Party und Politik

Geisenhausen, Berlin, viertes Album: „Frittenbudes“ Spaziergang auf den Wegen des Ruhms


Die Band "Frittenbude" hat am vergangenen Freitag ihr viertes Album "Küken des Orion" herausgebracht. (Foto: Paul Aidan Perry)

Die Band "Frittenbude" hat am vergangenen Freitag ihr viertes Album "Küken des Orion" herausgebracht. (Foto: Paul Aidan Perry)

Sommer 2007, Geisenhausen: In einem viel zu kleinen Zelt hockt ein junger, bärtiger Mann auf der Bühne und schreit sich die Seele aus dem Leib. "Muschikatzenpuppen!", brüllt er in sein Mikrofon. Es ist spät in der Nacht, die Menge tobt. Die "Muschikatzenpuppen", die er besingt, waren die Vorband seiner Gruppe, ihr Name eine Anspielung auf die damals sehr erfolgreiche Pop-Formation "Pussycat Dolls". Der junge Mann heißt Johannes Rögner, seine Freunde nennen ihn Strizi. Der Name seiner Band: "Frittenbude". Wer den Auftritt der drei Geisenhausener gesehen hat, weiß - da kommt noch großes auf die Musikwelt zu.

Mittlerweile leben Rögner (Gesang, Rap) und seine Bandkollegen Martin Steer (Hintergrundgesang, E-Gitarre) und Jakob Häglsperger (Drumcomputer, Bass, Synthesizer, Geschrei) in Berlin. Die viel zu kleinen Zelte haben Platz für große Festivalbühnen gemacht. "Chiemsee Summer", "FM 4 Frequency", "Highfield-Festival": "Frittenbude" sind schon lange bei den Festivalgängern bekannt. Und nicht nur bei denen: Vergangenen Freitag haben sie ihr viertes Album herausgebracht. Sein Name: "Das Küken des Orion". Der Vorgänger "Delfinarium" hat die Band vom Underground-Tipp in den Elektro-Mainstream katapultiert. Interviews und Rezensionen in Magazinen wie Intro oder Spiegel sind vor dem Album-Release an der Tagesordnung. Umso wichtiger ist für die Band jetzt folgende Frage: Wie geht man mit dem Erfolg um? Und: Wie fühlt es sich denn jetzt an, im Mainstream angekommen zu sein? Martin Steer lacht. "Eigentlich so wie immer". Denn "Frittenbude" war schon immer eine Art Drahtseilakt für Rögner, Häglsperger und Steer. Auf der einen Seite steht das hedonistische Lebensgefühl der Nullerjahre. Samstagnacht, das Abtauchen in Party, Rausch und Ektase. Elektro-Punk, einfach mal auf der Bühne ausflippen und Feiern.

Der Kontrapunkt, wie bei jeder guten Punk-Band: "Frittenbude" schildert auch den Katermorgen danach. Den Moment, in dem man wach wird und feststellt: "So ganz richtig läuft es mit der Welt gerade auch nicht".


Die Musik von Frittenbude ist wie eine Party - Kater danach inklusive


Die zweite Seite des Punks ist immer die Politik. "Wir haben euch was mitgebracht. (Bass, Bass, Bass), Fürs Nazi- und Faschistenpack gibts Hass, Hass, Hass!" So die Zeile, die "Frittenbude" zu ihrem Remix des "Egotronic"-Songs "Raven gegen Deutschland" dazugeschrieben hat. Ihren Auftritt beim Chiemsee Reggae Summer 2011 sagte die Band ab. Aus Protest gegen den Auftritt des Reggae-Musikers Capleton, der für seine homophoben Liedtexte bekannt ist. Als Aktivisten würden sich Rögner, Häglsperger und Steer trotzdem nicht bezeichnen - als unpolitisch aber auch nicht. "Aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen fließen natürlich in unsere Texte mit ein", sagt Johannes Rögner. "Egal, ob das die Grenzpolitik in Europa oder Pegida ist." Zum Beispiel: "Es sind meistens im Winter weniger Menschen auf einer Demo. Und im Sommer ist es genauso. Denn dann sind sie am See oder in einem Park oder einfach im Urlaub", textet Rögner auf dem Song "The Striz". Doch ob sie mit ihrer Musik wirklich etwas bewegen können, da sind sich die drei "Frittenbude"-Musiker nicht so sicher. In einem Interview erzählt Jakob Häglsperger davon, wie die Band einem Freund, der aus Afrika stammt, mit einer Unterschriftenaktion helfen konnte, nicht abgeschoben zu werden. Ob Musik aber an sich etwas bewegen kann? Darüber haben sich nicht nur "Frittenbude" den Kopf zerbrochen.

Und so schwingt die Band seit ihrem Debüt "Nachtigall" zwischen ihren beiden Polen und hält sich dabei prächtig. Ihr Lied "Mindestens in 1000 Jahren" ist zu einer Hymne geworden, die Konzerte regelmäßig ausverkauft. Den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung gibt es auf "Küken des Orion" zu hören. Drei Jahre sind seit dem letzten Album "Delfinarium" vergangen. Die Party ist immer noch so magisch wie früher, die Samstagnacht die beste in der ganzen Woche. Wuchtige Klangsamples aus Afrika treffen auf Synthesizer-Wellen, die sich zu wahren Gebirgen auftürmen. Den Bass haben "Frittenbude" analog eingespielt, live gibt es mittlerweile Verstärkung von "Bonaparte"-Drummer Moritz und dem alten Bandfreund und Musikerkollegen Philipp Dübell. Der Sound hat sich geöffnet - spannend auch deshalb, weil "Küken des Orion" eigentlich eine harte Technoplatte werden sollte, wie die Bandmitglieder sagen. Zum Glück haben sie sich diesen Sprung noch aufgehoben. Die sphärischen Klänge passen auch viel besser zu Texten wie "Hallo Schwerkraft, hallo Schwindeligkeit, die ewigen Freunde einer Nacht, die uns bleibt" und "Wir müssen viel mehr Zucker verschütten". Aber auch der Kater am Morgen danach ist geblieben.

Sind "Frittenbude" jetzt also am Ende und nach fast zehn Jahren Bandgeschichte doch erwachsen geworden? Nicht ganz. "Küken des Orion" ist ein weiterer Schritt auf dem Weg von Johannes Rögner, Martin Steer und Johannes Häglsperger. Und auf dem gibt es genau so wie auf dem Album noch viel zu entdecken - Partys genauso wie Politik.