Ostern Was es mit Redensarten vom Hasen auf sich hat

Nicht nur zu Ostern, sondern auch in der literarischen Welt hat Meister Lampe einen festen Stellenwert. Foto: Manfred Pichler

Die auf der Wiese grasenden Hasen sind ja bekannt. Aus dem alten Schwarzwälder Mundartlied, "Auf'm Wase graset Hase...", das der geniale Volksschauspieler Willy Reichert über die Grenzen vom Spätzleland hinaus bekannt machte. Es erzählt vom Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und dessen beziehungstauglichen Eigenschaften aus Männersicht. Zweifelsfrei in Abwesenheit sämtlicher aktueller Emanzipationsstandards getextet, aber g'schdandne Frauen kommen damit lässig klar und können drüber lachen. Weil man ja weiß, wo der Hase im Pfeffer liegt - auf jeden Fall keinesfalls dort, wo er und der Fuchs sich gute Nacht sagen.

Wer vorgibt, Hase zu heißen und somit völlig ahnungslos und unbeteiligt zu sein, bezieht sich allerdings nicht auf den naiven, unschuldigen Charakter des Tieres, sondern auf ein dokumentiertes Ereignis. Das "Häschen in der Grube" wird auch heute noch im Kindergarten besungen und wie der Hase läuft, ist immer gut zu wissen. Solch reife Erkenntnis ist allerdings meist "alten Hasen" vorbehalten.

Um das Ganze mal aufzudröseln: Der Hase liegt natürlich nicht in Madagaskar oder Sansibar zwischen Pfeffersträuchern. Hasenpfeffer war früher eine scharfe Soße, in der das Tier mariniert und zubereitet wurde und die dem Wildgericht seinen Namen gab. Natürlich war das Fleisch darin das Wichtigste und wer möglichst viel davon in der Pfeffersoße entdeckte, durfte sich freuen, und hatte den Tischnachbarn einiges voraus, weil er zum Wesentlichen vorgedrungen war. Fuchs und Hase pflegen aus nachvollziehbaren Gründen keinen allzu vertraulichen Umgang miteinander. Außer vielleicht in einer total gottverlassenen Gegend, wo man selbst über einen nicht allzu sympathischen Nachbarn froh ist, und ihm mit relativer Höflichkeit begegnet.

"Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts"

Den Herrn Hase, Vorname Viktor, gab es tatsächlich. Als Jurastudent im Heidelberg des 19. Jahrhunderts hatte er einem Kommilitonen seinen Studentenausweis geliehen. Fatalerweise tötete dieser im Duell seinen Kontrahenten und flüchtete nach Frankreich. Dort verlor er den geborgten Immatrikulationsnachweis, dieser wurde gefunden und ans Heidelberger Universitätsgericht geschickt. Aus den historischen Gerichtsakten geht hervor, dass der talentierte Fastjurist Hase seine eingeforderte Aussage zu der Angelegenheit auf die Worte: "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts" reduzierte, und sich damit mehr oder weniger elegant aus der Verantwortung zog.

Heutzutage erklären Zeugnisunwillige schon mal gerne einen "Blackout" zu haben, nicht nur solche mit einem Tier, sondern auch welche mit einem Gemüse im Namen. Ein "alter Hase" weiß, wie er am besten Jägern oder tierischen Feinden entgehen kann, wo die besten Verstecke oder fettesten Gräslein zu finden sind. Er kennt sich auch als Mensch bestens aus in seinem Metier und weiß deshalb auch, "wie der Hase läuft". Was wiederum wichtig ist, um adäquat auf Situationen reagieren, oder ganz real als Jäger treffsicher den Sonntagsbraten erlegen zu können. Mit der Grube, in der das "Häschen saß und schlief" ist wohl die Ackerfurche, die Sasse, gemeint, in die es sich bestens getarnt so bewegungslos duckt, dass man es glatt für krank halten könnte, wie im Kinderlied befürchtet. Auch wenn es nur schläft oder darüber nachdenkt, wo es die Eier verstecken soll.

Als Osterhase tritt der langohrige Feldbewohner erst Mitte des 17. Jahrhunderts in Erscheinung. Ein Frankfurter Arzt erwähnte damals in seiner Doktorarbeit die Existenz eines eierlegenden Hasen im österlichen Brauchtum von vorwiegend Elsass, Pfalz und angrenzenden Gebieten. Als Fruchtbarkeits- und somit Lebenssymbol allerdings ist er aufgrund seiner Vermehrungsfreudigkeit schon lange in vielen Mythologien zuhause. Was lag da näher, das Ei als Urzelle des Lebens und ihn am christlichen Fest der Auferstehung als süße, bunte Überraschungen in Feiertagssymbolik zu integrieren?

In der Astrologie passt Hase zum Schwein

In den meisten europäischen Fabelerzählungen ist Meister Lampe durch nicht allzu hervorragende Eigenschaften charakterisiert. Der "Angsthase" ist nicht besonders mutig und nicht sehr schlau. Allerdings zäh, ausdauernd, flink und an der Erhaltung der eigenen Art interessiert. In der chinesischen Astrologie ist ihm im zwölfjährigen Zyklus ein ganzes, eigenes Jahr gewidmet, 2023 zum Beispiel wieder. Menschen, die unter seinem Zeichen geboren sind, werden für sanfte Wachsamkeit, Freundlichkeit und Geduld geschätzt. Das Wasserkaninchen ist ihr Symbol, ihre Farben unter anderem rot und violett und sie sollten sich am besten ein Schwein - zur Gefährtin oder zum Gefährten wählen. Ein Astrologisches natürlich. Dann steht dauerhafte Anziehung und Harmonie in den Sternen, in den Chinesischen zumindest.

Als Kuscheltier ist der Hase ebenfalls sehr beliebt. Unzählige Verliebte beturteln sich gegenseitig zärtlich mit Hase, Hasi, Häschen, Hasimausi und Bunny. Letztere machten in Mehrzahl auch in pastellfarbenen Satinbodies mit neckischen Puschelschwänzchen bei einem amerikanischen Männermagazin Karriere. Womit wir wieder bei der Emanzipation wären. Der Hase jedenfalls hat auch Karriere gemacht und sich emanzipiert. Als Märchenfigur und Festtagssymbol, plüschiger Seelentröster und schokoladige Schleckerei. Und er hat in den Herzen vieler ein emotionales Nestchen. Nicht nur an Ostern.

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