Pfingstritt Erinnerung an Heinz Kolbeck: Das Pfingstgebet als CD

Heinz Kolbeck (r.), hier zusammen mit Wolfgang Ludwig beim Ausritt, hat sich um den religiösen Gehalt des Pfingstritts große Verdienste erworben. Foto: Archiv, Privat

Durch das Tal zieht das Gebet: So heißt es im Pfingstfestspiel und so sollte es sein, wenn die Pfingstreiter von Bad Kötzting nach Steinbühl hinausziehen, um das Gelöbnis zu erneuern. Damit der alte und in dieser Form seltene Sprechgesang nicht verloren geht oder vergessen wird, haben fünf langjährige Vorbeter im Tonstudio von Tom Berzl in Schorndorf eine CD aufgenommen. "Eine ziemlich spannende Sache", wie Sepp Schmuderer, einer der Teilnehmer, berichtet.

Auf Initiative von Stadtpfarrer Herbert Mader und Leitendem Zugordner Sepp Barth fand im Frühjahr die Tonaufnahme statt. "Der typische Sprechgesang soll der Nachwelt erhalten bleiben. Wir haben für Gebetsschulungen nun eine gute Vorlage. Und geplant ist auch, dass das Gebet im Pfingstreitermuseum abgespielt werden kann", sagt Sepp Barth.

Mit Heinz Kolbeck , Franz Hackl, Josef Mathes, Haymo Richter und Sepp Schmuderer besitzt die Stadtpfarrei eine "professionelle" Vorbetergruppe, die sich seit vielen Jahren bei Flurprozessionen und an Fronleichnam bewährt. Die Gruppe hat den Bad Kötztinger Sprechgesang, wie er auch beim Pfingstritt gepflegt werden sollte, bei vielen Gelegenheiten eindrucksvoll demonstriert. Eine Kunst, die sich durchaus erlernen lässt, wenn Atemtechnik, Betonung, Rhythmus, Tempo, Pausen und Lautstärke stimmen und aufeinander abgestimmt sind.

"Wir waren zwar nicht unbedingt aufgeregt, aber jeder war schon sehr gespannt, was da herauskommt und wie sich das Gebet letztlich anhört", blickt Sepp Schmuderer auf den Besuch in Schorndorf zurück. Insgesamt zwei Stunden dauerte die Arbeit im Studio - was für die geübten Vorbeter ziemlich anstrengend war. "Jeder von uns hatte vor sich ein eigenes Mikro. Dazu kamen zwei Raummikrofone. Es wurden also sieben Spuren aufgenommen und dann zusammengemischt und bearbeitet", erklärt Schmuderer.

Zwei Titel haben die Vorbeter eingesungen: einen kompletten Rosenkranz, wie ihn die Pfingstreiter beten könnten. Und ein zweites Stück, das den Arbeitstitel "Eucharistische Prozession" trägt. Dieses Gebetsmuster wird zum Beispiel an Fronleichnam verwendet. "Wir sind ja Laien und hatten bei der Aufnahme auch keinen Chorregenten dabei. Wir mussten uns also auf unser musikalisches Gehör verlassen", gewährt Schmuderer Einblicke in das nicht einfache Unterfangen.

Bereits vor zwei Jahren hatte Stadtpfarrer Herbert Mader in der Stadtpfarrkirche eine Gebetsschulung für die Pfingstritt-Vorbeter durchgeführt. Der Pfingstritt, als eucharistische Bittprozession, ist ein Glaubenszeugnis. Das immer wiederkehrende und sich bis nach Steinbühl durchziehende Gebet der Reiter soll daher auch die Zuschauer zum Mitbeten ermutigen. Nicht in allen Abschnitten wird allerdings gebetet, starke Gebetsgruppen wechseln sich mit eher zaghaften oder auch nur reitenden Teilnehmern ab. Mit dem Gebetstraining, das auf große Resonanz gestoßen war, sollen eben mehr Reiter zum Mitbeten angehalten werden.

Als jahrelanger Vorbeter hat sich vor allem "Linderbräu" Heinz Kolbeck große Verdienste um den religiösen Gehalt des

Pfingstrittes erworben. Der vor wenigen Tagen im Alter von 67 Jahren viel zu früh verstorbene Brauereibesitzer und Gastwirt war alle Jahre stimmgewaltig mit seiner Gruppe beim Pfingstritt und den Flurprozessionen dabei. Mit mahnenden Worten, "d' Hauptsach' is da Ritt", stimmte er die Pfingstakteure auf die Bedeutung ihres Ehrenamtes ein. Überhaupt war das Pfingstbrauchtum Kolbecks große Leidenschaft: Beim Pfingstritt 2017 wurde er mit dem Ehrenband für 60-jährige Teilnahme ausgezeichnet. Mit Stolz fungierte er im Jahre 1974 als Pfingstbräutigam und freute sich, als Tochter Evi im Jahre 2012, beim großen Jubiläum "600 Jahre Kötztinger Pfingstritt", als Pfingstbraut auserwählt wurde.

Mit seiner tragenden und unverwechselbaren Stimme nahm Heinz Kolbeck auch bei der Tonaufnahme in Schorndorf eine wichtige Rolle ein. "Mit der 1. Stimme, die er übernimmt, hat Heinz Kolbeck uns sozusagen stimmlich geführt", sagt Sepp Schmuderer. Für Heinz Kolbeck ist die Aufnahme des Rosenkranzgebets auch zu einem Vermächtnis geworden. In den Herzen der Pfingstreiter wird Heinz Kolbeck immer weiterleben ...

 
 
 

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