Seit 1. Februar ist Claus Fussek offiziell im Ruhestand. Aber er sitzt schon wieder vor seinen Akten und Papierbergen. Morgen will er wiederkommen. Und nächste Woche auch. Die Akten in seinem Büro stehen für 50.000 Schicksale und ein System voller Missstände in der Pflege, die Fussek nicht loslassen.

Das Büro in der Vereinigung Integrationsförderung in der Klenzestraße in München schaut aus wie immer. Am PC kleben die Fotos seiner verstorbenen Eltern. An den Wänden hängen Zeitungsartikel. Und in den Regalen stehen all die Ordner, übervoll mit Schicksalen und Fotos, die das ganze Elend dokumentieren: alte, hilflose Menschen, die in ihren Exkrementen liegen, abgemagert bis auf die Knochen, die offene Wunden haben vom Dauerliegen, deren Körper ausgezehrt sind, weil sie zu wenig zu trinken bekommen.

400 Ordner voller Bittbriefe, Verzweiflung und Missstände in deutschen Pflegeheimen. Fotos dokumentieren Tausende erschütternde Schicksale. Hätte Claus Fussek zu seinem Abschied eine Pressekonferenz gehalten, er hätte sie "Analyse des Scheiterns" betitelt, sagt er beim Besuch unserer Mediengruppe. Was kommt nach, wenn der unermüdliche "Anwalt der Alten" abtritt? Ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Einfach aufhören kann Claus Fussek nicht. Dafür gehen ihm all die Schicksale der Menschen, die bei ihm Hilfe suchten, viel zu nahe. Während des Gesprächs schießen ihm immer wieder Tränen in die Augen.

Herr Fussek, bei Ihnen klingelt ständig das Telefon. Hören Sie wirklich auf?