch begann um 8.49 und dauerte nur rund drei Minuten, wie Anstaltsleiter Uwe Meyer-Odewald erläuterte. Eine Kamera, die einen Eingang überwacht, filmte die Aktion demnach zufällig, weil das Bild auch die Lüftungsöffnung erfasst. Gleichwohl wurde erst gegen 9.30 Alarm ausgelöst: In der Alarmzentrale des Gefängnisses, in der Bildschirme die Aufnahmen von Dutzenden Kameras zeigen, bemerkte niemand den Coup des Quartetts.

Die Ausbrecher sind zwischen 27 und 38 Jahre alt und saßen wegen Straftaten wie Diebstahl, räuberischer Erpressung oder schwerer Körperverletzung seit diesem Jahr ein. Es handelt sich laut Justiz um zwei Deutsche sowie zwei Männer ungeklärter Nationalität. Drei von ihnen sollten 2018 entlassen werden, der erste schon im März. Der vierte Mann hatte eine Haftstrafe bis Oktober 2020 zu verbüßen.

Am Morgen vor dem Ausbruch arbeiteten die Männer gemeinsam mit einem Dutzend weiteren Gefangenen in einer Autowerkstatt, die auf dem Gefängnisgelände liegt und an den Heizungsraum grenzt. Dort gelangten sie auch an die Werkzeuge. Wie sie in den laut Anstaltsleitung üblicherweise verschlossenen Heizungsraum kamen, war unklar. Die Tür hat ein Sicherheitsschloss, das wohl aufgeschlossen wurde.

In der Werkstatt dürfen laut Anstaltsleitung nur Gefangene arbeiten, die vorher in einem Sicherheitscheck überprüft wurden. Zur Zeit des Ausbruchs wurden sie von drei Bediensteten überwacht, die nach den Worten von Anstaltsleiter Meyer-Odewald in den "verwinkelten Räumen" jedoch nicht alle Häftlinge gleichzeitig im Blick haben können.

Senator Behrendt kündigte eine Überprüfung aller Sicherheitsmaßnahmen in der Vollzugsanstalt an. "Zudem werden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, bis alles aufgeklärt ist." Behrendt verwies darauf, dass es sich bei dem Gefängnis wie bei den meisten anderen in Berlin um sehr alte Bauten handele. "Sie würden so heute nicht mehr gebaut." Auch vor diesem Hintergrund laufe in allen Haftanstalten eine "Schwachstellenanalyse" externer Fachleute.

Berlin betreibt sechs Gefängnisse für Erwachsene mit etwa 4.250 Plätzen - von der höchsten Sicherheitsstufe bis zum offenen Vollzug. Der bis dato letzte Ausbruch zweier Gefangener erfolgte 2014 in der JVA Moabit. Die Anstalt Plötzensee mit 362 Insassen hat Behrendt zufolge eine mittlere Sicherheitsstufe. Es ist nicht das erste Mal, dass die Haftanstalt in die Schlagzeilen gerät. Erst im September hatte ein Gefangener dort eine Matratze in Brand gesteckt und damit einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst.

Die Berliner CDU gab dem rot-rot-grünen Berliner Senat die Schuld für den Ausbruch. Der Vorfall sei ein "Super-GAU" für Behrendt, der sich nun erklären müsse, sagte der CDU-Innenexperte Burkard Dregger. "In früheren Zeiten haben Justizsenatoren bei solchen Ereignissen ihr Amt zur Verfügung gestellt", fügte er hinzu. Behrendt sagte dazu: "Ich bin bereit, dem Parlament Rede und Antwort zu stehen."

 
 

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