Pfingstritt 2019 10.000 Schaschlik und die "original" Oberkrainer

Auch mit 79 Jahren noch ein leidenschaftlicher Biker: Adolf Wilder auf seiner Goldwing. Foto: Hirtreiter

Wer kennt ihn nicht, den Wilder Ade! Mit 19 Jahren ist er der jüngste Metzgermeister in Bayern. Viele Jahre betreibt er mit seiner Frau eine gut gehende Metzgerei in Arnbruck. Und legt so den Grundstock für sein Unternehmen.

Bekannt wird er als Diskothekenbesitzer. Das Hollywood in Kötzting, das Revolution in Geiersthal, das Vulcano in Aicha vorm Wald und das Fun in Cham: In den 80-er und 90-er Jahren betreibt der umtriebige Geschäftsmann mehrere angesagte Diskotheken. Was die wenigsten wissen: Adolf Wilder war 1967, von 1969 bis 1971 und 1973 Festwirt am Pfingstfest in Kötzting. Wilder ist heute 79 Jahre alt. Unvergessen bleibt ein - nicht ganz alltägliches - Oberkrainer-Gastspiel im Festzelt…

Herr Wilder, wie sind Sie denn damals Ende der 60-er Jahre Festwirt beim Pfingstfest geworden?

Wir hatten in der Schirnstraße eine Metzgerei mit Gastwirtschaft beim Wieser Girgl. Mein Vater hatte die Metzgerei gekauft, das Geschäft war allerdings etwas abgelegen. Irgendwie ist es nicht richtig gelaufen. Ich habe immer wieder spekuliert, wie man besser Geschäfte machen kann. Der Partner des damaligen Festwirts Falter Sepp aus Regen fiel aus irgendeinem Grund aus. Man hat mich gefragt, ob ich einspringe und so habe ich mir das Ganze mal angeschaut und bald gesagt: Das kann ich selber auch machen.

Wurde unter Ihrer Regie Falter Bier aus Regen ausgeschenkt?

Nein. Wir sind damals nicht zusammengekommen. Ich kannte aber den ersten Vertreter von Arcobräu Moos. Ich wollte das Volksfest. Er wollte das Bier liefern. Und so haben wir zusammen ein Angebot abgegeben. Ich glaube damals für rund 10.000 D-Mark.

Was hat die Mass Bier damals gekostet?

Wir haben mit einem Bierpreis von zwei Mark angefangen. Unglaublich oder? Der ist natürlich gestiegen. Als Festwirt habe ich vier Jahre mit Arco Moos zusammengearbeitet. Das Bier kam gut an, es gab nie Beschwerden und wir sind miteinander gut ausgekommen.

Wie war das damals mit der Festküche?

Die Firma Borowitz hat die Hendln geliefert. Den Rest wir. Ich habe einmal über den Winter 10000 Schaschlik selber gesteckt und eingefroren. Beim Pfingstfest waren zwei Tage vor Schluss alle Schaschlik komplett weg. Zwölf Zentner Bratwürste mussten wir per Hand abdrehen, eine Maschine hatten wir damals nicht. Sie können mir glauben: In den Wochen vor dem Fest habe ich nicht viel geschlafen. Und während des Festes auch nicht.

Hört sich nach guten Geschäften an.

Ja, die Geschäfte sind gut gelaufen. Im ersten Jahr sind mir um die 30000 Mark geblieben, ich konnte den Gewinn in den nächsten Jahren dann steigern auf 40000 Mark vor Steuern. Das war damals viel Geld. In den vier Jahren habe ich so viel erwirtschaftet, dass ich in Arnbruck eine Metzgerei kaufen konnte. Weil der Festwirt zur damaligen Zeit aus Kötzting kommen musste, bin ich dann nicht mehr zum Zuge gekommen.

Wie ging denn der Zeltaufbau über die Bühne?

Ich hatte einen Zeltmeister, der mit einigen Bauern aus Bärndorf und Niederndorf zusammengearbeitet hat. Die sind zu Zwölft gekommen und ruck zuck war das Zelt aufgestellt. Ich musste mich da nicht viel kümmern. Unser Zelt hatte damals aber auch schon Platz für 3.000 Besucher.

Da war doch noch was mit einem Oberkrainer-Auftritt ...

(lacht) Oh mei. Der Dienstag in der Festwoche war nicht der beste Tag. Ich musste mir was überlegen und habe auf Plakaten die Original Oberkrainer angekündigt. Ich hatte für den Tag zwar Oberkrainer-Musikanten verpflichtet, aber halt nicht die Originalen Oberkrainer mit Slavko Avsenik. Normalerweise kamen am Pfingstdienstag 800 Leute ins Zelt, an dem Tag waren es 3.000.

Waren die Gäste grantig?

Freilich, ich hab von meinem Büro aus gesehen, wie sie draußen rumgefuchtelt und heftig diskutiert haben, als die Band gekommen ist. Ich habe die Musiker dann hereingebeten, jedem eine Mass Bier und ein Stamperl Steinhäger hingestellt und gesagt: Ihr geht jetzt da raus, spielt schon von hier unten aus auf das Podium rauf und dann eine Stunde lang einen Reißer nach dem anderen. Die haben das gemacht und nach 15 Minuten standen die ersten Gäste auf den Bänken und es war eine super Stimmung im Zelt. Alles war gut.

Blieb das folgenlos?

Naja, ich bin am nächsten Tag in der Zeitung verrissen worden. Die Sache ist dann eingeschlafen. Heute könnte man sowas natürlich nicht mehr machen.

 
 
 

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