Gefährliche Schneemassen in Bayern Kein Dauerschnee mehr - aber auch keine Entspannung

, aktualisiert am 14.01.2019 - 14:38 Uhr
Besonders in und um Sankt Englmar ist die Lage sehr angespannt. Foto: Feuerwehr Sankt Englmar

Die gute Nachricht: Ab Dienstag soll vorerst Schluss sein mit dem Dauerschneefall in Bayern. Die schlechte: Die Lage bleibt weiterhin angespannt. 

Das Lawinenrisiko in den Alpen ist nach wie vor groß - und der Deutsche Wetterdienst rechnet bis Dienstagvormittag noch mit weiteren Schneefällen. In Österreich sind indes am Wochenende mindestens drei Deutsche bei einem Lawinenabgang getötet worden.

Ab Dienstagmorgen soll vorerst Schluss sein mit dem Dauerschneefall - ab Mittwoch rechnet der DWD in ganz Bayern mit milden Temperaturen. In Regensburg soll es zwischen 0 und 5 Grad haben, genau wie in Straubing. Angespannt bleibt die Lage aber trotzdem: Bei milden Temperaturen wird der Schnee schwerer - was vor allem bei Schneemassen auf Dächern problematisch werden kann. Zudem soll am Donnerstag bereits das nächste Tiefdruckgebiet über Bayern hinwegziehen und kühlere Temperaturen sowie Niederschläge mit sich bringen. "Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt steigt zum Ende der Woche auch in tieferen Lagen die Glatteisgefahr", so der DWD. 

Lawine trifft Hotel im Allgäu

Eine Lawine ist im Oberallgäu abgegangen und hat in Balderschwang ein Hotel getroffen. Verletzt wurde am Montagmorgen von den Schneemassen nach Angaben eines Polizeisprechers niemand. Die Lawine mit einer Breite von 300 Metern drückte Fenster des Hotels ein und Schnee gelangte ins Innere. Weder Gäste noch Angestellte wurden vermisst. Ein Mensch erlitt einen Schwächeanfall und wurde von einem Arzt versorgt. Ob das im Zusammenhang mit der Lawine stand, war zunächst unklar. Einsatzkräfte waren vor Ort, konnten aber zunächst nicht mit Räumungsarbeiten beginnen. Die Zufahrt zur Gemeinde Balderschwang ist wegen der Lawinengefahr seit Sonntag gesperrt. Rund 1.300 Menschen sitzen dort fest.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) macht sich am Montag ein Bild von dem seit Tagen andauernden Schneechaos in den bayerischen Alpen. Wie sein Ministerium am Sonntagabend mitteilte, will Seehofer Einsatzkräfte der Bundespolizei und des Technischen Hilfswerks im Berchtesgadener Land treffen. Geplant sind Gespräche unter anderem in Berchtesgaden und Neukirchen am Teisenberg. Auch ein Statement des Ministers ist geplant. Seine Kabinettskollegin und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte am Sonntag den vom Schneechaos betroffenen Landkreisen weitere Hilfe zugesagt.

Nicht mehr alle Straßen gesperrt

Auch in Ostbayern verschärfte sich die Lage in der Nacht zum Sonntag durch starken Schneefall. In den besonders betroffenen Landkreisen Deggendorf, Freyung-Grafenau, Passau, Regen und Straubing-Bogen mussten mehrere Straßen gesperrt werden. Es kam zu mehr als 160 witterungsbedingten Einsätzen. Mehr dazu lesen Sie hier: Lage verschärft sich erneut - viele Unfälle wegen Schnee

So knickten im Landkreis Regen Bäume unter der Schneelast wie Streichhölzer um. Auch im Landkreis Cham waren die Einsatzkräfte hundertfach gefordert. Ausnahmezustand gab es auch im Skigebiet Sankt Englmar: Dort wurden am Sonntagmorgen wegen der hohen Schneebruchgefahr alle Zufahrten gesperrt, die am Montag wieder freigegeben wurden. Der Skibetrieb bleibt bis auf weiteres eingestellt. Lesen Sie dazu: Skibetrieb in Sankt Englmar eingestellt. Die Polizei bat alle Autofahrer um erhöhte Vorsicht. Wälder und Baumbereiche sollten soweit möglich vermieden werden - generell raten die Beamten, Autofahrten auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Das Polizeipräsidium Niederbayern bilanziert in einer Pressemitteilung ihre zahlreichen Einsätze, die den Schneemassen geschuldet waren. Insgesamt 33 Mal mussten die Beamten in der Nacht auf Montag ausrücken

Unterstützung für Helfer vor Ort

Unterdessen kam aus zahlreichen Regionen Bayerns Unterstützung für die Helfer vor Ort. Aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen rückten etwa rund 130 Rettungskräfte mit mehr als 20 Fahrzeugen in die Region Traunstein aus, nachdem dort der Katastrophenfall ausgelöst wurde. Auch aus dem Landkreis Freising rückte Hilfe an. Das Landratsamt Deggendorf lieferte mehr als 120 Schneeschaufeln in das Berchtesgadener Land. In den Alpen halfen auch 70 Wasserretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beim Räumen der Dächer. 130 Feuerwehrler aus der Stadt Straubing und dem Landkreis Straubing-Bogen fahren am Sonntag nach Bad Tölz, um dort zu helfen. Mehr dazu lesen Sie hier: 130 Feuerwehrler fahren zum Einsatz nach Bad Tölz

Die Gefahr eines Hochwassers besteht laut Überzeugung des Wasserwirtschaftsamts Deggendorf durch die Schneemassen (noch) nicht. Zwar könne der schmelzende Schnee die Pegel natürlich steigen lassen - für ein gravierendes Hochwasser brauche es aber noch andere Faktoren. Mehr dazu lesen Sie hier: Bedeuten Schneemassen automatisch Hochwasser-Gefahr?

 
 

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