Ostbayerns grüne Insel Warum der Inzidenzwert in Regensburg so niedrig ist

Kleiner grüner Fleck: Die Stadt Regensburg steht mit einem Inzidenzwert unter 35 landesweit mutterseelenallein da. Foto: Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit / Screenshot: idowa

Blickt man dieser Tage auf die "Corona-Karte" des bayerischen Gesundheitsamtes, sticht ein einsamer grüner Fleck aus dem überwiegend roten Inzidenzwert-Meer hervor: Die Stadt Regensburg ist der einzige Ort in Bayern mit einer 7-Tage-Inzidenz unter 35 – und damit auch den Nachbarlandkreisen teils deutlich voraus. Woran liegt das? Wir haben nachgefragt.

Den Zuständigen im Regensburger Raum ist die Vorsicht angesichts einer oft undurchsichtigen und instabilen Covid-19-Infektionslage im Gespräch deutlich anzumerken. Beim Gesundheitsamt des Landkreises will man sich jedenfalls noch nicht zu Jubelstürmen hinreissen lassen. "Welche Gründe im Einzelnen zu den derzeit niedrigen Inzidenzwerten in Stadt und Landkreis geführt haben, dazu gibt es keine repräsentativen Untersuchungen", erklärt Pressesprecher Hans Fichtl auf Anfrage von idowa. "Es gibt also keine belastbare Datengrundlage." Trotz der aktuell guten Zahlen mahnt Fichtl zur Vorsicht. "Der Landkreis-Inzidenzwert laut RKI liegt zwar heute bei 58,7", betont er. "Man muss aber grundsätzlich feststellen, dass Inzidenzwerte immer nur Momentaufnahmen sind, die sich auch sehr schnell wieder ändern können."

Die Stadt Regensburg verweist auf idowa-Anfrage ebenfalls darauf, dass sich die Situation rasch wieder "drehen" könne. Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra betont aber auch: "Unser Kommunaler Ordnungsservice (KOS) und die Polizei zeigen in Regensburg Präsenz, informieren und kontrollieren mit Augenmaß." Man sei aber auch streng, "wenn Corona-Schutzregeln eindeutig missachtet werden."

Viele Studenten, wenige Grenzpendler

Professor Dr. Bernd Salzberger, Infektiologe am Regensburger Uniklinikum (UKR), sagt, es sei "erfreulich, dass die Zahlen überall gut runtergehen." Dass die Stadt Regensburg die magische 35 schon unterschritten hat, liegt für ihn daran, dass die Domstadt "schon mit relativ niedrigen Inzidenzwerten in die zweite Lockdown Phase gestartet ist." Den auffallend niedrigen Wert im Vergleich mit den Nachbarlandkreisen erklärt er sich vor allem mit der Grenznähe. "In grenznahen Landkreisen wie Cham kann man im Prinzip mit dem Finger darauf zeigen, dass der hohe Inzidenzwert hier mit den Pendlern zusammenhängt", sagt er im Gespräch mit idowa. "Wenn in Tschechien die 7-Tages-Inzidenz konstant um die 500 liegt, dann hat das natürlich Auswirkungen." Selbiges gelte etwa auch für Augsburg, eine vergleichbar große bayerische Stadt mit dreimal so hohem Inzidenzwert. "Auch hier liegt man deutlich näher an den Grenzen zu Österreich und der Schweiz, zudem hat es in Augsburg in letzter Zeit mehrere große Ausbrüche gegeben", erklärt der UKR-Infektiologe.

Studenten sind grade eher bei Mama

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist für ihn aber die hohe Zahl an Studenten in der Uni-Stadt Regensburg. "Da viele Studenten hier vielleicht nur einen Zweitwohnsitz angemeldet haben, werden sie, wenn sie sich infizieren, eben nicht hier, sondern an ihrem Erstwohnsitz als Covid-19-Infizierte gezählt", glaubt Dr. Salzberger. "Das ist ein Phänomen, das wir aus größeren Städten definitiv kennen." Hinzu komme wohl, dass viele Studenten aktuell gar nicht in der Domstadt seien, da die Uni komplett digital ablaufe. "Die sind grade vielleicht oft eher auf dem Land bei Mama als hier in der Zehner-WG", vermutet der Regensburger Mediziner.

Eine hundertprozentige Festlegung auf Gründe für den niedrigen Inzidenzwert in der Domstadt aber traut sich auch der Infektiologe nicht zu. "Am Ende des Tages hat es ein Stück weit mit Glück zu tun", sagt er. "Aber die Regensburger sind anscheinend auch einfach recht vernünftig." 

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