Pilotprojekt in Ostbayern Wie eine sichere Schulöffnung aussehen könnte

In den Grenzlandkreisen können derzeit nicht alle Schüler in den Präsenzunterricht kommen (Symbolbild). Foto: Gregor Fischer/dpa

„Kinder müssen in die Schule!“ So lautet das Fazit von Julia Stern, Vorsitzende des Kinderschutzbunds Passau. In vielen bayerischen Landkreisen steigen jedoch die Corona-Inzidenzen wieder an und Schulen müssen geschlossen werden. An Kindern geht das nicht spurlos vorüber. Ein Pilotprojekt in der niederbayerischen Grenzregion soll Abhilfe schaffen. Was kann getan werden, um den Betrieb von Schulen und Kitas dauerhaft zu ermöglichen?

„Sichere Schulen im ländlichen Raum“, so ist eine Initiative betitelt, die Gesundheitsminister Klaus Holetschek vorgestellt wurde. Verschiedene Politiker und Institutionen aus Niederbayern und der Oberpfalz hatten das Konzept mit wissenschaftlicher Begleitung erarbeitet. Mit sogenannten „Pool-Testungen“ aller Schülerinnen und Schüler in den grenznahen Bezirken Niederbayern und Oberpfalz können Schulöffnungen zeitnah auch bei hohen Inzidenzen erfolgen, so eine Pressemitteilung des Landkreises Freyung Grafenau.

Außerdem solle der gezielte Einsatz zusätzlicher Impfdosen für Schulpersonal helfen, das Infektionsrisiko zu senken. Momentan seien für die Pilotstudie in erster Linie die Landkreise Freyung-Grafenau, Regen und Passau vorgesehen.

Für ganz Bayern relevant

Sollte im Ergebnis eine sichere Öffnung von Schulen gelingen, sei das Vorgehen in kurzer Zeit bayernweit anwendbar. „Wir wollen unsere Schulen nicht einfach blind öffnen, sondern sehen uns durch die Aussagen der beteiligten Mediziner dazu ermutigt, mit wissenschaftlicher Begleitung auch bei einer höheren Inzidenz den Unterrichtsbetrieb wieder in Präsenz zuzulassen“, werden die niederbayerischen Vertreter der Initiative, Dr. Olaf Heinrich und Sebastian Gruber, zitiert.

Recht auf Bildung versus Gesundheitsschutz

„Der Politik ist es bislang nicht gelungen, die Schule zu einem sicheren Ort zu machen“, kritisiert die Vorsitzende des Kinderschutzbunds Passau, Julia Stern, im Interview. „Die Schulen müssen sicherer werden. Da haben wir Erwachsenen versagt.“

Für sie gibt es mehrere Bausteine, die zu berücksichtigen sind. Neben einer sinnvollen Teststrategie und eine Impfstrategie für Lehrer seien vor allem Raumkonzepte wichtig. So schlägt sie die Nutzung von Turnhallen und leer stehenden Pfarrsälen vor.

Die zweifache Mutter bringt die Gedanken vieler Eltern auf den Punkt: „Schule und Kita sind zentrale Orte, wo Kinder Schutz finden. Eine Öffnung für alle gleichzeitig ist jedoch bedenklich. Das Dilemma liegt darin, zwischen Wohl des Kindes, Recht auf Bildung und Gesundheitsschutz abzuwägen.“ Und da liegt gewissermaßen die Schwierigkeit.

Doch eines steht für sie fest: „Der Preis, den die Kinder zahlen, ist zu hoch. Sie leiden unter dem ständigen Hin und Her.“

Impfung als Lösung?

Gerade das Thema Corona-Impfungen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Impfdrängler allerorts, ungleich verortete Sonderzuweisungen an Impfdosen und die Fraglichkeit der Priorisierung werden thematisiert. 

Michael Fahmüller, Landrat des Landkreises Rottal-Inn, hat am Donnerstag einen Brief an Gesundheitsminister Holetschek geschickt. Eine ganze Reihe von Landkreisen hatten im Vorfeld weitere Impfdosen zugewiesen bekommen, das Rottal ging jedoch leer aus.

"Seit dies bekannt wurde, haben sich nicht nur meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die fast rund um die Uhr in der Bekämpfung der Pandemie tätig sind, sehr verärgert gezeigt, sondern es gibt auch massive und verärgerte Nachfragen aus der Bevölkerung", so Fahmüller in seinem Schreiben.

Lehrerkräfte impfen

Auch der Landtagsabgeordnete Toni Schuberl hat mit seinem Grünen-Parteikollegen Eike Hallitzky einen Brief an den Gesundheitsminister geschickt. Am Sonntag zeigten sie die beiden den Lockerungen gegenüber skeptisch. Aus ihrer Sicht sollten auch tschechische Pendler geimpft werden, um das Risiko eines Viruseintrags aus dem Nachbarland zu reduzieren.

Zum Thema Schulen heißt es in dem Schreiben: "Die Verbreitung der Infektion in Grundschulen erfolgt maßgeblich über Erwachsene, also die Lehrkräfte. Eine Schule mit geimpften Lehrkräften ist daher von der Infektionsgefahr nicht vergleichbar mit einer Schule mit ungeimpften Lehrkräften." Auch die Schüler zweimal wöchentlich zu testen könne darüber hinaus weiterhelfen.

Coronaparty in Wegscheid

Während man sich also an vielen Stellen Gedanken zu möglichen Konzepten für Schulöffnungen macht, wird andernorts ohne Rücksicht auf Verluste gefeiert. In der Marktgemeinde Wegscheid im Landkreis Passau soll eine Corona-Party zu 60 Infektionen geführt haben. Eine erschreckende Zahl, doch bei genauerer Betrachtung der täglichen Polizeimeldungen verwundert sie nicht. Immer wieder müssen Beamte verbotene Treffen von Personengruppen auflösen.

Vorschläge und Strategien im Umgang mit der Pandemie variieren. Was jedoch gleich bleibt, ist die Erkenntnis, dass Lösungen dringend nötig sind. Vor allem für Kinder im Freistaat.

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