Perasdorf Horrende Kosten für Erhaltung der Zwergerlmühle

Sieglinde Ettl steht zwischen den Häuschen und Puppen bei den Wasserspielen in Perasdorf. Foto: jag

Fährt man auf der Kreisstraße von Sankt Englmar im Bayerischen Wald Richtung Perasdorf, eröffnet sich auf der rechten Seite mitten im Wald ein überraschender Anblick: In bunt bemalten Puppenhäusern tanzen kleine Holzfiguren, sägen an einem Baumstamm oder schaukeln ein noch kleineres Holzpüppchen in einer Wiege, andere Puppen wiederum, sausen auf einem Riesenrad im Kreis. Das Ganze sieht aus, als würde dort ein kleines Zwergendorf zum Leben erweckt worden sein.

Viele kennen die Zwergerlmühle bei Perasdorf noch aus ihrer Kindheit, denn bereits seit 1963 speist der Mühlbogenbach die Spiele mit Wasser. Doch um das Idyll zu erhalten, muss die Betreiberin Sieglinde Ettl jetzt horrende Kosten auf sich nehmen. Ein sechsstelliger Betrag ist notwendig, um die Durchgängigkeit des Gewässers zu erhalten und ein Wasserrad zu bauen. Der Grund für die Misere ist eine neue Richtlinie im Wasserhaushaltsgesetz. Wer Ideen hat und sich für die Zwergerlmühle engagieren möchte, Sieglinde Ettl würde sich freuen.

Als sie 2008 die Wasserspiele von ihrer Mutter Sophie Stiglmeier übernommen hatte, hat sie nicht geahnt wie viele Sorgen die kleinen Zwergerl ihr noch machen würden. "Es ist schon ein Herzensprojekt, andernfalls würde ich es nicht mehr machen", sagt Sieglinde Ettl.

Wasserspiele werden überall geschätzt

Die Wasserspiele erfreuen sich großer Beliebtheit bei Einheimischen und Urlaubsgästen. Perasdorfs Bürgermeister Thomas Schuster schätzt Ettls Engagement sehr: "Die Wasserspiele sind eine wertvolle kulturelle Einrichtung, wir dürfen sie auf gar keinen Fall verlieren", sagt er. Das Problem sei, dass es sich um ein privates Projekt handle, für das nicht so einfach Fördergelder beantragt werden könnten.

Auch in der Tourist-Information Sankt Englmar, teilt man Schusters Meinung. "Die Wasserspiele gehören einfach zu unserem Landkreis, da sind wir stolz darauf", sagt Astrid Piermeier, Leiterin der Touristinfo.

Doch dieses Wohlwollen hilft Ettl im Moment nicht weiter. Was die Rentnerin braucht sind echte Unterstützer. Alles begann damit, dass ihr Onkel Friedrich Stiglmeier vor 55 Jahren die Idee hatte, ein kleines Wasserrad in den Mühlbogenbach zu bauen, um Holzpüppchen anzutreiben. Mit der Zeit wurden es immer mehr Puppen. "Oft haben uns Bekannte und sogar Besucher Dinge vorbeigebracht, weil sie wussten, dass wir es vielleicht für die Wasserspiele brauchen können", erinnert sich Sieglinde Ettl.

Ein echtes Problem was die Erhaltung betrifft, ist erst entstanden, als im Wasserhaushaltsgesetz eine neue Richtlinie zur Gewässerdurchgängigkeit erlassen wurde. Fischen muss es möglich sein, das Gewässer ohne Probleme zu passieren. Um die Wasserspiele betreiben zu können, nutzt Sieglinde Ettl jedoch ein Rohr, das Wasser von einer Aufstauung etwas oberhalb, zu den Puppenhäuschen abzweigt. Diese Staustufe war schon immer im Mühlbogenbach verbaut, denn noch von 1926 bis 1980 wurde dort das Wasser für den Betrieb eines Sägewerks genutzt sowie kurzzeitig Strom für den Eigenbedarf erzeugt.

Das Problem, das sich daraufhin ergab: Sieglinde Ettl hatte keine Genehmigung für die Nutzung des Wassers, um die Wasserspiele anzutreiben. Die Genehmigung, das sogenannte Altrecht, gibt es nur für die alte Säge und das Wasserrad mit dem Strom erzeugt wurde.

Für das Jahr 2018 hat Sieglinde Ettl noch eine "beschränkte wasserrechtliche Erlaubnis" bekommen, die Planerstellung und die Genehmigung dazu hat sie aus eigener Tasche bezahlt. "Die Spenden, die von Besuchern in die Spendenbox geworfen werden, reichen lange nicht aus, um die Wasserspiele zu finanzieren", so die 65-Jährige.

 
 

1 Kommentar

Kommentieren

null

loading

Videos