Passauer Amoklauf-Anrufer gesucht Warum ein Jura-Professor eine Belohnung aussetzt

Prof. Dr. Holm Putzke setzte eine Belohnung auf den Täter einer Amoklauf-Ankündigung von 2020 aus. Foto: Ricardo Prestien/NIEDERBAYERN TV

Der 8. September 2020 wird den Prüflingen in der Passauer Dreiländerhalle in Erinnerung bleiben. Um 5.35 Uhr hatte sich ein Anrufer bei der Polizei gemeldet, weil sein Freund angeblich einen Anschlag am Prüfungsort plane. Nun hat der Passauer Jura-Professor Holm Putzke eine Belohnung ausgesetzt, um den Täter zu finden. Seine Intention ist jedoch eine andere, als man denken könnte.

Die Situation für die Studenten war denkbar schlecht. „Diesen Anruf hat die Polizei natürlich sehr ernst genommen und ist mit einem Großaufgebot angerückt, um die Jurastudenten vor einer möglichen Gefährdung zu schützen. Dass diese Situation den ohnehin vorhandenen Stress noch verstärkt und die Studenten zusätzlich verunsichert hat, versteht sich von selbst“, so Holm Putzke im Interview. „Was der Anrufer da gemacht hat, war nicht nur ein Spaß, sondern eine bodenlose Sauerei und auch strafbar.“

Ein erster Verdächtiger

„Nachdem die Ermittlungen in einer Sackgasse steckten, hat die Staatsanwaltschaft sich entschlossen, einen Teil des Anrufs zu veröffentlichen, verbunden mit der Hoffnung, dass jemand die Stimme erkennt. Und tatsächlich haben sich zwei Personen gemeldet, die meinten, den Täter erkannt zu haben“, so Professor Putzke weiter.

In den Fokus der Ermittlungen geriet ein Student, der eine auffallende stimmliche Ähnlichkeit aufwies. Er bestritt jedoch vehement die Beteiligung, meldete sich sogar selbst bei der Polizei. Trotzdem betrachteten ihn die Ermittlungsbehörden als tatverdächtig.

Doch auch die Sachverständige des LKA kam damals zu keinem eindeutigen Ergebnis. „Trotz der vollkommen unzureichenden Beweislage klagte die Staatsanwaltschaft Passau diesen vermeintlichen Täter an, der selber an dem Tag des Anrufs in der Dreiländerhalle war, um die Klausur mitzuschreiben“, wundert sich Putzke noch heute.

Von seiner Unschuld überzeugt, übernimmt der Professor selbst die Verteidigung des Studenten. Nach rund zwei Jahren Ermittlungen wird der angebliche Täter freigesprochen, sogar die Staatsanwaltschaft habe dies beantragt, wie Putzke berichtet.

Tätersuche 2.0

Darauf will es der Jura-Professor aber nicht beruhen lassen. Er setzt eine Belohnung von 3.000 Euro auf den Täter aus.

Doch warum macht sich der Professor nun auf die Suche nach dem echten Täter? Es ist nicht reiner Ärger über die Geschehnisse, nein, er nennt zwei andere Gründe dafür. „Der echte Täter ist aber noch nicht gefunden. Ich habe nun eine Belohnung ausgesetzt, weil der Fall erstens wissenschaftlich interessant ist und es spannend wäre, die echte Stimme des Anrufers mit der meines Mandanten zu vergleichen“, so Putzke. „Man sieht ja, wie schnell es gehen kann, dass man in den Fokus von Ermittlungen gerät und sogar angeklagt wird, nur weil jemand meint, die Stimme von jemandem wiedererkannt zu haben. Dabei ist bekannt, dass das Irrtumspotential bei solchen vermeintlichen Wiedererkennungen anhand der Stimme groß ist.“

Große Versäumnisse sieht er zweitens auch bei den Ermittlungsbehörden. Zu früh habe man sich auf den vermeintlichen Täter fokussiert. „Ich widme mich dem Fall und der Tätersuche auch deshalb so intensiv, um Fehlerquellen im Strafverfahren kenntlich zu machen, damit Fehlurteile verhindert werden können.“

Was steht zur Disposition?

Sollte der wahre Täter nun sein Gewissen erleichtern wollen, könne er trotz nicht unerheblichen Strafmaßes auf mildernde Umstände hoffen. Eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe könnten verhängt werden.

„Es dürfte aber durchaus strafmildernd zu berücksichtigen sein, wenn der Täter sich freiwillig meldet, bevor ihn Zeugen identifizieren. Diese Chance hat der echte Täter noch – und er sollte sie besser nutzen“, so Putzke.

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