Plattling Das Tauziehen um Zirkusbär Ben: Aktivisten demonstrieren in Plattling

Das Schicksal von Zirkusbär Ben hat ganz Deutschland bewegt. Am Samstag demonstrierten deshalb Tierschutz-Aktivisten in Plattling. Foto: lie

Das Drama um Zirkusbär Ben scheint kein Ende zu nehmen, denn das Tauziehen um das Tier, das am Montagvormittag von Polizei und Veterinäramt in Plattling beschlagnahmt wurde, ist weiterhin in vollem Gange. Am Samstag demonstrierte deshalb die Tierschutz-Organisation "Animals United" vor dem Zirkus Knie in Plattling.

Die Aktivisten setzen sich dafür ein, dass Ben seinem Besitzer endgültig weggenommen wird. Aber auch generell für ein Tierverbot in Zirkussen. Zu der Demonstration waren 50 Teilnehmer zugelassen. Sie mussten sich hinter der Bande zur Rennbahn aufhalten.

Deutschlands letzter Zirkusbär Ben war Anfang der Woche in die Schlagzeilen geraten. Am Montag hatten sich Hinweise ergeben, dass der Bär in einem engen Käfig nicht artgerecht gehalten wird. Beim Versuch seiner Befreiung wurde eine Tierschutz-Aktivistin vom Besitzer tätlich angegriffen, ins Gesicht geschlagen und auf den Boden geschleudert. Dem nicht genug, trat der Tierhalter auch noch mit den Füßen auf die am Boden liegende Frau ein. Anschließend stieg er in seinen Lastwagen, auf dessen Anhänger sich der Käfig samt Bär befand, durchbrach einen Zaun, machte auf einer Wiese kehrt und raste auf die Straße in Richtung stadteinwärts. Dabei nahm er zudem die Gefährdung von Passanten in Kauf. Trotz alledem gelang es Polizei und Veterinäramt, das Tier zu befreien und wegzubringen.

Ben ist derzeit in Bad Füssing

Ben befindet sich nun auf dem Gnadenhof für Bären in Bad Füssing, einem Projekt von der Gewerkschaft für Tiere. Laut seiner Tierpflegerin Nicole Oberländer geht es Ben den Umständen entsprechend gut. Er befinde sich zwar noch immer in seinem Transportkäfig, da er nichts anderes kenne und vor dem großen Stall Angst habe. Zusammen mit seinem Besitzer, der ihn fast täglich besuchen kommt, werde man versuchen, das Tier nach und nach aus dem Käfig zu locken, damit es in Kürze im Stall leben könne.

Wie Viktor Gebhart, Pressesprecher von "Animals United" erklärte, wolle man "friedlich ein Zeichen setzen und dem Zirkus anraten, den Bären abzugeben." Man müsse dem Besitzer ins Gewissen reden und ihm begreiflich machen, dass 20 Jahre „Gefangenschaft“ und Auftritte in der Manege samt Maulkorb für das Tier genug seien. Es müsse ja auch für den Besitzer ein schönes Gefühl sein, wenn er wisse, sein Bär würde in Freiheit aufblühen und glücklich sein. Mit Transparenten und Schriftzügen, wie „free Ben“, „Für Tierrechte, denn Mitleid ist zu wenig“ und „Kein Applaus für Tierquälerei“ versammelten sich die Demonstranten eine Stunde vor der Vorstellung. Mit den Schildern und ihrem lautstarken, wiederholten Sprachgesang „Zirkus ja, aber ohne Tier“ ermahnten sie die Zirkusbesucher, die sich mit ihren Kindern zur Kasse beim Eingang begaben. Man könne die Zeit mit seinen Lieben sinnvoller verbringen, tönte es durch das Megaphon, durch das Gebhart immer und immer wieder auf die Leute einredete.

Eindeutiger Appell an Bürgermeister Schmid

Mit einem Nicht-Besuch sollte man den Zirkus für sein Handeln abstrafen, betonte der Aktivist, der noch eins drauf legte und rief „mit Ihrem Eintrittsgeld zahlen Sie Tierquälerei, denn hinter den Vorstellungen steckt beinharte Dressur mit Peitschen und Ketten“! Selbst vor Kritik an der Politik schreckte Gebhart nicht zurück und behauptete, die Landtags-Grünen hätten die CSU von einem bundesweiten Wildtierverbot überzeugen wollen. Dies allerdings ohne Erfolg. Mit dem Wahlkreuz sollte die ignorante Partei abgestraft werden und wer nicht wählen gehe, der fördere diese tierschutzgegnerische Partei. In einem Appell an die Stadt Plattling forderte er Bürgermeister Erich Schmid (CSU) auf, er solle sofort ein Wildtierverbot in Zirkussen, die ein Gastspiel in Plattling geben, verhängen. Das Stadtoberhaupt hätte den Vertrag mit dem Zirkus Alberti-Knie kündigen müssen, denn Alberti-Knie sei kein schwarzes Schaf, sondern ein schwarzes Schaf unter lauter schwarzen Schafen, so Gebhart.

Die Vorstellungen um 15 bzw. um 17 Uhr wurden dennoch wie geplant abgehalten. Allerdings konnten die Aktivisten doch Positives verzeichnen, da einige Zirkusbesucher an der Kasse umdrehten und das Zirkusgelände wieder verließen. Die Beamten der Polizeiinspektion Plattling, die vor Ort waren, mussten nur einmal kurz einschreiten, da sich ein Demonstrant zu Passanten begab, die den Zirkus besuchten. Dabei wollte er ihnen ins Gewissen reden, was bei der Veranstaltung jedoch verboten war.

 
 

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