Pietätlose Aktion in Eggenfelden Impfgegner-Demo vor Krankenhaus macht fassungslos

, aktualisiert am 30.11.2021 - 12:43 Uhr
Rund 200 Menschen demonstrierten vor dem Krankenhaus in Eggenfelden mit Grablichtern und sorgten für einen großen Polizeieinsatz. (Symbolbild) Foto: picture alliance/Heiko Rebsch/dpa

In Eggenfelden haben sich am Sonntag rund 200 Menschen unangemeldet vor dem Krankenhaus gegen Corona-Impfungen versammelt und ihrer Haltung mit Grablichtern Ausdruck verliehen. An einem Tag, an dem über acht weitere Coronatote aus dem Landkreis berichtet werden musste.

Über die sozialen Medien war zu einem "Spaziergang für die Impffreiheit" aufgerufen worden. Zahlreiche Einsatzkräfte der PI Eggenfelden und umliegender Polizeidienststellen sowie die Bundespolizei mussten anrücken. Medienberichten zufolge sollen unter den Demonstranten sogar Angestellte der Klinik gewesen sein. Es gibt auch Hinweise, dass dies zutreffen könnte. Jedoch konnte Christian Biedermann, Pressebeauftragter der Eggenfeldener Polizei, dies am Dienstag nicht bestätigen. Woher diese Information stamme, wisse er nicht.

"Meinungsfreiheit in allen Ehren, aber in dieser Form, unangemeldet und mit Grablichtern, vor der Klinik aufzutauchen, das ist gegen jeden guten Ton und pietätlos!", echauffiert sich Eggenfeldens Bürgermeister Martin Biber noch am Montagmorgen im Interview. "Selbst wenn man den katastrophalen Überlastungszustand der Mitarbeiter der Kliniken außen vor lässt: Was das mit den Angestellten, Patienten und Angehörigen macht, wenn sie dort Grablichter und Polizisten im Blaulichteinsatz sehen! Wie man so etwas nur tun kann!" Martin Biber scheint von der Dreistigkeit der Demonstranten erschüttert. "Diese Leute treten die Gefühle der Menschen, die jemanden verloren haben, mit Füßen. Auch die Gefühle der Leute, die dort arbeiten", fügt der Bürgermeister noch hinzu. "Ich bin wirklich enttäuscht, dass Menschen bei uns so etwas machen."

Landrat Michael Fahmüller geht es ähnlich: "Ich bin fassungslos. An einem Wochenende, an dem acht Menschen in Zusammenhang mit Corona gestorben sind, demonstriert ein Haufen Unbelehrbarer ausgerechnet vor der Klinik und stört damit auch noch die absolut am Limit arbeitenden Ärzte und Pfleger, die um das Leben ihrer Patienten, für die keine Beatmungsmaschinen mehr frei sind, kämpfen. Das ist, bei allem Respekt vor der Meinungs- und Versammlungsfreiheit, ein unentschuldbares Verhalten für das ich keinerlei Verständnis mehr aufbringen kann."

Impfung als Streitthema

Die schlechte Impfquote im Landkreis Rottal-Inn scheint also nicht von ungefähr zu kommen. Ein Umstand, der für Martin Biber logisch nicht nachvollziehbar sei. "Dass die Impfung funktioniert, sieht man in Portugal, Gibraltar und Brasilien", argumentiert er. Doch warum ist dann die Impfsituation in der Region so schlecht? "Das ist keine einfache Frage. Ein Teil der Wahrheit ist, dass es im dünn besiedelten Rottal in der Vergangenheit nicht notwendig war, geimpft zu sein. Man nutzt keine öffentlichen Verkehrsmittel, sondern fährt mit dem Auto zum Einkaufen." 

Michael Fahmüller hingegen äußert einen anderen Gedanken dazu: "Prinzipiell gehen wir davon aus, dass die Impfquote durch Betriebsimpfungen bei den großen Arbeitgebern in den Nachbarlandkreisen deutlich höher ist – leider liegen uns keine Zahlen vor, wie viele Menschen aus dem Landkreis sich auf diese Weise haben impfen lassen. Dennoch sind wir natürlich unter dem Durchschnitt." Allerdings will er sich diesem Umstand nicht einfach ergeben: "Die Gründe dafür sind schwierig nachzuvollziehen, aber wir werden alles daran setzen, wenigstens die Ungeimpften noch zu erreichen, die für logische Argumente zugänglich sind."

Martin Biber hingegen sieht sich auch als Bürgermeister ungeimpfter Bürger. "Klar gibt es wissenschaftliche und empirische Beweise für die Wirksamkeit der Impfung. Hinzu kommt der solidarische Gedanke", so seine Argumentation. "Nächstenliebe steht schon in der Bibel. Und damit hat es etwas zu tun."

Omikron als Game-Changer?

Die jüngst bekannt gewordene Mutante, die man landläufig als "Omikron-Variante" bezeichnet, macht vielen Menschen Sorgen. Noch kann die Wirksamkeit der bisherigen Impfungen nicht abgeschätzt werden. Moderna arbeite sogar bereits an einer Anpassung des Impfstoffs. Ob dies Impfgegnern in die Hand spielt?

Landrat Fahmüller ist sich da nicht sicher: "Es ist schwer abzuschätzen, ob sich die Mutante negativ oder auch positiv auf die Impfbereitschaft auswirkt. Noch ist ja auch nicht abzusehen, ob und wie Impfstoffe für diese Variante modifiziert werden müssen." In einer Sache hat er jedoch keine Zweifel: "Egal welche Variante das Geschehen dominiert, ohne Impfungen kommen wir aus dieser Situation nicht mehr heraus."

Dabei stimmt Martin Biber zu. "Die Omikron-Variante kann nur ein Ansporn sein, sich doch impfen zu lassen", sagt er im Interview. "Mit Sorge sehe ich das aber schon."

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