Ostbayern So halten es Faschingsumzüge mit Pferden

Der Einsatz von Pferden bei Faschingsumzügen ist nicht unumstritten. Immer mehr Kommunen und Vereine verzichten mittlerweile auf die Tiere. (Symbolbild) Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Sei es der Drachenstich, Volksfestumzüge oder kirchliche Anlässe: Pferde sind bei vielen traditionellen Veranstaltungen in Ostbayern allgegenwärtig. Beim Fasching sind die Vierbeiner aber zunehmend seltener zu sehen. Immer mehr Kommunen und Vereine verzichten hier wegen Sicherheitsbedenken auf Gespanne mit Pferden. Begrüßenswerter Trend oder übertriebene Aufregung? Wir haben bei Veranstaltern in der Region nachgefragt. 

Der Bogener Faschingszug gehört in Ostbayern zu den größten Umzügen überhaupt. Tausende Besucher verfolgen den Umzug Jahr für Jahr, auch in diesem Jahr wird am 23. Februar wieder ein großer Andrang in der Stadt erwartet. Auf Pferde-Gespanne werden die Besucher heuer allerdings verzichten müssen. Seit dem vergangenen Jahr ist der Bogener Fasching "pferdefrei", wie Christian Freundorfer vom Bogener Kultur- und Festamt berichtet. "2019 haben wir zum ersten Mal auf Pferde verzichtet. In Zukunft wollen wir das auch so beibehalten", erläutert er. Die Kutschen sollen stattdessen von einem Traktor gezogen werden. Bei der Entscheidung haben vor allem Sicherheitsaspekte eine Rolle gespielt, berichtet Freundorfer. In den vergangenen Jahren seien die Auflagen zunehmend strenger geworden. Beschwerden aus der Bevölkerung, etwa von besorgten Tierfreunden, habe es allerdings nie gegeben. Im Gegenteil, so mancher Bogener würde sich freuen, wenn die Pferde weiter Bestandteil des Umzugs wären. 

Sicherheitsbedenken nehmen zu

Bogen ist dabei kein Einzelfall: Auch bei anderen großen Faschingsumzügen in Ostbayern kommen mittlerweile keine Pferde mehr zum Einsatz. In Rötz im Landkreis Cham schon seit 2014 nicht mehr, wie Frank Gazinski, 1. Präsident des Faschingskomitees "Immer dieselben", berichtet. "Wir haben bereits vor sechs Jahren damit aufgehört", erzählt er im Gespräch mit idowa. Einen konkreten Vorfall habe es in Rötz zwar nicht gegeben, Sicherheitsbedenken aber schon. "Die Tiere können ja nichts dafür, für die bedeutet so ein Umzug einfach Stress", so Gazinski. Die Entscheidung, auf Pferde zu verzichten, sei schließlich intern getroffen worden, Forderungen von außen habe es keine gegeben. "Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das Thema heute emotionaler und schärfer diskutiert wird", sagt Gazinski.

Auch in Landshut, wo der Faschingsumzug nur alle zwei Jahre stattfindet, sind Pferde schon seit längerem kein Thema mehr. Horst Heppenheimer und sein "Lustiger Faschingsstammtisch Weiß-Blau e.V." organisieren den Umzug seit 2007 - "seitdem waren keine Pferde dabei", berichtet er. Das liege hauptsächlich daran, dass es "einfach keine Anmeldungen für Pferde" gab. Eine Belastung für die Tiere wäre der Faschingsumzug in seinen Augen zwar nicht, Sicherheitsbedenken kann er aber durchaus nachvollziehen: "Es könnte immer was passieren, wenn das Pferd zum Beispiel scheut und den Reiter abwirft", so Heppenheimer.

Expertin: "Halter muss sein Hirn einschalten"

Ist das tatsächlich so? Oder sind die Sicherheitsbedenken übertrieben? Eine Mitarbeiterin der Pferdeklinik Bieberstein im Landkreis Cham rät ebenfalls zur Vorsicht. "Pferde sind Fluchttiere. Wenn Sie Angst haben, können sie unberechenbar sein. Ein Gefahrenpotential lässt sich hier nie ganz ausschließen", sagt die Expertin. Gerade bei Faschingsumzügen, wo Lärm und Menschenmassen aufeinandertreffen, könnten sich die Tiere schnell erschrecken. Sie kann deswegen nachvollziehen, dass immer mehr Faschingsumzüge aus Sicherheitsbedenken auf Pferde verzichten. Allerdings: "Ein Kutschenpferd, das solche Umzüge bereits kennt und eher ruhig ist, hat hier natürlich weniger Stress. Am Ende muss immer der Halter sein Hirn einschalten. Er muss sein Tier kennen und es einschätzen können. Bei vernünftiger Ausbildung und Training spricht nichts dagegen, das Pferd mal vor eine Kutsche zu spannen."

Dass Pferde im Fasching durchaus polarisieren, zeigt auch unsere Umfrage der vergangenen Woche. Gut 900 Leser machten mit, fast die Hälfte (48 Prozent) machte sich dafür stark, auf Pferdegespanne zu verzichten. Immerhin 25 Prozent sehen keinen Grund dafür und halten die Aufregung für übertrieben. Und 27 Prozent mögen den Fasching generell nicht und halten sich - unabhängig von Pferden - davon fern. 

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